Eine auch für den Nicht-Theoretiker verstehbare soziologische Analyse erklärt auf häufig hochinteressante Weise, wie Doping vor allem im Westen in der Vergangenheit vielfach funktioniert hat. Die Autoren stellen fest, dass sich der Spitzensport, wenn er auf Dopingerfolgen begründet ist, sich mit der Zeit von selbst auflöst. Diese Schlussfolgerung ziehen sie aus einem, wie die Autoren erläutern, erheblichen Dropoutproblem, das im Sport der Bundesrepublik Deutschland zwischen 1970 und 1990 geherrscht haben. Ferner stellen sie fest, wie über Doping kommuniziert worden ist und wie mit Dopinggegnern bzw. Personen umgegangen wurde, die das Tabu der Kommunikation über Doping gebrochen haben. Sie erläutern zudem, welche Spezifiken beim Doping im Frauensport wirksam werden - eine neue und wichtige Feststellung. Schließlich machen die Verfasser deutlich, dass Fatalismus in der Dopingfrage eine Ursache der häufig diskutierten Freigabeforderung ist. Am Beispiel des Dopingskandals während der Tour de France 1999 wird umfangreich dokumentiert, wieviel mehr Wissen über Dopingpraktiken freigesetzt wird, wenn staatliche Organe Ermittlungen anstellen. Anschließend fassen die Autoren den Stand internationaler Präventionsbemühungen zusammen und stellen eigene Bausteine für eine Prävention vor. Zahlreiche Vorschläge können dabei als Material für die Bearbeitung des Themas in Schule oder bei Verbandslehrgängen verwendet werden. Dabei geht es darum, bei jungen Sportlern Reflektion auszulösen. Athleten müssen auf die unweigerlich im Lauf der Karriere auf sie zukommende Dopingversuchung vorbereitet werden, nur so könnten - wenn die Frage Doping oder Dopingverzicht auftaucht - bewusste Entscheidungen gegen Doping erwartet werden. Die Befähigung zu selbstständigem Denken ist nach Meinung der Autoren die beste Versicherung gegen Doping. Insgesamt ist in diesem Buch, mit dem ein Forschungsprojekt zum Thema Leistungsentwicklung und Doping (siehe "Doping im Spitzensport", Aachen 2000) eine gute Mischung zwischen Analyse und Prävention gelungen. Die Publikation diskutiert wichtige Fragen des modernen Hochleistungssports aus soziologischer und pädagogischer Sicht und liefert dabei unverzichtbare Erkenntisse zu einem komplexen Phänomen. Trotz ihres wissenschaftlichen Anspruchs lassen die Autoren jederzeit keinen Zweifel über ihre strikte Gegnerschaft zu dieser Betrugsform im Sport aufkommen. Und das kann man beileibe nicht über alls Publikationen zum Thema Doping sagen. Eine wichtige Arbeit, die viele Leser finden sollte.