"Domino", das sei als Vorwarnung geschrieben, ist sicher keine DVD für einen geruhsamen Abend vor dem TV-Gerät. Und wer gerne dem dümmlichen Spaßfaktor hinterherhetzt, ist erst recht schlecht bedient. Viele Sequenzen des Films sind verstörend: der abgeschossene Arm, die Meskalinfahrt im Wohnmobil u.v.m. Aber es handelt sich dabei ja auch um eine filmische Hommage auf Domino Harvey, eine junge Frau der Upper Class, die mit 23 beschloss, Kopfgeldjägerin zu werden!
In der Titelrolle brilliert Keira Knightley: tough, sexy und verletzlich zugleich. Ihren Pumpgun beladenen Boss Ed Mosbey spielt Mickey Rourke, der, je abgewrackter er aussieht, umso faszinierender rüberkommt. Das ungleiche Trio rundet Edgar Ramirez als verschlossener Lationo Choco ab. In bewegte Bilder umgesetzt hat das Ganze Tony Scott ("Spy Game"), der kleinere Bruder von Regie-As Ridley Scott ("Gladiator").
Domino, Ed und Choco nehmen es nicht nur mit der Mafia von Las Vegas auf, sondern auch mit den Street Gangsters von East L.A. Tony Scott gelang es mit der 18th Street Gang eine tatsächliche Straßenbande zur Mitwirkung zu bewegen. Eine interessante Figur am Rande ist Alf, der Chauffeur der drei bounty hunters. Als ehemaliger afghanischer Widerstandskämpfer ist er Experte für Sprengstoff und sorgt am Ende des Films für Überraschung.
Die Nebenrollen hat Tony Scott allesamt mit Klasseleuten besetzt: Lucy Liu (undurchsichtige Kriminalpsychologin), Christopher Walken (sensationsgeiler Reality TV Producer), Jacqueline Bisset (Dominos versnobte Mutter) oder Tom Waits (bekiffter Prediger).
In den Extras gibt es einen kurzen "Blick hinter die Kulissen" des Films, Interviews mit Keira, Mickey und Co. sowie ein zwanzigminütiges Special über das Leben der realen Domino Harvey, die im Alter von 35 Jahren an einer Überdosis Schmerzmittel starb. Ebenfalls jung verstorben war Dominos Vater, der Hollywoodstar Laurence Harvey, dessen "Botschafter der Angst" man in "Domino" als Film im Film bruchstückhaft sieht. Detail am Rande: Miss Harvey hatte ihren eher ungewöhnlichen Taufnamen Domino nach einer gleichnamigen James-Bond-Gespielin erhalten. That's Hollywood.
Fazit: ästhetisch ist der Film sicher nicht, dieses Kriterium erfüllt einzig Keira Knightley. Oscar-Reife kann ich auch keine erkennen, ebenso wenig darf eine völlig authentische Dokumentation über Domino Harveys Leben erwartet werden. Und der Action Showdown auf der Turmspitze des Stratosphere Hotels ist auch überzogen. "Domino" hebt sich aber wohltuend vom Einheitsbrei gestylter Beverly-Hills-Langweilerei ab. Das verdient drei Sterne.