Der halbwüchsige Zigeunerjunge Perhan, seine jüngere, behinderte Schwester und sein älterer, kleinkrimineller Bruder leben mit ihrer Mutter im heimatlichen Dorf. Durch einen Trick geraten er und seine Schwester in die Fänge des Zigeuner-Gangsterbosses Ahmed. Perhan wird von seiner Schwester getrennt. Mit Lügen, Drohungen und Vergünstigungen macht Ahmed ihn sich gefügig. Perhan lernt schnell und wird mit gleichen Mitteln nach und nach zur rechten Hand Ahmeds. Doch in einer Welt ohne Moral, kann keiner dauerhaft Gewinner sein. Perhan erkennt zu spät, dass er die Ideale, die ihn seine Mutter vermittelt hat, nie hätte verraten dürfen.
Kusturica erzählt ausführlich und ohne Hast. Er lässt sich mit Perhan treiben - 137 Minuten lang. Man merkt, dass er kein Regisseur ist, der streng nach Drehbuch arbeitet. Er lebt seine Filme mit und dirigiert nicht von außen, sondern wenn, dann vom Inneren des Filmes heraus. Deshalb wirken seine Zigeunerwelten auch so lebendig und echt. In "Time of the Gypsies" hat sich Kusturica erstmals filmisch mit dem Thema beschäftigt. Seither wurde er immer wieder kopiert oder positiver: er inspirierte andere Regisseure. In Schwarze Katze, weißer Kater kehrte er in die Zigeunerwelt zurück. Doch er überzeichnet dort bewusst und enthebt die Geschichte in eine Märchenwelt, in der trotz aller Widrigkeiten das Gute siegt. "Time of the Gypsies" fehlt dieser Optimismus. Stellenweise glaubt man einem bedrückenden Dokumentarfilm zu sehen, wenngleich auch hier schon magische Elemente vorhanden sind. Die Kernaussage des Filmes ist, dass die Werte der Alten nicht mehr zählen. Perhans Mutter, eine Heilerin, hat zwar noch große Anerkennung in ihrem Dorf, dennoch wird sie von Ahmed betrogen, der eigentlich tief in ihrer Schuld steht. Die Zeiten haben sich mit einer größer werden Welt auch für die Zigeuner geändert. Die Strukturen lösen sich auf. Die Dorfgemeinschaft ist nicht mehr länger Schutzraum und Korrektiv.
Kusturica will, wie er im auf der DVD enthaltenen Interview verrät, in seinen Filmen die Einflüsse Ingmar Bergmanns und Bruce Lees verbinden: Anspruch und Action, Tragik und Trash. Außerdem bezieht er sich auf Garcia Marquez, den er "Freund" nennt. Der magische oder wie er ihn nennt phantastische Realismus, ist natürlich unverkennbar. Interessant ist, dass James Bond-Produzent Harry Salzmann auch der Produzent von "Time of the Gypsies" war. Er sah es immer als Privileg und Chance, mit dem mit James Bond Filmen verdienten Vermögen, besondere, kommerziell weniger erfolgreiche Projekte zu verwirklichen.
Die DVD gibt es im schönen Papschuber. Neben der deutschen und romani Filmversion, gibt es auf der DVD ein alternatives Ende und das bereits erwähnte einundzwanzigminütige Interview mit Kusturica.
1989 erhielt Kusturica für "Time of the Gypsies" in Cannes den Preis für die "Beste Regie".