Ein etwas spartanischer Titel, aber er trifft es gut. Dorian Blues ist vorallem ein interessanter Film. Ich habe ihn heute gesehen und länger darüber nachgedacht, was dieser Film aussagt und wie er es tut und in wiefern die angestrebte Botschafft auch herübergebracht wird.
Zu allererst ist zu sagen, dass es sich bei Dorian Blues nicht um einen "typischen" Coming-Out Film oder um eine der üblichen "Homofilmproduktionen". Zwar ist das Thema Homosexualität ein sehr wichtiger Faktor innerhalb des Films (vom Plot und auch von der Figur des Dorian her), doch geht es vielmehr um den Wachstumsprozess von Dorian, den er innerhalb des Films durchmacht. Daher erinnert mich der Film sehr stark an den kanadischen Film C.R.A.Z.Y. (auch sehr zu empfehlen), wo es sich zwar auch um einen homosexuellen Protagonisten handelt (der damit auch über einen längeren Zeitraum - im Gegensatz zu Dorian dessen "ich muss hetero sein"-Phase (einer der lustigsten Teile des Films) nicht sehr lange anhält - starke Probleme hat), es jedoch weniger im Rampenlicht steht, sondern auch hier das Kameraobjektiv auf die Entwicklung des Jungen gelegt wird.
Also worum geht es dann bei "Dorian Blues"? Die wichtigsten Aspekte des Films sind:
- das komplexe (und gestörte Verhältnis) von Dorian zu seinem Vater
- das teils schwierige, aber immer herzliche Verhältnis zwischen den beiden Brüdern (ich bin mit nicht sicher, ob es richtig ist hier von Rivalität zu sprechen)
- Dorians Weg zur Selbstfindung (erst in seiner Heimatstadt und dann in New York)
Als positiv ist hierbei anzumerken, dass das Ende des Films nicht zwingend das Ende für die Charakterentwicklung von Dorian ist. Man hat ihn nicht bei seiner Metamorphose zum wunderschönen Schmetterling begleitet, sondern vielmehr bis zu dem Zeitpunkt, wo er beginnt sich zu verpuppen, da sein erster Entwicklungzyklus vorbei ist. Beim letzten Satz (übrigens ein sehr amüsanter letzter Satz) - bei dem klar wird, dass Dorian jetzt eventuell sogar "die" Lektion fürs Leben gelernt hat - zeigt Dorian das Potential glücklich zu werden. Das ist auch mal etwas anderes, da viele Filme (vorallem im Homogenre), bzw. zumindest die meisten die ich davon gesehen habe, immer dem Hauptcharakter das "Überhappyend" bescheren, was zwar schön anzusehen ist, jedoch auf Dauer langweilig und vorhersahbar wird. Allerdings hat dieser Film damit keine Probleme, da der Handlungverlauf ebenfalls recht untypisch ist. Das ist aber auf jeden Fall positiv zu bewerten.
Ich gebe dem Film vier Sterne (was viel ist, eventuell ein klein wenig zu viel; ich bin nicht ganz so gut im bewerten), weil er einerseits von der Handlung her unterhaltsam ist (erster Stern), die richtige Balance zwischen Drama und Komik findet (zweiter Stern), schöne und in keiner Weise platte oder gar zu klischeehafte Charaktere zeichnet (ein halber Stern, da vorallem bei den Eltern ein klein wenig die Tiefe zu vermissen ist) und zumindest bei mir der Film ein weiteres Nachdenken verursacht hat (dritter Stern). Somit wären das dreieinhalb Sterne, doch ich bin großzügig und runde auf.
Prädikat: Man wird das Anschauen nicht bereuen.