Kurzbeschreibung
Lebenslang hat sich Carl Schmitt mit dem Werk des Staatsphilosophen Donoso Cortés (1809-1853) befaßt. Der spanische Diplomat und Katholik war ein Denker der Krise; seine Rezeption kulminierte erstmals im europäischen Schicksalsjahr 1848, blieb dann Jahrzehnte verschüttet, um in der neuen Krisenzeit der Epoche der Weltkriege um so stärkere Virulenz zu erlangen. Es ist wohl mehr als ein Zufall, daß Donoso in Deutschland wie in keinem anderen Land Europas tiefe geistige Spuren hinterlassen hat. Der Ruhm Donosos beruht hauptsächlich auf seiner Rede über die Diktatur und auf dem Essay über den Katholizismus, den Liberalismus und den Sozialismus. Beide radikal-katholischen Erklärungen wurden unmittelbar nach 1848 von den gegenrevolutionären Kräften ganz Europas bewundert. Friedrich Wilhelm IV., Louis Napoleon, Metternich, Schelling, Ranke oder Bismarck nahmen u.a. Stellung dazu. Carl Schmitt versuchte die Lehren Donosos im 20. Jahrhundert salonfähig zu machen. Seine Analyse des Werkes von Donoso Cortés konzentrierte sich auf bestimmte Gebiete, die für den deutschen Staatsrechtler maßgebend waren, vor allem im Kampf um die Sinndeutung der Geschichte. Die Liberalismus- und Parlamentarismuskritik, eine negative politische Anthropologie, die juristische Aufarbeitung der Diktatur und des Ausnahmezustandes, der Dezisionismus, die Politische Theologie und der Kampf gegen die Einheit der Welt sind die Hauptthemen, die die Geister von Donoso Cortés und Carl Schmitt untrennbar verbinden.