Damit gar nicht erst Mißverständnisse aufkommen: dieses Album hat mit schweißtreibendem Straßenarbeiter-Bluesrock à la Rory Gallagher oder Gov't Mule nicht viel zu tun. Wer dergleichen für "authentisch" hält, sollte dabei bleiben und die Finger von diesem Meisterwerk lassen. Mit Beth Hart und Joe Bonamassa haben sich zwei phantastische Musikerpersönlichkeiten getroffen, die vom rauhen Aufschrei bis zur subtilen Nuance alle musikalischen Ausdrucksmittel beherrschen; diese Mittel werden aber nie zum Selbstzweck, sondern sind jederzeit aus unmittelbarem Fühlen und Erleben gespeist. Mancher Rock-Fan mag die hier gebotene technische Präzision als zu perfekt, "zu glatt" empfinden. Ich bin da anderer Meinung. Perfektion ist ebensowenig gleichbedeutend mit oberflächlicher Glätte, wie naiv-kantiges Drauflosrocken per se Ehrlichkeit und Substanz verbürgt. Hier jedenfalls ist sehr viel Substanz durch überragende Kunst zum Ereignis geworden. Darüber hinaus sind diese Interpretationen eher ein vom Jazz inspirierter Blues, als dass sie sich eine kratzig-schrammelige Rockattitüde aufsetzen. Es ist eine pure Freude, Beth Harts intensivem, modulationsreichen Gesang und Joe Bonamassas glasklarem, bis in die kleinste Note hinein ausdrucksstarken Gitarrenspiel zuzuhören, das den bekannten Blues-Mustern immer wieder kleine Lichter aufsetzt und neue, unerwartete Variationen entlockt. Glücklich, wer das zu hören und sich daran zu freuen vermag. Pech für den Rest. Kurz, wenn man sich dieses Jahr nur ein Album kaufen dürfte, sollte es genau dieses sein. (Vier Sterne gibt's für Musik und Interpretation allgemein; den fünften als Bonus dazu, weil das Album mich persönlich besonders berührt hat.)