Dieser Louis de Funès Streifen heißt im französischen Original "La Folie des Grandeurs". In Deutschland ist dieser von Regisseur Gérard Oury im Jahr 1971 inszenierte Film, auf der einen Seite vor allem als "Don Louis, der Größenwahnsinnige" ein Begriff, während er andererseits vielen auch unter dem Titel "Die dummen Streiche der Reichen" sehr bekannt vorkommen dürfte.
Als Vorlage diente wohl der 1838 von Victor Hugo geschriebene klassische Roman "Ruy Blas".
Schon mehrfach wurde dieses Buches für das Kino verfilmt. So u.a. 1948 mit Jean Marais und Danielle Darrieux oder 2002 mit Gérard Depardieu und Carole Bouquet, wobei sich Regisseur Gérard Oury für seine 1971er Adaption wohl logischerweise hauptsächlich eher von der 1948er-Filmvorlage beeinflussen ließ und den Stoff zugleich ins Komödienfach verlagerte.
Inhalt:
Der am 31.06.1914 in Courbevoie und am 27.01.1983 in Nantes gestorbene französische Schauspieler, Regisseur, Filmproduzent und Charakter-Starkomiker Louis de Funès, spielt hier die Figur des Don Saluste. Als gemeiner, habgieriger und zugleich geiziger Steuereintreiber des spanischen Königs, glänzte de Funès einmal mehr in der, in seinen Filmen so oft gezeigten Rolle des Cholerikers, der an der Eigendynamik der von ihm in Gang gesetzten Entwicklungen letztendlich doch scheitern muß.
Sein Diener Blasius (Yves Montand) hingegen ist ein gutmütiger, flinker Flamingoheld, der die bösen Machenschaften seines Herrn immer zu verhindern weiß. Als Don Saluste eines Tages wegen Schwängerung einer Hofdame der Königin von all seinen Ämtern enthoben wird, schmiedet Saluste einen mehr oder weniger dämlichen Plan. Blasius soll sich als Salustes Neffe Cesar ausgeben und die Königin verführen, der König wird seine Königin verbannen, der König kommt bei einer Jagd um und zack: Don Saluste wird König...
Das dies freilich nicht so ganz klappt ist vorauszusehen.
Bildbewertung:
Der im Original Widescreen Format 16:9 aufgespielte Film wurde in tadelloser digitaler Qualität aufgearbeitet. Das Alter des filmischen Ausgangsmaterials, immerhin 39 Jahre, sieht man dem Bild zu keinem Zeitpunkt mehr an. Offenbar stand hier für das Remastering und die Abtastung ein Zwischenpositiv zur Verfügung. Als Zwischenpositive bezeichnet man die zweite Generation nach den Original-Negativ. Sie wurden oftmals weniger in Anspruch genommen als das Negativ und sind daher meist weniger zerkratzt und sauberer als seine Vorlage. Das Zwischenpositiv hat zudem im Gegensatz zum Original-Negativ keine Randkerben, die einst bei der Kopierung zum Steuern der Korrekturwerte benötigt wurden, und auch keine Klebestellen - beides verursacht bei Szenenwechseln ein Rucken.
Der Film hat eine Lauflänge von insgesamt 103 Minuten.
Tonbewertung:
Beim Ton bietet diese DVD die Möglichkeit zwischen dem französischen Originalton und der englischen bzw. deutschen Synchronisation zu wählen. Alle drei Tonspuren sind im Format Dolby Digital 2.0 vorhanden. Wobei zur deutschen Tonspur unbedingt zu sagen ist, dass diese in einer leider nicht immer zu jedem Zeitpunkt optimalen Qualität zur Verfügung stand. Sinnvollerweise griff man deshalb an solchen Stellen ohne Dialog, offenbar auf einen Mix zwischen der originalen Tonspur mit Musik, Hintergrundgeräuschen u.s.w. und der deutschen Synchronisation zurück.
Gesamturteil:
Leider bietet diese DVD bis auf die Wahl zwischen den unterschiedlichen Tonspuren und der Kapitel keine weiteren Extras. Anders in Frankreich. Die dortige im August 2009 erschienene DVD-Fassung enthält zwei Tonspuren (französisch, englisch), einen Kinotrailer, eine Fotogalerie sowie ein sehr interessantes 39-minütiges Making-of der Dreharbeiten.
Der 1971 in einer vier Länder Co-Produktion zwischen der französischen S.N.E. GAUMONT 1895 Filmproduktion Paris, der spanischen CORAL FILM Madrid, der italienischen MARS FILM Rom und der deutschen ORION FILM München entstandene Film, wird in Frankreich fast turnusmäßig im Fernsehen ausgestrahlt. In Deutschland ist dies eher eine seltenheit. Nachdem er in den 1980er Jahren nahezu regelmäßig in der ARD, den dritten Programmen und im DDR-Fernsehen bei DFF 1 und DFF 2 zu sehen war, verschwand er nach seiner letzten Ausstrahlung im Herbst 1990 in Deutschland, wohl wegen ausgelaufenen und nicht verlängerten Lizenzrechten, vollkommen in der versenkung. Dies ist sicher auch der Grund weshalb dieser Film unter deutschen de Funès-Fans und Cineasten lange Zeit als Verschollen galt.
Um so erfreulicher ist natürlich die Tatsache, dass sich die Marketing Film als Herausgeber dieser DVD die Veröffentlichungsrechte für den deutschsprachigen Markt sichern konnte. Gut dass so endlich auch wieder die Louis de Funès-Fans in Deutschland, in den Genuss dieses Meisterwerkes französischer Filmkunst kommen können.
Übrigens: Für die deutsche Fassung musste der Film in der Synchronisation ein wenig verändert werden. Karin Schubert, sie verkörperte die spanische Köngin, ist in der Originalfassung eine Deutsche aus Bayern, welche natürlich auch deutsch spricht. In der deutschen Synchronfassung bekam sie auf einmal einen französischen Akzent und auch eine entsprechende Herkunft verpasst. Deshalb wurde wahrscheinlich auch aus dem von Yves Montand gespielten Blaze ein Blasius gemacht.
Besonders beeindruckt hat mich die von Michel Polnareff komponierte und mir sofort ins Ohr gehende Filmmusik. Sie wirkt zwar für die im Spanien des 16. Jahrhunderts spielende Handlung ein wenig deplatziert, da sie wohl eher zu einem Western passen würde. Sie ist auf der anderen Seite aber auch als eine Art Verbeugung vor den spanischen Drehorten gedacht. Denn in der Gegend rund um Almeria sind in den 1960er und 1970er Jahren ein Großteil der europäischen so genannten "Spaghettiwestern", vor allem die von Sergio Leone, gedreht worden.
Fazit:
Diese DVD ist ein absolutes Muß und bekommt deshalb auch eine ganz klare Kaufempfehlung für jeden Fan dieses Films, in dessen Sammlung er ganz bestimmt ein absolutes Highlight sein wird. Wer allerdings kein Freund der Komik und der Gestik eines Louis de Funès ist, wird wohl logischerweise den Erwerb dieser DVD nicht unbedingt in Erwägung ziehen wollen.
Auch dafür habe ich an dieser Stelle vollstes Verständnis.