Mit dieser Referenzaufnahme zollt Edita Gruberova einem zuvor praktisch in Vergessenheit geratenen Meisterwerk von Donizetti Tribut und präsentiert sich in der Rolle der englischen Königin Elisabetta als unerreichte 'Regina del Bel canto assoluta': Elisabetta ist zweifelsohne eine der - um nicht zu sagen: DIE - Paraderolle der slowakischen Primadonna und technisch wie auch darstellerisch extrem anspruchsvoll. Diese DVD ist einerseits ein (weiteres) Dokument, das von der unglaublichen stimmakrobatischen Brillanz und einem enormen musikalisch-künstlerischen Verständnis der Gruberova zeugt; sie offenbart dem Hörer aber gleichzeitig auch Gruberovas darstellerische 'Vollendung' dieser dramatischen Partie der Tudor-Königin in voller Wucht. Edita zeichnet das packende Schicksal einer beeindruckenden Herrscherin nach, die durch den inneren Konflikt zwischen rationalen Handlungsmaximen und der Stimme ihres eigenen Herzens so lange hin- und hergerissen wird, bis die Tragödie erst auf ihren eigentlichen Höhepunkt zusteuert - und zwar gerade dann, als die Herrscherin verzeiht und den Lauf ihres schmerzhaften persönlichen Schicksals großmütig-tapfer ('Vivi ingrato') und in königlicher Würde ('non sia chi dica in terra: La regina d'Inghilterra ho veduta lagrimar') anzunehmen scheint. Gruberova versetzt sich dabei bei jedem Ton, jeder Bewegung, jedem Gesichtsausdruck, jedem Seufzer, jedem Atemzug, derart authentisch in die Situation der englischen Königin, dass dem Zuhörer - angesichts der außergewöhnlichen Intensität der Darbietung - fast ein wenig angst und bange wird...Im Rahmen einer erschütternden Schluss-Cabaletta ('Quel sangue versato') muss Elisabetta schließlich erkennen, dass sie letztlich alles, was sie aus Kränkung zunächst siegessicher aufs Spiel gesetzt hat, durch unglückliche Umstände tatsächlich - und unwiederbringlich - verloren hat (als ernüchternde Schlussbilanz bleibt ihre Einsicht: "...non regno, non vivo..."): Als gealterte und gezeichnete Monarchin zieht sich Elisabetta in einer mittlerweile weltberühmten Szene, die einem ob der Vergänglichkeit und Endlichkeit jedes menschlichen Lebens den kalten Schauer über den Rücken jagt, ihre Perücke vom Kopf sowie ihre letzte Konsequenz: 'Dell'anglica terra sia Giacomo il re'...Bemerkenswert auf dieser DVD auch die Philharmonie unter der Leitung von Friedrich Haider. Erst vor wenigen Tagen hat die Primadonna der Zeit zum Trotz wieder einmal auf eindrucksvolle Art und Weise 'live' bewiesen, dass es ihre szenische Darstellung der Elisabetta auch heute noch mit dieser hervorragenden Produktion aufnehmen kann. Ich kann dazu nur demütig und dankbar anmerken: La regina d'Inghilterra ho veduto lagrimar...