Ulrich Wickert hat mal wieder ein Buch geschrieben. An sich nichts Besonderes, produziert der Mann mit der baguettartigen Nase doch alle Nas lang frankophilen Stuß und verkauft das an Leute, die sich ein Scheibchen savoir vivre unserer lässiger französischen Nachbarn abschneiden wollen, indem sie über einen Brocken Weißbrot mit verschimmeltem Käse - und dazu ein Bordeaux! - in's Schwärmen geraten. Fröhliches Spießeridyll. Also, das Schlimme an Wickis neuem Buch ist: Es ist so überflüssig wie Nieselregen im November. Besonders ärgerlich: Der deutsche Franzose hat einfach seine Abmoderationen der Tagesthemen gesammelt (Sie wissen schon, das peinliche Altherren-Weisheiten-Gesülze, bevor das Wetter kommt), sein Lektor hat die Dinger genommen, kräftig durchgeschüttelt, ein paar französische Fremdwörter rausgestrichen und sans esprit zusammengeklatscht. Mit merde kann man eben auch ein paar franc machen.
Schon der Titel „Donner-Wetter" läßt auf pseudo-doppeldeutigen Schwachsinn schließen, die Kapitel, total witziger Einfall - quelle amusement - sind den einzelnen Phasen eines Gewitters nachempfunden: „Es braut sich", „Zieht herauf" usw. bis „Zieht ab". Leider findet sich in den darunter versammelten Anekdötchen keinerlei Entsprechungen zu den Überschriften. Ein wahlloses Sammelsurium, ebenso hilflos von Uli eingeleitet: „Donnerwetter sagt manchmal, wer gar nicht vom Wetter, sondern wie vom Blitz getroffen ist, wen also nicht die klimatische Zuspitzung erschreckt, sondern etwas Verblüffendes bewegt." Ui, Uli, das sind Erkenntnisse eines senilen Anchorman. Aber das mit der „klimatischen Zuspitzung" hat mich dann doch verblüffend bewegt: Chiffre für den Koitus? Muß man das kleine Machwerk als erotisches Tagebuch lesen? Es braut sich was in der Unterhose zusammen, das petit Baguette zieht herauf, bricht los, tobt und entlädt sich? Dann: Die Dame zieht ab? Wicki dementiert nicht, sondern schweigt und genießt: „Und diese Doppeldeutigkeit zwischen erstaunlichem Geschehen und alltäglichem Wetter findet ihren Ausdruck in den allerletzten Meldungen des Tages." Es sind wirklich die allerletzten Meldungen, die uns Windbeutel Wickert da mit jovialem Schmunzeln als „Sahnehäubchen des Abends" (Pressemitteilung Verlag) in die Gehörgänge reibt, Meldungen, die uns ein Laienschriftsteller mit „dezentem Augenzwinkern" (Verlag), mit deuxième degré - ach, Sie wußten nicht, daß das „versteckte Zweideutigkeit" heißt? - und einem gerüttelt Maß an Selbstgefälligkeit aufbereitet hat. Ein dezentes Augenzwinkern auch in Richtung Weihnachtsgeschäft, da werden sich vernachlässigte großbürgerliche Schlampen, Pseudointellektuelle, Schwanitz-Leser, Nachdenklichkeits-Fetischisten und sonstiges Gesocks gegenseitig eine Riesenfreude machen.