Lange Zeit war es ruhig um U-God, jetzt ist das Wu-Tang Clan Mitglied wieder Solo unterwegs und hat sein neues Album "Dopium" im Gepäck. Sein Debüt "Golden Arms Redemption", das vor 10 Jahren erschien, gehört mit zu den besten Alben der Wu-Tang Historie, jedoch sind in der Zwischenzeit viele Jahre vergangen und der alte Glanz teilweise ganz schön erblasst. Ganze vier Jahre ließ sich die wohl markanteste Stimme des Clans Zeit für "Dopium", relativ lange wenn man bedenkt, dass es gerade einmal 11 Songs plus 3 Bonus Remixes auf die Platte geschafft haben. RZA, mit dem U-God ja nicht immer ein gutes Verhältnis hatte, ist hier leider nicht mit von der Partie, weder als Producer noch als Feature. Dafür haben sich die Kollegen Ghostface Killah, Raekwon, GZA und Method Man zur Verfügung gestellt, außerdem trifft man auf weitere bekannte Gesichter wie Cappadonna, Killah Priest, Jim Jones, Sheek Louch oder Large Professor.
Ohne Intro wird man gleich von einem echten Banger begrüßt. "Train Trussle" heißt das Stück, bei dem uns zunächst Ghostface Killah eine gewohnt gute Performance auf die Ohren zimmert, aber auch U-God's Organ ist mal wieder ein Genuss, sein Kollege Scotty Wotty ist ebenfalls mit dabei. Dies alles geschieht über ein zwar recht temporeiches, aber auch eher dunkles und richtig großartiges Instrumental, das den RZA schon fast vergessen macht. Komplett anders, nämlich wunderbar entspannt, sehr melodisch und mit einer gehörigen Prise ist "God Is Love" ausgestattet. Passenderweise ist hier Killah Priest mit dabei, aber auch Cappadonna droppt einen Vers. Sehr schön die drei diese nachdenklichen Rhymes kicken zu hören, das berührt Seele und Verstand. U-God's größtes Kapital, die tiefe Stimme, ist jedoch nicht nur für ernste Sachen einsetzbar. Auch Tracks, bei denen man einfach nur abgehen kann, funktionieren damit perfekt, so auch "Lipton" (feat. Mike Ladd), das richtig schnell aus dem Speaker pumpt, wozu U-God wie am Fließband seine Reime spuckt.
"Coke" passt schon vom Titel her wie angegossen auf ein Album namens "Dopium". Zu Gast sind hier Raekwon und Slaine. Der eine veröffentlicht demnächst "Only Built 4 Cuban Linx II", der andere ist gerade mit La Coka Nostra unterwegs, also die perfekten Gäste für diesen Song. Beathoven schmiedete einen leicht verruchten Smash, bei dem neben den Drums besonders eine E-Orgel hervorsticht. Alle drei machen hier einen guten Job, leider geht U-God ein bisschen unter, dennoch ein echter Hit. Massig georgelt wird auch bei dem kraftvollen "Wu-Tang", eine Kollabo mit Method Man. Die Produktion ist hier nicht wirklich besonders, bringt einen dennoch zum Mitgehen, nebenbei spürt man ganz deutlich, dass den Jungs auf Solopfaden noch lange nicht das Feuer ausgegangen ist, im Gegensatz zu ihren Aktivitäten mit dem Clan.
Einer von nur zwei Tracks ohne Feature ist "Dopium". Sehr entspannt, leicht funky und vom Style her einfach gut am Drogengeschäft orientiert, noch dazu ein MC in alter Stärke... was will man mehr? Auch die letzten beiden Lieder fallen in der Qualität nicht ab. Angefangen bei dem sehr elektrischen Brecher "Rims Pokin Out" (feat. Lethafase), vollendet mit "New Classic" auf dem Large Professor, der ja selbst erst vor Kurzem ein tolles Comeback gefeiert hat, gefeatured ist. Hierbei handelt es sich um einen New York typischen Song. Ein leicht dunkler Touch, selbstbewusster Beat und ein Pianospiel mit Power, eine Kombination, die die beiden End-30er wunderbar unterstützt. Dies war es mit dem offiziellen Teil von "Dopium". Als Bonus lies U-God die Songs "Stomp Da Roach", "Dopium" und "Hips" noch von europäischen Electro DJs remixen. Sehr speziell, sicher mal interessant anzuhören, aber wohl für die meisten Hip Hop und Wu-Tang Fans ungeeignet.
Auch wenn "Dopium" recht kurz geworden ist, ist es dennoch gelungen. Keine Ausfälle - mit Ausnahme der Bonus Tracks - und ein U-God, der auch mit 38 noch rappt wie ein Jungspund. Weniger Features wären sicher von Vorteil gewesen, da U-God manchmal etwas untergeht, alles in allem jedoch eine Platte, die man sich als Anhänger vom Clan und Fan von East Coast Rap guten Gewissens zulegen kann.