Saßen Sie schon mal in einem Zugabteil von München nach irgendwo? Ja? Und lasen Sie ein Buch? Das auch? Und lachten Sie immer wieder stoßweise laut auf? Nein? Dann haben Sie wirklich etwas versäumt, entweder eine richtig gute Zugfahrt mit der Deutschen Bahn (soll`s geben!) oder die Lektüre eines Buchs mit Titel Das Dosenmilch-Trauma Bekenntnisse eines 68er-Kindes! Besser als alle Bücher dieser Art, wo eine jüngere Generation mit ihrer Eltern-Generation abrechnet. Denn was ist lächerlicher als eine 68er-Generation, die mit hochtrabenden Zielen die Welt nicht nur verändern, sondern verbessern wollte und deren Reformen, sieht man mal von freilaufenden Hühnern und der Emanzipation des sog. schwachen Geschlechts und freiem Sex ab, im ideologischen Zwielicht gelandet sind; und zuletzt lieber Kinder erziehen, als selber die Welt zu verbessern, natürlich zu Gutmenschen, aber um den Preis, dann irgendwann selbst samt ihrer Ideale abgelehnt zu werden von den eigenen Sprösslingen, weil sie das alles konservativ, angepaßt und uncool finden. Denn jeder fand seine Alten uncool, das war normal und notwendig. Eltern waren spießig, auf keinen Fall wollte man so werden wie sie. Für die anderen stellte das kein größeres Problem dar, Erwins Eltern zum Beispiel waren rechts, Der Eberhard und die Renate dagegen waren Freaks, nahmen Drogen und hörten Rockmusik, da sah die Sache anders aus. Das konnte man peinlich finden, aber so richtig anders machen konnte man es nicht. Natürlich stritten wir viel zu Hause, aber insgeheim formten mich meine Eltern so, wie es ihnen passte. Und langsam begriff ich das auch. (Seite 111). Und schwierig wirds dann, wenn der eigene Sohn zum Bund will, während Erwin, dessen Eltern genau das cool fänden von ihrem Sohn, auf jeden Fall verweigern will. Und so nimmt es seinen Lauf, das ganze Dosenmilch-Dilemma, ein witzig erzähltes Trauma, sodass einen Mitreisende nach einer Weile interessiert fragen: Was lesen Sie da, das so lustig ist? Und etwas beschämt und verunsichert zeigt man und bekennt, dass man über Leute lacht, die zufällig gerade neben einem sitzen und bierernst dreinschauen, gerade so, als müsse die Welt gleich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in einer ihrer vielen Katastrophen und Traumata untergehen.