In einer längst vergangenen Zeit, als noch das fahrende Rittertum in Glanz und Glorie auf dem Erdenrund erblühte, musste sich keine Jungfrau, kein Unmündiger, kein Bedrängter oder sonstig Hilfsbedürftiger vor Unbill oder Ungerechtigkeit fürchten. So zumindest besagt es die Legende, niedergeschrieben in den zahllosen Büchern über die fahrenden Ritter, in deren fiktive Welt der einfache Landadelige Alonso Quijano versinkt. Inspiriert durch die edlen ritterlichen Ideale und beflügelt durch seine Liebe zur unvergleichlichen und ebenso fiktiven Dulcinea von Toboso bricht er unter dem selbsterwählten Namen Don Quijote zusammen mit seinem Gaul Rosinante und seinem einfältigen Nachbarn Sancho Pansa als Schildknappen in die Weiten der Mancha auf, um erhobener Lanze mit unerschütterlichem Heldenmut das fahrende Rittertum in ein neues goldenes Zeitalter zu führen.
Hals über Kopf stürzt er sich und seinen Gefährten fortan von einem ins nächste Abenteuer, kämpft gegen Windmühlen, Weinschläuche oder Hammelherden, die ihm infolge seiner überbordenden Phantasie als verzauberte Riesen und Kriegsheere erscheinen. Diese zumeist in einer fürchterlichen Tracht Prügel endenden Episoden verschaffen ihm schon bald den Beinamen des "Ritters von der traurigen Gestalt" und treiben Sancho an den Rand der Verzweiflung, bisweilen auch über diesen hinaus. Vergeblich bemüht sich der treue Schildknappe, der im Angesicht des absurden Treibens dieses Irren so manches Mal seinen Augen und Ohren nicht zu trauen vermag, seinem Herren die tiefe Kluft zwischen dessen Wahrnehmung und der Wirklichkeit vor Augen zu führen, gerät jedoch nach und nach ob der schier unglaublichen Begebnisse selbst in den Sog des Wahnsinns. Und dennoch, aller Abstrusität der Figur des Don Quijotes zum Trotz sind es vor allem dessen tiefgründige Weisheit und leidenschaftlich gelebte Humanität, welche ihm auf dieser epischen Reise zwischen Wirklichkeit und Wahn als funkelnder Polarstern den Weg weisen, den Leser im Geiste bereichern, im Herzen berühren und schlussendlich über dem Wahnsinn triumphieren. Don Quijote ist geradezu die Karikatur eines Antihelden, in dem die Konformität von Handlungsmaximen und Taten ihre Vollendung findet und welcher den Leser immerzu in Verwunderung versetzt, gleichwohl in höherem Maße jedoch in aufrichtige Bewunderung seines makellosen Charakters.
Ein zeitloses Meisterwerk, welches durch kolossale Sprachgewalt, köstlichem Humor und einem außerordentlichen Protagonisten, dem unvergleichlichen und unübertrefflichen Don Quijote von der Mancha, zum Leben erwacht.