Gottfried Helnwein war der erste, der eine umfangreiche Ausstellung des Werkes von Carl Barks organisierte, die mit grossem Erfolg in vielen europäischen Museen gezeigt wurde.
Helnwein hat sich seit den frühen 70er Jahren unermüdlich für die Anerkennung Donald Ducks als eines der bedeutendsten Kunstwerke des Abendlandes eingesetzt, was ihm nicht nur Freunde in der Kunstszene eingebracht hat.
Nun hat er neuerlich eine grossartige Show organisiert und kuratiert, die sich dem Werk des grossen Comic-Künstlers widmet. Zusammen mit dem Berliner Comicexperten Carsten Laqua hat er hunderte Exponate für das Karikaturmuseum Krems in Österreich zusammengetragen. Rare und wertvollen Original-Comicseiten, Skizzen, Manuskripte und Briefe, dazu Erstausgaben von Donald-Geschichten und Kuriositäten die zum Teil noch nie gezeigt wurden. Auch die Tätigkeit von Erika Fuchs (1906 - 2005), der genialen deutschen Übersetzerin der Geschichten von Barks, wird in der Ausstellung ausführlich dokumentiert.
Das Buch zur Ausstellung ist derzeit, so viel ich weiss, nur im Museum in Krems und auf Amazon zu erhalten. Obwohl einige Teile des Bandes Wiederholungen des Buches "Wer ist Carl Barks?" (Helnwein, Neff, 1993) sind, ist es dem Verfasser dennoch gelungen, völlig neue Aspekte in Bezug auf dieses Werk aufzuzeigen, denen bisher kaum Beachtung geschenkt wurde. Unter anderem zeigt Helnwein, wie sehr Donald Duck Künstler und Kultur der Nachkriegsgeneration, inspiriert und beeinflusst hat. Haben Sie gewusst, dass Günter Grass 1967 ein Gedicht über Donald, Onkel Dagobert und Tick, Trick und Track verfasst hat?
Die Reihe, der hier zitierten Künstler, die sich auf Donald und Barks berufen und ihnen Tribut zollen, ist lang: allen voran Gottfried Helnwein und Manfred Deix, die mit einigen faszinierenden Donald-interpretationen vertreten sind, Robert Crumb, Johannes Grützke, Warhol und Lichtenstein, die Filmregisseure George Lucas und Spielberg, und eine Reihe von Schriftstellern, denen man so viel donaldische Einsicht gar nicht zugetraut hätte: Peter Handke, Urs Widmer, H.C. Artmann, Rainald Goetz, Robert Schindel, aber auch Theodor W. Adorno ist an Donald nicht vorbeigekommen.
Immerhin sind zwei Nobelpreisträger darunter: neben Günter Grass auch Elfriede Jelinek, die dem schwierigen Verhältnis zwischen Ahörnchen und Behörnchen und Donald Duck ein grossartiges Stück Prosa gewidmet hat. Das Buch ist grafisch genial gestaltet und ein absolutes Muss für jeden, dem dieser wunderbare Erpel etwas bedeutet.