"Das fliegende Meer" ist Verballhornung des religiösen Fundamentalismus mit all seinen hanebüchenen, jahrtausende alten Regeln (z. B. dass man seine Kinder nie erblicken dürfe als "Mann"), erotische Romanze, unterleibswitziger Schwank mit postfeministischer Note, man könnte auch sagen eine Komödie mit schuppigen und extrembehaarten Monstern, man denke sich Gerard Depardieu als alten Marvin, seine einstige, gütige Frau (Catherine Deneuve) besuchend und Vincent Cassel als "Roter Marvin", der sich sexuell verausgaben will (mit und bei Ludivine Savignier) und dann am Ende gegen einen Koloss von Sohnemann (durch Casting zu klären) des Drachen-Marvins den Kürzeren zieht und den Kürzeren hat. Dieser Satz hatte Überlange, deshalb nun verknappter, abgehackter, für Eilige.
Zeichnungen von Kerascoet mit Sfar-Optik. Story wie gewohnt großartig konstruiert. Temporeich, aber Handlung läuft nicht heiß. Wohl dosierte Religionskritik. Rituale werden als überholter Schwachsinn entlarvt (Männlichkeitskult, Vernachlässigung des Nachwuchses unter dem Deckmantel des Glaubens). Einige Witze sexuell aufgeladen. Fast bis zu dem Punkt, dass es nervt. Sogar das F-Wort fällt. "Na, Kumpel, Rolli-Bomst es?". Trotzdem nicht peinlich, wenn auch klamottig. Aber auch "Der Fluch des Jade-Skorpions" ist eine Klamotte, und ich liebe diesen Film von Woody Allen. Ungleiche Zweikämpfe. Frauen, die sich nehmen, was kommt, weil nicht viel kommt. Frauen, die Männer ertragen müssen. Männer, die nur spielen wollen. Männer, die endlich Ruhe im Karton wollen. Matschepampe. Gugelhupf. Schniebi. Schnöz.
Sie finden die vier letzten Worte unpassend, doof? Dann Vorsicht bitte, denn in den eher humoresken Bänden der Donjon-Reihe wie diesem findet sich auch viel Infantiles und Dialoge von drolliger Knarzigkeit. Wenn man die Zeichnungen dazu kennt, lässt sich ein konstantes Lächeln einfach nicht vermeiden. "Tja, da ist so `ne Bande von Fettsäcken, die am Strand Gymnastik machen." "Kleiner Artischock oder großer Artischock?" "Häh?" "Springen Sie in die Luft oder nicht?" "Und wie!" "Großer Artischock. Ganz schlecht." Das ist irgendwie Bud Spencer. Denn dann wird geprügelt. Aber auch diskutiert, ohne recht vom Fleck zu kommen. Mit Monstern kann man einfach nicht reden. Mit Drachisten schon gar nicht. Zuschlagen ist da womöglich die beste Lösung. Natürlich wieder nichts für Kinder.