Nach zwei schwächeren Alben, besinnen sich J.B.O. auf dem neuesten Werk wieder auf ihre Stärken. Es geht auf 'I don't like metal - I love it' eindeutig wieder metallischer ab. Ich für meinen Teil, kann das nur gut finden. Die Band selbst muss sich natürlich stets an Großtaten wie 'Meister der Musik' oder 'Laut' messen lassen, was es mitunter schwerfallen lässt, ein neues Album der Band halbwegs unvoreingenommen zu hören und zu bewerten ohne einen Verriss in Gedanken zu verfassen, noch bevor man mit dem Schreiben begonnen hat. Nun - werfen doch mal einen Blick auf die neuen Songs:
Das Album:
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01. I don't like metal (4:43) -> Originalsong: 'Dreadlock Holiday' von 10CC
Die Jungs beginnen stark und legen mit einem 10CC Cover los und rocken sich durch den Gehörgang, dass es eine wahre Freude ist. Etwas betagtere Fans können sich sicherlich noch an den Originalrefrain 'I don't like Reggae - I love it' erinnern. Klarer Fall. 5 von 5 Sternen
02. M.E.T.A.L. (4:18) -> Originalsong: 'D.I.S.C.O.' von Ottawan
Nette Doublebass. Ein schwungvoller Song der durchaus Mosherqualitäten mitbringt. Der Song ist insgesamt hervorragend umgesetzt, reißt mich aber nicht so sehr mit wie 'I don't like metal' was durchaus am Originalsong liegen kann. 4 von 5 Sternen
03. Angie - quit living on dreams -> Originalsong: 'Jeanny' von Falco
Was für ein Hammer! Der Song hat einen politischen Text verpasst bekommen und ist ähnlich böse wie bereits der Originaltext. Spielerisch zeigen J.B.O. hier, dass sie nichts verlernt haben. Handwerklich ist dieses Lied 'ganz großes Kino' und auch Veit zeigt hier sein volles stimmliches Potential. Besser gehts aus meiner Sicht nicht. 6 von 5 Sternen für diesen Geniestreich
04. Hitler hatte keinen Sex (5:05)
Hier haben wir also die erste Eigenkomposition. J.B.O. beziehen einmal mehr Stellung gegen Nazis. Der Text ist sicherlich nicht dazu bestimmt in einem Rutsch durchzulachen. Aber er hat eindeutig seine Momente, es lohnt sich daher, genau hinzuhören. Kein großer Hit, aber die Jungs beziehen eindeutig Position. Sehr gut gefallen hier auch die aus alten Werken bekannten Interaktionen zwischen Veit und Hannes. Ich sag nur: "Wußtest Du, dass der Biß eines einzigen Nazis für eine Hornisse tödlich sein kann?" 4 von 5 Sternen
05. Das Eine (3:27)
J.B.O. erzählen uns hier, was Frauen wollen. Leider verfallen die Jungs hier in platten Klamauk. Trotz der kurzen Spielzeit reicht es völlig, diesen Song ein- bis zweimal laufen zu lassen. Mit viel gutem Willen, 2 von 5 Sternen.
06. Geh mer halt zu Slayer -> Originalsong: 'Vamos a la playa' von Righeira
Ein weiteres wirklich starkes Cover begeistert hier nach bester 'mit Metal ist alles viel besser' Manier. Vollkommen gelungen und eine würdige Umsetzung des Originals (hätte so durchaus auch auf eine 'Explizite Lyriks' drauf gepasst), daher 5 von 5 Sternen.
07. J.B.-Boy und J.B.-Girl (2:34)
Na ja, irgendwie ist dieses Lied recht durchwachsen und reißt mich nicht sonderlich mit. 3 von 5 Sternen
08. Dio in Rio (3:12) -> Originalsong: 'Pogo in Togo' von United Balls
Mir gefällt der Song. Im Vergleich zum Original, ist diese Version eindeutig peppiger und natürlich durch den Text auf Metal-Bands umgedeutet. Kein Smash-Hit, aber grundsolider Rock mit netter Pointe im Finish. 4 von 5 Sternen
09. Der böse Gott (2:01)
Erinnert von der Machart her ganz klar an 'Elter Shelter' aus 'Sex, Sex, Sex'. Eher Zwischenspiel als Song, daher ohne eigene Wertung. Macht aber eindeutig Laune.
