Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Um glücklich zu sein, bedarf es wenig..., 24. Mai 2009
Andreas Doppler ist der typische Familienvater: guter Job, nette Frau, zwei Kinder und schickes Häuschen. Nett und tüchtig, aber langweilig, nichtssagend. Nach dem Tod seines Vaters und einem Fahrradunfall im Wald, fällt ihm genau das auf und er beschließt, es sofort zu ändern. Mit nur wenig Ausrüstung zieht er von seinem gutbürgerlichen Häuschen in den Wald, um dort in einem Zelt zu hausen. Seine Familie lässt er zurück, entflieht der Tüchtigkeit seiner Mitmenschen, nur um seine Sucht nach Magermilch zu befriedigen, zieht es in noch ab und zu in die Stadt.
Um sich ernähren zu können, beschließt er, einen Elch zu jagen und tatsächlich schafft es der selbsternannte Eremit, eine Elchkuh nur mit einem Messer zu erlegen. Nun hat er genug Fleisch für Monate, doch nicht nur das: das Kalb der Elchkuh folgt ihm und schließlich adoptiert er es und tauft es auf den Namen Bongo. Gemeinsam verbringen sie schöne Tage, Doppler ist zufrieden mit sich und seinem schlichten Leben, doch die von ihm so verhasste Außenwelt dringt immer wieder in sein kleines Reich im Wald ein. Seine Frau zwingt ihn, auf seine Kinder aufzupassen, verkündet ihm gar ihre erneute Schwangerschaft, Spaziergänger mokieren sich über seinen neuen Wohnsitz und sein kleiner Sohn Gregus will doch tatsächlich lieber bei seinem Vater im Wald wohnen! Unerträglich!
Schließlich stellt ihm seine Frau ein Ultimatum: bis zur Geburt ihres Kindes wartet sie noch auf ihn, doch wenn er dann nicht wieder aus dem Wald heraus kommt... Doppler sieht sich gezwungen, seinen Weg zu überdenken und widmet sich einem neuen, letzten Projekt. Wird das aber wirklich genug sein?
Eine seltsam schräge Geschichte hat Erlend Loe sich hier einfallen lassen, doch wahrscheinlich ist es genau dieses Seltsame, das einen fesselt und verwirrt, aber gebannt zuhören lässt. Sprecher Andreas Fröhlich schafft es mit seiner intensiven Interpretation dem Lauscher vorzugaukeln, Doppler würde ihn direkt ansprechen. Oft ist man versucht, ihm zu antworten und ihm zu sagen, was er tun soll oder was lieber nicht. Man merkt, dass Fröhlich Dopplers Geschichte wirklich nachempfinden kann. Jedes Wort sitzt, jede Stimmungslage, jeder Gag kommt authentisch rüber und man glaubt ihm, dass er meint, was er sagt. Fast scheint es so, als sei er mit dem Namensvetter zu einer Person verschmolzen...
Die Story selbst ist, trotz der radikalen Lebensumstellung der Hauptfigur, recht unspektakulär.
Ein Mann mittleren Alters entdeckt, dass sein Leben bisher nicht so verlief, wie er es unterbewusst erhofft hatte. An seiner Sinn- und Lebenskrise lässt uns Erlend Loe teilhaben und legt dabei das Gewicht auf die kleinen Dinge, die zunächst nicht wichtig erscheinen, aber so eine sehr schöne Wirkung entfalten können.
Manch einem mag die Geschichte vorkommen wie ein modernes Märchen von der Selbstfindung, anderen mag der Sinn für Realität fehlen, wieder andere werden die Gedankengänge des menschenscheuen Dopplers gut nachvollziehen können. Doch egal ob Märchen, Realität oder Seelenverwandtschaft, gut unterhalten wird man bei dieser ungekürzten Lesung allemal, was zu großen Teilen dem wunderbaren Sprecher zu verdanken ist.
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15 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
mein freund der elch, 3. September 2007
andreas doppler hat einen fahrradunfall.
nicht weiter tragisch, denkt man. aber während doppler nach seinem sturz im wald gen himmel starrt, macht er sich so seine gedanken - vorallem wird ihm eins klar: die tüchtigkeit (eng verbunden mit dem spießertum) wird sein erklärter feind.
in der schule war er tüchtig, hat eine tüchtige frau, war tüchtig in seinem beruf - damit soll nun schluß sein! doppler zieht in den wald, zieht die einsamkeit der nähe zu den menschen vor.
als eine erste große tat des wilden mannes wird beschrieben wie andreas doppler -ausgehungert- eine elchkuh erlegt. diese kuh dient ihm in der kommenden zeit als nahrung sowie als handelsgut.
daß er dem elchkalb -welches er später bongo (im andenken an andreas dopplers vater)- die mutter umbringt, wird ihm in dem moment bewußt, als das röhrende kalb vor seinem zelt steht. nach einem mißlungenen versuch, auch das kalb niederzustrecken, freundet sich doppler mit dem kalb an.
sie verbringen viel zeit miteinander im wald. bongo ist nicht nur, wie doppler bemerkt, ein tierisch guter zuhörer, der sich geduldig dopplers leben anhört, sondern auch ein äußerst schlechter memory-spieler.
im laufe der geschichte des erklärten misanthropen, macht doppler die bekanntschaft mit düsseldorf -einem besessenen modelbauer, den er zunächst bestiehlt-, beschenkt einen einbrecher reich mit einem dvd-player und der dvd-sammlung seines sohnes, bringt seinem jüngsten sohn die freuden des wald-lebens näher, erfährt, daß er einen elbischen namen hat und zu guter letzt offenbart ihm seine frau, daß er erneut vater werden wird und daß dann sein waldleben ein ende haben wird.
erlend loe nimmt den leser in einer 160 seitigen reise mit auf den weg in den wald, läßt doppler über den sinn des lebens philosophieren; stets in einer ironisierenden, doppelbödigen art und weise, so daß einem nie langweilig wird. eine oberflächlich komische, tiefgründig ernste geschichte.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Kinoabend, oder lieber ein gutes Buch lesen?, 1. Oktober 2007
7¤uro95 für einhundertfünfzig Seiten sind nicht viel, wenn man bedenkt, dass für diese Summe ein Kinoabend inklusive Popcorn und einem Erfrischungsgetränk drin währen, trotzdem würde ich jeden das Buch empfehlen, bevor er ein Kino besucht. Denn so köstlich unterhalten, und dann auch noch werbe frei, wurde ich schon lange nicht mehr. Sicher, ich gebe zu, ein guter Leser schafft es, das Buch in der selben Zeit auslesen, wie ein durchschnittlicher Film im Kino läuft, aber ohne groß die Pointen im Buch zu verraten, hat die Geschichte einen roten Faden an Humor, und pikst den Leser mit einer sozialkritischen Nadel genau dahin, wo er dann anfängt nachzudenken, und hält uns allen, in einer zeitlosen Erzählung den Spiegel unsern eigenen Leben, unserer Politik, und unseren Streben nach Perfektion vor.
Fünf Sterne von mir, denn die Geschichte geht im Kopf weiter!
Mit freundlichen Grüßen Andreas
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