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In seinem Erinnerungsband über
Monsieur Picasso und Herrn Schaften berichtet der bedeutende Kunstsammler Heinz Berggruen einmal auch über seine Begegnung mit der ehemaligen Geliebten Picassos, Dora Maar. Die inzwischen Neunzigjährige habe ihn 1997 angerufen, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen konnte, und ihm für die Begleichung ihrer Telefon- und Stromkosten Picassos Tuschezeichnung
Die Trauer der Dora Maar in Aussicht gestellt. Berggruen besuchte sie in ihrer Pariser Wohnung: Selbst Jahrzehnte nach der Trennung vom Malgenie, so Berggruen, sei Picasso dort immer noch anwesend gewesen. Dora Maar, so Berggruen, sei ohne Picasso "gar nicht vorstellbar".
Dass Dora Maar eine eigene künstlerische Individualität besaß, zeigt nun Tania Försters Biografie über "Picassos Weinende", die der Meister auf berühmten Bildern wie Dora Maar mit grünen Fingernägeln oder Guernica immer wieder gern als Melancholische oder Leidende, Passive porträtierte. Detailliert und aufschlussreich verfolgt sie den Werdegang der Fotografin, die im schwierigen Zusammenleben mit Picasso ("die Zeit mit Dora Maar war meine schrecklichste Periode") ihre eigene Arbeit ein ums andere Mal der exzentrischen Selbstdarstellung des Malers opferte und sich dabei zur Muse degradieren ließ. Dabei bezog Förster Interviews etwa mit dem kürzlich verstorbenen Maler Balthus oder dem Galeristen Georges Bernier in ihre Recherche ein. Abgerundet wird das Porträt durch Abbildungen der Fotografien Maars, die ihre Existenz als faszinierende Künstlerin anschaulich dokumentieren.
Als Maar 1997 starb, vermeldete Le Monde: "Jeder kennt ihren Namen -- keiner weiß, wer sie ist". Vielleicht wird nach diesem Buch ja doch noch Dora Maars Leben jenseits von Picasso für den ein oder anderen wieder vorstellbar. --Thomas Köster
Pressestimmen
Buchnotiz zu : Süddeutsche Zeitung, 04.04.2001
In einer Doppelrezension bespricht Bernd Mattheus zwei Bücher, die sich mit Picasso bzw. seiner Lebensgefährtin Dora Maar befassen.
1.) Tania Förster: "Dora Maar" (Europäische Verlagsanstalt)
Mattheus geht zunächst ausführlich auf das Leben von Dora Maar ein, bevor er auf die Stärken und Schwächen dieses Bandes zu sprechen kommt. Sein Fazit fällt schließlich ernüchternd aus: Herausgekommen sei bei dieser Biografie lediglich ein "Desiderat", das Geheimnis der Dora Maar ist seiner Ansicht nach auch nach der Lektüre nicht gelüftet. Zwar habe die Autorin zahlreiche noch lebende Zeitzeugen für ihr Buch befragt, doch auch diese Befragungen können, wie er anmerkt, "die Vielzahl der Mutmaßungen kaum verringern". Das Gespräch mit Balthus beispielsweise gibt für Mattheus vielmehr ein Zeugnis von dessen Gedächtnisverlust ab. Geradezu ärgerlich findet es der Rezensent, wenn - mangels Masse - sogar "Exzerpte aus Auktionskatalogen als Quellen zitiert" werden.
2.) Monika Czernin, Melissa Müller: "Picassos Friseur" (Kiepenheuer & Witsch)
Mattheus scheint die Beziehung Picassos zu seinem Friseur, der ihm nicht nur die Haare schnitt, sondern auch mit der Zeit zu einem Freund wurde und ihn regelmäßig zu Stierkämpfen begleitete, zwar durchaus interessant zu finden. So erfahre man beispielsweise auch etwas über Picassos Aberglauben (er bewahrte Bart- und Kopfhaare auf, um sich vor bösen Zaubern zu schützen, erläutert Mattheus). Doch nach Ansicht des Rezensenten hätte ein Essay oder eine Reportage zu diesem Thema völlig ausgereicht. Dass die Autorinnen der Länge wegen noch Ausflüge in Picassos Liebschaften oder den Spanischen Bürgerkrieg unternommen haben, hätte nicht unbedingt sein müssen, findet der Rezensent. Auch das Versprechen des Verlags, "Picasso wie ihn keiner kennt" zu präsentieren, werde hier nicht eingelöst.
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