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Hier ist sie die manisch-depressive Frau, die von Anfang an ein wenig verrückt ist. Sills' Verzierungen (und sie sind hier sehr zahlreich zu finden -- kaum eine Passage bleibt so, wie sie geschrieben wurde) wurden überwiegend speziell für sie komponiert, aber sie bleiben immer ganz im Dienste der dramatischen Handlung. Sie erinnert im weitesten Sinn an Pons und Peters -- und sogar an Sutherland, deren einfacher und gradliniger Gesang in dieser Rolle unerreichbar ist, die jedoch nie wirklich an der Ausgestaltung des Charakters interessiert war -- und sie kommt nahe an die Callas heran, ohne jedoch die enorme Palette an Klangfarben der großen Griechin.
Sills ist wunderbar fließend in der Koloratur, die hohen Töne kommen einwandfrei, und ihre Interpretation der Worte ist wirklich bewegt und bewegend. Carlo Bergonzi bietet alles in der Rolle des Edgardo, während Piero Cappuccilli als Enrico aggressiv und grausam wirkt. Schippers leitet eine sehr dichte, aufregende und absolut integre Darbietung, und zum ersten (und letzten) Mal auf einer CD wird die von Donizetti geforderte Glas-Harmonika in der Wahnsinnsszene eingesetzt. Für alle, die großartigen Gesang lieben, ist diese Einspielung ganz einfach unerlässlich. --Robert Levine
Beverly Sills erleben wir hier in einer ihrer Parade-Rollen. Ihre Stimme ist an sich nicht besonders schön, gläsern und spröde. Doch ihre Verzierungen sind meisterhaft. Die hohen Töne gelingen ihr gut, wenn sie kein großes Volumen erzeugen muß. Insgesamt finde ich ihre riskant verzierte Lucia wesentlich überzeugender als ihre (Puritani-) Elvira. Die Wahnsinnsarie nimmt an manchen Stellen den Atem. Sills zeigt dabei mehr Leidensdruck als Joan Sutherland ohne deren natlosen Klang zu erreichen.
Uneingeschränkt loben muß ich wieder einmal Carlo Bergonzi: Er schafft es, dass Lucia wieder eine Oper des Tenors wird. Sein Gesang zeugt von vollendeter Künstlerschaft.
dagegen erscheint mir Cappucilli etwas zu grob für Belcanto-Rollen obgleich sein kerniger Gesang großen Eindruck erzeugt.
Insgesamt also eine sehr empfehlenswerte Aufnahme.
Beverly Sills legt genau wie in ihrer „Maria Stuarda" eine hervorragende Leistung ab und setzt auch in dieser Aufnahme Maßstäbe. Sie verfügt über eine sehr leichte und fließende Stimme, die selbst höchsten Anforderungen gewachsen ist. Ihre Kopfstimme klingt weich und zart, ihre Bruststimme hingegen ausdrucksvoll und dramatisch. Schon bei den ersten Tönen von Lucias Auftrittsarie, dem „Regnava nel silenzio", wird klar, um welch ein Supertalent es sich hier handelt. Die Koloraturen sind fließend und die Spitzentöne faszinierend. Sills legt sehr viel Dramatik in ihre Rolle und es scheint als würde sie sich mit ihrer Partie völlig identifizieren, denn sonst wäre eine so ausgefeilte Charakterdarstellung nicht möglich. Auch das große Liebesduett wird zum Höhepunkt, denn die Stimmen von Beverly Sills und Carlo Bergonzi harmonieren sehr schön. Die Ensembleszenen werden ebenfalls mit viel Energie und dramatischer Darstellungsgabe wiedergegeben. So beendet sie zum Beispiel das Duett zwischen Lucia und Raimondo mit einem dreigestrichenen e. Immer wieder fallen die große vokale Virtuosität und die Koloratursicherheit der Sills auf. Sie baut viele eigene Ideen in ihren Vortrag ein, dazu zählen zum Beispiel viele Koloraturen und Spitzentöne, die im Notentext eigentlich nicht vorgesehen sind. So wird ihre Darstellung etwas Besonderes und einzigartiges. In der großen Wahnsinnsszene kommt ihr untrügliches Gespür für Musikalität und Dramatik besonders gut zum Tragen.
Carlo Bergonzi ist für mich einer der klangschönsten Tenöre, die es gibt. Seine Stimme ist weich und sehr zart. In der Höhe wirkt die Stimme frei und kraftvoll. Bergonzi ist ein idealer Partner für Beverly Sills. Besonders gut gelungen sind das Liebesduett zwischen ihm und seiner Lucia. Brilliant ist auch die große Schlusszene der Oper, denn Bergonzi gestaltet seine Arie unglaublich bewegend und herzzerreißend. Man nimmt ihm den Schmerz über den Verlust seiner geliebten Lucia völlig ab. Lord Enrico wird von Piero Cappuccilli gesungen. Seine Stimme scheint in der Höhe ein wenig verschleiert zu sein und hin und wieder ist auch eine Anstrengung bei höheren Noten spürbar. Dennoch ist er ein sehr guter Sänger und vor allem auch ein guter Darsteller. Besonders deutlich wird dies im großen Duett mit Lucia „Lucia fra poco a te verra" und auch zu Beginn des ersten Aktes. Die restlichen Sänger sind ebenfalls sehr gut und vermitteln einen bleibenden Eindruck. Besonders Justino Diaz glänzt in seiner Rolle als Raimondo.
Chor und Orchester sind ebenfalls hervorragend. Besonders das London Symphony Orchestra wird unter der Leitung von Thomas Schippers zu Höchstleistungen angespornt. Eine weitere Besonderheit ist, dass hier die Wahnsinnsszene nicht wie gewohnt mit einer Flöte, sondern wie ursprünglich vorgesehen mit der Glasharfe begleitet wird.
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