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Produktinformation
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Lesen kann verhängnisvoll sein. Wer wüßte nicht, mit wem es der "Ritter von der traurigen Gestalt" (wie Ludwig Tieck ihn genannt hat) hier tatsächlich zu tun hat. Don Quijote ist ausgeritten, "um sich nach dem zu richten, was er in seinen Büchern gelesen". Da kann der kluge Knappe Sancho Pansa sagen, was er will. Was weiß das Gesindel schon von den hohen Versprechungen der Literatur!
Don Quijote hat zu viele Ritterromane gelesen, Cervantes variiert das Motiv eines Irrtums. In allen möglichen niederen Gestalten sieht der glücklose Abenteurer hohe Herren und Damen, denen er seine Wehr- und Ehrhaftigkeit beweisen muß -- eben so, wie er es aus den Büchern kennt.
Eigentliches Thema ist also der Unterschied von Leben und Lesen. Cervantes' Jahrtausendwerk, 1605-15 erschienen und laut Kindlers Literatur-Lexikon leicht "das wirkungsmächtigste Werk nach der Bibel", markiert damit eine Schwelle in der europäischen Mentalitätsgeschichte: Buch und Welt, diese noch in der vorangehenden Renaissance innige Einheit, fällt in zwei grundsätzlich verschiedene Erfahrungsbereiche auseinander.
Die Konsequenzen sind bekannt: Quijote wird verhöhnt, verprügelt, vertrieben. Wie später an Werther-Lesern zeigt die Disziplinierungsgeschichte des Geistes schon hier, wie wichtig die Umschaltkompetenz von Leben und Lesen ist. Eine Fähigkeit, die sich an der Schwelle zum 3. Jahrtausend möglicherweise als ebenso nützlich herausstellen könnte, da erneut ein grundlegender Wandel der Medien und zugleich unserer Wirklichkeitserfahrungen in vollem Gange ist. --Nikolaus Stemmer
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Verrückt, aber heldenhaft!,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Don Quijote: 2 Bände (Gebundene Ausgabe)
Ein armer, aber sinnreicher Junker steckt seine Nase zu tief in Bücher: Ritterromane, der Dreigroschenschund um 1600 in Spanien. Und darüber, so gibt der Erzähler kund, trocknete dem Manne das Hirn ein, und fortan wird "Don Quijote" von der fixen Idee beherrscht, ein FAHRENDER RITTER zu sein, und mit seinem starken Arm (ähm, tja, denkt *er*! ;-) die Welt von allem Unbill befreien zu müssen. Ein edles Ansinnen! Doch Don Quijote sitzt der Irrsinn ebenso im Kopf wie in den Augen, und so sieht er in einer Kneipe ein Schloss, in Huren Burgfräuleins, im Wirt den Burgvoigt, in Mönchen teuflische Lügenbolde... und nicht zuletzt in Windmühlen arglistige Riesen. Und er greift an. Nicht immer mit Erfolg, aber immer irgendwie heldenhaft. Abgefahren.Miguel de Cervantes Saavedra schrieb vor 400 Jahren eine Parodie auf die Ritterromane seiner Zeit. Seitdem ist das Buch erfolgreich, und Weltliteratur. Trotz dieses unangenehmen Wortes "Weltliteratur" sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, und einfach drauflos lesen. Es lohnt sich :-) Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Don Quijote - Der Löwenritter,
Von geronimobosch "Geronimo" (Frankfurt) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Don Quijote: Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha Roman (Taschenbuch)
Dies ist der Original-Don-Quijote-Roman. Keine zerstückelte, gekürzte oder Kinder-Fassung, sondern der ursprüngliche Roman aus den Jahren 1605 und 1615 (damals in zwei Teilen erschienen) mit dichtbedruckten 1103 Seiten Geschichte und einem 20-Seiten Nachwort. Ich habe mehrere Wochen daran gelesen. Interessant ist immer wieder wie Don Quijote zwischen Gescheitheit und Narrheit tendiert. Er ist wohl durchaus intelligent, aber durch das unzählige Lesen von Ritterromanen verrückt geworden, so dass er nun glaubt selbst ein fahrender Ritter zu sein, auf Abenteuer auszieht und den treuen Sprücheklopfer Sancho Pansa, der eigentlich von Don Quijotes Geisteskrankheit weiß, als Schildknappen mitnimmt und das alles in einer Zeit in der es schon gar keine Ritter mehr gibt. Es geht in dieser Geschichte ebenso darum was Don Quijote sich einbildet und was er phantasiert. So glaubt er zB, dass seine imaginäre große Liebe, die unvergleichlich schöne Dulcinea von Toboso, die gar nicht existiert, in eine schmutzige, hässliche Bäuerin verzaubert wurde, die sie unterwegs treffen. Die Menschen die von Don Quijotes Zustand wissen führen ihn an der Nase herum und treiben ihr Spiel mit ihm, was ihn nur dazu bringt erst recht davon überzeugt zu sein, dass es überall mit Zauberei zu geht. Immer wieder schmunzelt man über Don Quijotes Euphorie und beinahe schon Sturheit, mit der er sich in den Kampf gegen seine "Gegner" (die oft garkeine feindlichen Absichten haben) stürzt und tragikomisch ist meist der Ausgang. Einige Missverständnisse von Seiten Sancho Pansas sind vielleicht etwas albern (so wundert er sich beispielsweise über das Wort Distanz und fragt was dies für ein Tanz sei, der Dis-Tanz) und möglicherweise sehr frei übersetzt. Ansonsten liest sich der Roman sehr flüssig. Der Übersetzer Ludwig Braunfels wählte eine wundervoll altmodische (nicht im negativen Sinn), vornehme Sprache, die einfach schön klingt. Hier herrschen solche Ausdrücke wie: Es deuchte ihn / Es dünkte ihn / sintemal ... etc. Auch witzig ist der nicht ganz so ernst genommene Faktor des Erzählers. Dieser fiktive Erzähler mit Namen Sidi Hamet Benengeli ist sich manchmal in seinen Schilderungen unsicher. Ein äußerst kurzweiliger, humorvoller und leichter Roman, der einfach Spaß macht.
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14 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wer geduld hat, wird belohnt,
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Don Quijote: Der sinnreiche Junker Don Quijote von der Mancha Roman (Taschenbuch)
Ich habe lange mit dem Lesen eines so dicken Buches gezögert, als ich dann nach Andalusien in die Ferien ging, schien mir dieses als genau das richtige zu sein und prompt war ich schier überwältigt. Das Buch besitzt unglaubliche literarische Fülle: Ein Sammelsurium von Philosophie, Lyrik, Humor, Geschichte und nicht zuletzt Phantasie! Der fehlende 5-Stern bezieht sich auf die sich scheinbar wiederholenden Passagen, die den Leser manchmal auf die Geduldsprobe stellen - aber die Geduld lohnt sich!
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