Einzelkind Donna fühlt sich mit ihren 17 Jahren von der elterlichen Fürsorge erdrückt. Auf einem Konzert lernt sie den 23jährigen Jens kennen, in dem sie ihre rebellischen Ideale verkörpert sieht. Daß er weder Job noch Perspektive hat, stört sie nicht. Schon eher, daß sie bereits nach dem ersten Sex schwanger wird. Ihre Frauenärztin vertritt die interessante These, daß man den Patientinnen bestehende Schwangerschaften am besten verschweigt, bis es für eine Abtreibung zu spät ist; Donna, ahnungslos, was ihren Zustand angeht, läßt sich vom Hausarzt ein Magenmittel verschreiben, das, wie sie ebenfalls nicht weiß, erst in der Testphase steckt. Am Ende scheint die gesamte Welt darauf aus zu sein, Donna zur Abtreibung zu nötigen, und Donna und Jens hauen ab. Vorher werden allerdings alle Dramen einschlägiger Vorabendserien bemüht, mit auffälliger Ausnahme der Amnesie (vergessen, Herr Wolf?).
Das literarische Äquivalent einer Derrick-Folge (ohne Derrick); liest sich flüssig, ohne zu langweilen oder zu belehren, bleibt aber auf Niedrigniveau, und einzelne Versatzstücke stoßen unliebsam auf -- Jens will ernsthaft Saxophonist bei einer *Heavy Metal-Band* werden?? Nach dem Brachialrefrain ein bißchen sexy Gesäusel, oder wie darf man sich das vorstellen? Weiterhin verfaßt er Songs mit der Zeile "schubidubidubi", wie jeder rockende 23jährige im ausgehenden 20. Jahrhundert. Und wieviele 17jährige kennen Sie eigentlich, die "Donna" heißen? Ferner welche, denen als Name für den Nachwuchs "Boris" oder alternativ "Friedemann" vorschwebt?
Aus welchem Grund das Buch als Krimi firmiert, bleibt unklar. Die Figuren wimmeln durch die Handlung wie Bakterien in der Petrischale, und mit genausoviel Hintergedanken. Alles geht Knall auf Fall, was sich zwar nicht unamüsant liest, mit der Wirklichkeit (oder auch nur Glaubwürdigkeit) aber kaum Berührungspunkte hat. Eine Krimihandlung sucht man vergebens, trotz des halbherzig-konfusen Subplots um Medikamententests, verschwundene Disketten, halbseidene Provinzjuristen und heroische Journalisten. Hierzu reicht es vermutlich zu sagen, daß die Handlung steht und fällt mit dem Großen Zufall -- zufällig werden wichtige Gespräche mitgehört, zufällig kommt im passenden Moment das richtige Auto vorbei, zufällig laufen sich Figuren über den Weg.
Eine Enttäuschung ist vor allem das Ende (es "Auflösung" zu nennen, wäre zuviel versprochen), das sich liest, als habe der Autor einfach den Füller fallengelassen, vielleicht mit dem Hintergedanken, nun seien es aber wirklich genug Seiten. Oder soll damit nur auf eine Fortsetzung hingewiesen werden?
Wie auch immer, "Donnas Baby" ist ein vergnüglicher Ausflug in die Phantasiewelt des Herrn W. Aber ein Krimi? Nie im Leben.