Vorweg eine Warnung: dies ist ein gleichermaßen nekrophiles wie pädophiles Buch, das die Ekelschwelle für die meisten Leser überschreiten dürfte.
Der Untertitel 'am Ufer des Ganges' ist nicht falsch, aber irreführend, da es sich fast ausschließlich um Winklers Beobachtungen am Harichandra Ghat, dem Ort der Leichenverbrennungen in Varanasi handelt. Vom Leben in der Stadt Varanasi und am Ganges erfährt man so gut wie nichts.
Mit der Monotonie immer gleicher Formulierungen und Beschreibungen versucht Josef Winkler uns vielleicht in den Rhythmus des ständigen Werdens und Vergehens des menschlichen Daseins zu versetzen, wie es am Verbrennungsghat, eines heiligen Ortes wie Varanasi intensiv erlebt werden kann. Beim Leser wird durch diese Gleichförmigkeit der Wortwahl aber eher eine schläfrige Trance erzeugt, die zunehmend vorhersehbar ist und in ihrer Monotonie langweilt.
Der Blick des Autors ist beständig auf die Verbrennung der Leichen aller Altersstufen auf den von den Domra betreuten Scheiterhaufen gerichtet, während Kinder festgebunden auf Bambustragen und beschwert mit Steinen in der Mitte des Flusses versenkt werden. Neben diesen Verbrennungsriten scheint der Autor im Wesentlichen an jungen 12 bis 15 jährigen Knaben und ihren Geschlechtsteilen interessiert zu sein, die sich ihm immer wieder beim Öffnen der Lendentücher darbieten. Und wenn nicht vollständig, dann wenigstens der Ansatz der schwarzen Schamhaare. Frauen kommen in diesem Text nur am Rande vor, und dann meistens als Leiche auf dem Scheiterhaufen.
Winkler bringt die Erlebnisse in Varanasi immer wieder in Verbindung mit traumatischen Todeserlebnissen, die er als Kind in seiner Heimat Österreich hatte.
Für die meisten Leser dürfte die Ekelschwelle überschritten sein, wenn mit enervierender Penetranz von berstenden Schädeln, verkohlenden Extremitäten, im Wasser treibenden Kinderleichen und auf Kadavern sitzenden Geiern berichtet wird. Und eine Fellatio wurde wohl auch schon appetitlicher beschrieben als mit einer 'knittrigen über die Eichel hängenden Vorhaut, die nach Kabenurin roch'.
Für hartgesottene Winkler Fans mag dies Voraussetzung zum Lektüregenuß sein, den meisten Lesern dürfte der Appetit nachhaltig verdorben sein. Auch wenn Winkler immer wieder eindrucksvolle, stilistisch hervorragende Beschreibungen gelingen, dieses Buch sollte nur derjenige lesen, der weiss, auf was er sich einläßt.