10. Der Ossi sucht das Glück (2:26)
Neben 'Das Eine' für mich der Tiefpunkt der CD. Keine Ahnung was die Jungs da geritten hat. Weder lustig, noch bringt das Stück die Elemente mit, die ich an J.B.O. so mag. 2 von 5 Sternen
11. Wessi-Girl (1:49) -> Originalsong: 'Jessies Girl' von Rick Springfield
Eine eindeutige Steigerung. Hier passt dann auch der Text (obwohl nochmal das Ossi / Wessi Thema bemüht wird) eindeutig besser und wir haben einen gute Laune Song der rockt. 4 von 5 Sternen
12. Glenn Leipzig: Mudder (1:15) -> Originalsong: 'Mother' von (Glenn) Danzig
Krass. Ich liebe das Original und dann hauen die Jungs da so ein Ding raus. Diese 1:15 min. habe ich jetzt so häufig abgenudelt und ich schmeiß mich immer noch weg über diesen grandios gesächselten Song mit ein paar schönen textlichen Spitzen gegen Lemmy (Motörhead), Ozzy und Iron Maiden. Kracher! 5 von 5 Sternen
13. Lieber Fieber (3:17) -> Originalsong: 'Fever' von Peggy Lee
Zu diesem Lied kann ich sagen, technisch hervorragend umgesetzt und geht gut ins Ohr. Nettes Ding das gut ins Ohr geht. 4 von 5 Sternen.
14. Es muss ein Rock (durch Deutschland gehen) (3:54)
Ein traditioneller J.B.O. Rocker zum Album-Abschluss. Es zeigt sich in diesem Song nochmal klar die spielerische Klasse der Band. Auch wenn ich dafür Schläge bekomme. Einen Vergleich mit 'Verteidiger des wahren Blödsinns' braucht der Song in meinen Augen nicht zu scheuen. 5 von 5 Sternen
Fazit bis hierhin:
Für das Album (ohne Bonus Disk) gibts 4 solide Punkte. J.B.O. zeigen hier einmal mehr, dass sie die unumstrittenen Götter des Covers sind. Es mag allerdings sein, dass manchem der hier nach 'noch mehr Cover-Songs' verlangt, sich gar nicht darüber bewußt ist, dass auf diesem Album die Cover-Quote bei 8 zu 13 liegt (wie oben erwähnt, zählt 'Der böse Gott' nicht wirklich). ;-)
Bonus-CD:
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Der Special Edition liegt eine Bonus CD bei, die 5 Live Videos vom Wacken 2007 und dem '30 Halbe Festival' enthält. Diese sind in hervorragender Qualität (wenn auch nicht in HD) und vor allem die Wacken Mitschnitte (Medtlgschdanzl, Ein guter Tag zum Sterben...) sind schlicht grandios. Die möchte ich nie mehr missen. 5 von 5 Sternen
Dann enthält die Bonus Disc das Musikvideo von 'Angie - quit living on dreams', was zwar ein nettes Gimick ist, aber aus meiner Sicht nicht ganz soviel Spaß macht wie die Live-Videos. 4 von 5 Sternen
Ein weiterer Hammer ist übrigens: Beatallica covern J.B.O.'s 'Ein guter Tag zum Sterben'. Wer Beatallica nich kennt. Die Combo stammt aus US und spielt Beatles Songs, garniert mit Metallica Texten (der Sänger schafft es dabei, so ähnlich zu klingen wie James Hetfield). Yes, yes, yes... 6 von 5 Sternen!
HINWEIS:
Im J.B.O. Forum ist mir aufgefallen, dass es Kunden gab, die auf dem ersten Blick keine Videos angezeigt bekamen. Hintergrund war, dass Software wie AnyDVD installiert war. Nachdem diese beendet wurde, ließen sich auch die Videos anzeigen und abspielen. Das mag für den einen oder anderen nützlich sein.
Gesamtfazit:
Die Bonus-Disc liefert für mich ganz klaren Anlass, den 4 Sterne Schnitt des Albums auf 5 knallpinke Sterne anzuheben. Das Produkt macht Spaß und eine Kaufempfehlung ist absolut gerechtfertigt, man bekommt hier wirklich was für sein Geld, dafür ist schon allein durch das Bonus-Material gesorgt. Reinhören kann zwar tendentiell nie schaden, aber wer sich seine Meinung bilden möchte, sollte dem Album eine größere Chance einräumen, als lediglich im Saturn den Kopfhörer aufzusetzen.