Jeder weiß, wenn er mal das Radio anschaltet oder MTV sieht: Es gibt soviel Schrott - doch laut diesem Buch gibt es eigentlich nur Schrott. Ein Album oder eine Band kann so gut sein wie sie will, gilt sie als etabliert, wird von den zusammengewürfelten Beiträgen in "Hype" alles aufs ignoranteste negiert. Dabei war zunächst meist optimistisches Interesse geweckt, denn natürlich kennt jeder so ein Album, das einem als unfehlbares Meisterwerk angepriesen wurde, nur um anschließend völlig enttäuscht den entstanden Geldverlust zu beklagen. Doch beim Lesen (zum Glück habe ich es nicht gekauft, sondern aus der Bibliothek ausgeliehen) wurde ich ebenfalls enttäuscht: Auch wenn hier tatsächlich viele Platten gelistet sind, die ich als zu überbewertet ansehe, verdient die "Kritik" die daran geäußert wird diesen ohnehin anrüchigen Namen nicht. Arrogante, unsachliche Hasstiraden werden hier abgespult, durchsetzt mit noch geschmackloseren und hinterhältigeren Seitenhieben, die sich in erster Linie gegen die Bandmitglieder, ihr Auftreten, ihre Aussagen, ihre Gründungsgeschichte, ihre persönlichen Eigenschaften, ihr Aussehen, ihre Produzenten, ihre Texte, usw. ... richtet. Etwa 5 - 10 % des Buches beschäftigt sich ernsthaft mit Musik, also das, worum es hier eigentlich gehen sollte. Sachliche Objektivität und überzeugende Argumente sucht man vergeblich, dafür eine unerträgliche Masse an intellektueller Selbstbefriedigung auf Kosten anderer. Oft weiß man am Ende des Essays gar nicht, was für Musik der besprochene Interpret eigentlich macht, außer, dass sie überbewertet wird natürlich. Ähnliches gilt auch für die Kritik selbst, denn häufig fragt man sich, was dem Autor eigentlich an dem Album/Band/Musik nicht gefällt, wird dafür aber ungefragt über alles informiert, was dem Verfasser irgendwie ankotzt; alles weitere wird mit negativen Attributen bedacht, damit man die Inhaltslosigkeit der Kritik nicht mitbekommt. Man spürt, dass es ihnen Spaß macht ihr uninformatives Gezeter zu schreiben, sich selbst gern reden zu hören, den Frust abzulassen; doch dabei richtet sich dieser Ärger meist nicht präzise gegen ein bestimmtes Album, vielmehr wird einfach wütend in den Raum geredet, ohne sein eigenes Opfer genau benennen zu können. Diese Planlosigkeit des Herausgebers zeigt sich unter anderem an Elvis' Album "The Original Sun Sessions", das sowohl als überschätztes Album gelistet, als auch am Ende in den alternativen Top 100 der Autoren erwähnt wird.
Der Hass, den der Herausgeber damit heraufbeschwört, ist so sicher wie der Erfolg dieses Buches; negative Publicity ist immer noch Publicity. Die vielen polarisierenden Rezensionen sind ein eindeutiges Zeichen dafür, dass dieses Machwerk anscheinend nur veröffentlicht wurde um verkaufswirksam zu provozieren. Mein Hass gilt nicht einmal der Verunglimpfung einiger meiner Lieblingsalben, sondern eher der dummdreist verschenkten Chance des originellen Ansatzes. Dabei wird auch konsequent übersehen, dass nicht die Musiker sondern wir selbst die Dummen sind, die den "Hype" um jene Meisterwerke entfachen; um genau zu sein, in erster Linie sind es ja gerade Kritiker, die wahrlich niedrigste Lebensform der Gesellschaft, welche den Ruf vieler Bands und Alben so lobesschwanger in Stein meißeln. Also denken sie dran: Wenn sie neugierig sind, kaufen sie das Buch nicht, dann haben die Herausgeber gewonnen. Leihen sie es sich irgendwo aus, oder lesen sie es schnell in der Buchhandlung. Aber noch besser ist: Lesen sie es gar nicht. (Erik Wenk)