Dass es schlechte Bücher gibt, dies erschließt sich beim Blick auf die Bestsellerlisten ja von selbst. Dass aber »Doof it yourself« dabei auch noch so schamlos ist, sich den Mantel der Bildungsnähe umzuhängen und dem Leser zu suggerieren, hier könne er Bekanntschaft mit Anspruch und Tiefsinn machen, lässt sich nur als Frechheit bezeichnen. Diese völlig sinnfreie Publikation hat mit Bildung exakt soviel zu tun, wie der Ballermann mit Dostojewski. Nach dem Erfolg von »Generation Doof« - der übrigens genauso wenig verwunderlich war, wie der Erfolg der Bildzeitung -, erforderten es natürlich die Gesetze der ökonomischen Vernunft, so schnell wie möglich einen Nachfolger in den Markt zu drücken, so als wäre eben dieser Markt nicht schon voll bis unters Dach mit unnötigem Blödsinn, den die Welt nicht braucht. Aber Hauptsache, der Rubel rollt.
Kommt es eigentlich niemandem seltsam vor, dass ein Buch, welches sich angeblich einem Bildungsideal - welchem auch immer, dem humanistischen ganz sicher nicht - verpflichtet fühlt, aufgemacht ist wie ein trivialer Comic-Strip - mehrfarbig und mit jeder Menge bunter Bildchen? Welche Botschaft soll denn hier bitteschön vermittelt werden? Leute, bildet euch, lest Comics? Allein durch diese äußere Form entlarvt sich das ganze Blendwerk ja schon selbst. Der Inhalt hält dann freilich auch, was die Aufmachung verspricht: Bis zur Schmerzgrenze gehende Banalitäten werden da verkündet, um Bildung - und nun kommt's - vorzutäuschen. Ganz richtig, hier geht es an keiner einzigen Stelle darum, Wege zum Bildungserwerb aufzuzeigen, der doch in »Generation Doof« noch als absolut erstrebenswert dargestellt wurde. Hatten die Autoren dort die Bildungsferne breiter Bevölkerungsschichten noch beklagt - freilich nur als Vorwand, um sich 300 Seiten lang über andere Menschen lustig zu machen -, so kann davon nun keine Rede mehr sein.
Während wahre Bildung gerade dazu führt, unabhängiger von fremden Meinungen zu werden und nicht wie die Affen jeder gesellschaftlichen Konvention hinterherzulaufen (»Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen«), so scheint das Bildungsideal von Bonner/Weiss ein ganz anderes zu sein: Bildung ist, was dich zu einem funktionierenden Rädchen im System macht. Habe also den Mut, zu täuschen, zu tarnen und zu simulieren, wo es nur geht, hinterfrage nichts, sei stromlinienförmig und konform, bringe den Chef oder deine Partybekanntschaft dazu, dich für klug zu halten, ob du es nun bist oder nicht. Wichtig im Leben sind Erfolg, Karriere, Status und Geld, wenn Bildung dazu verhilft: gut, wenn's auch ohne geht: noch besser! - Wie anders ist es zu verstehen, dass in »Doof it yourself« seitenlang Bekleidungstipps (!) verkündet werden? Empfohlen wird da allen Ernstes, dem »Klamottengleichnis« zu folgen (S. 78). Das geht ungefähr so: Elegante Kleidung = teuer = gut bezahlter Job = Können = Wissen = Bildung. Warum also noch Kafka und Schopenhauer lesen, wenn man auch mit einem 1000-Euro-Anzug durch die Gegend laufen und Intelligenz heucheln kann?
Abschließend seien zwei kleine Beispiele genannt, die nur pars pro toto stehen, denn die Anzahl ähnlicher Geniestreiche ist Legion: Auf Seite 152 werden wir mit der unschätzbaren Erkenntnis vertraut gemacht, dass es im Job nicht hilfreich sei, zu prahlen und anzugeben, es dagegen eine Unabdingbarkeit darstelle, die Kollegen immer artig zu grüßen. Sapperlot, gut, dass man so etwas mal gesagt bekommt und nicht dumm sterben muss. Aber schließlich ist das noch gar nichts: Auf Seite 112 findet sich wortwörtlich und allen Ernstes der erleuchtende Tipp: »Du willst mehr Kontakte? Fang an zu rauchen, und lern dadurch flugs alle Raucher kennen.« - Wer nun ein trockenes Brötchen im Kopf hat und solche Vorschläge genial findet, der kaufe sich zuversichtlich dieses Buch, denn er wird auf seine Kosten kommen. Wer sich jedoch nur eine einzige Gehirnzelle bewahrt hat, der opfere für dieses Produkt der Gegenaufklärung keinen müden Cent.