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Dolly ist tot: Biotechnologie am Wendepunkt
 
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Dolly ist tot: Biotechnologie am Wendepunkt [Broschiert]

Christoph Then
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 288 Seiten
  • Verlag: Rotpunktverlag, Zürich; Auflage: 1 (1. April 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3858693685
  • ISBN-13: 978-3858693686
  • Größe und/oder Gewicht: 20,4 x 13,6 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 890.843 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung



Die biotechnische Illusion


Gentechnik und Biotechnologien boomen. Weltweit nimmt der Anbau von Gensaaten immer weiter zu. Das menschliche Erbgut ist entschlüsselt und zu großen Teilen zum Patent angemeldet. Doch Illusionen sind fehl am Platz: Die derzeitigen Biotechnologien sind als "Dinosauriertechnologien" wissenschaftlich bereits überholt, stellt Christoph Then in diesem Buch fest. Mit ihrem größten Triumph, der Entschlüsselung des Genoms von Mensch, Tier und Pflanze, scheitern das "Genesis-Programm" und die Vorstellung von einer Kontrollierbarkeit des Lebens auf grandiose Weise. In der Fülle der vielen erfolgreich analysierten Details zeigt sich immer klarer, dass sich die Komplexität des Lebens dem Anspruch der Technologen entzieht.
Das Buch bietet einen gerafften Überblick über die Geschichte der Biotechnologie und Biopolitik der letzten 100 Jahre ebenso wie eine Übersicht über die aktuellen Kontroversen in Bereichen wie der Agrogentechnik, der Patentierung von Leben und der Stammzellenforschung. Der Autor fordert eine Emanzipation von bisherigen Vorstellungen der Biologie, die den Menschen als Sklaven seiner Gene erklären und die belebte Natur zum Spielball von Konzerninteressen machen.

Über den Autor

Christoph Then, geboren 1962, studierte Tiermedizin und ist seit Jahren im Umfeld von Gen- und Biotechnologie aktiv. Er begründete in Deutschland die Initiative »Kein Patent auf Leben!« und arbeitete für die Grünen und für Greenpeace. Mit seinem neuen Projekt »scouting biotechnology« soll seit Anfang 2008 unter anderem unabhängige Risikoforschung unterstützt werden. Mitarbeit bei foodwatch, beim Gen-ethischen Netzwerk und bei der Gesellschaft für ökologische Forschung.

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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Gerade scheint in den letzten Jahren der Zeitpunkt erreicht zu sein, dass die Gefahren und die Risiken der Biotechnologie in das Bewusstsein nicht nur der Politiker, sondern -populär übersetzt - auch weiter Teile der Bevölkerung gelangt sind, da wird schon wieder Halali geblasen.

Der Kampf ist eigentlich vorbei, weil die mit Milliarden geförderte Suche nach den einfachen Strukturen in den Lebewesen, die in der Hoffnung unternommen wurde, Leben zu kontrollieren und -natürlich mit Gewinn - zu (re)produzieren, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, in den letzen Jahren also, zu einem für alle Forscher überraschenden Ergebnis geführt hat.
Die erfolgreich durchgeführte Analyse auch des menschlichen Genoms hat gezeigt, dass sich Lebensprozesse nicht auf einzelnen Bestandteile reduzieren lassen. Christoph Then beschreibt einen regelrechten Paradigmenwechsel, der innerhalb nur weniger Jahre stattgefunden hat:
"Innerhalb der Life Sciences gibt es eine immer breiter werdende Strömung, die nach Ansätzen sucht, um die aktuellen Erkenntnisse der Grundlagenforschung in einen neuen umfassenden theoretischen Kontext einzubetten. Ähnlich wie die Quantenphysik zu Beginn des 20.Jahrhunderts zu einer völlig neuen Vorstellung dessen führte, was die Welt im Innersten zusammenhält, führen die jüngsten Erkenntnisse der Biotechnologie zu einer weitgehenden Entgrenzung dessen, was bisher unter Vererbung verstanden wurde: Der Reduktionismus, der zur Idee der isolierbaren Genbausteine geführt hatte, kommt dort an seine Grenzen, wo Molekulargenetik und Biologie auf Phänomene von nichtreduzierbarer Komplexität treffen.
Das alte Paradigma kippt: Bisher konnte man von der Annahme ausgehen, dass es mit steigendem Wissen über die 'Natur des Lebens' immer einfacher werden würde, Prozesse wie Wachstum und Fortpflanzung der Lebewesen zu kontrollieren. Lebensprozesse wurden als komplizierte Mechanismen angesehen, deren Funktion man durch Analyse ihrer einzelnen Bestandteile analysieren konnte. Doch kann inzwischen nicht mehr erwartet werden, dass durch die Forschung ganz automatisch auch das Wissen über technisch determinierbare Prozesse zunehmen wird. Im Gegenteil, durch das Bekanntwerden immer neuer Details nimmt die Komplexität der beobachteten Phänomene so sehr zu, dass inzwischen klar ist, dass die bisherigen Modelle zu ihrer Erklärung nicht ausreichen. Die Phänomene des 'Lebens' und der 'Evolution' folgen nichtlinearen, hochkomplexen Regeln, die sich einer Vorhersagbarkeit und Beherrschbarkeit weitgehend entziehen. Der reduktionistische Ansatz, der in den letzten hundert Jahren der Biologie weit im Vordergrund stand, führt seine eigenen Erfolge ad absurdum: Auch wer alle Gene kennt, weiß nicht, was 'Leben' ausmacht. Aus einer komplizierten Maschine wird eine komplexes System, dessen einzelne Teile keinen Rückschluss auf die Funktion des Ganzen erlauben."

Then zeigt auf, dass die Biotechnologie bisher von völlig falschen Voraussetzungen ausging, denn eine Technologie, die darauf setzt, dass Lebensformen in Bezug auf die Zukunft kontrollierbar sind, ignoriert die eigenen Lebensgrundlagen. Manche Wissenschaftstheoretiker sprechen mittlerweile von einer regelrechten "Kultur des Nichtwissens", in der man jederzeit mit dem Unerwarteten rechnen müsse.

Nachdem er sehr aufschlussreich und verständlich die Geschichte der Biologie und Biotechnologie der letzten Jahrzehnte beschrieben hat, kommt Then auf sein eigentliches Anliegen zu sprechen. Es sei nötig, die neuen Erkenntnisse, insbesondere die Entdeckung der biologischen "Unschärferelation" umzusetzen.
Das soll geschehen durch ein gut begründbares Verbot der Freisetzung genmanipulierter oder künstlich konstruierter Organismen. Weiterhin sei nötig, sich dem Druck kommerzieller Verwertung zu entziehen. Eine Neudefinition der Rolle der Wissenschaft als unabhängiger Wächterin und kritischer Kontrolleurin steht an. Und: "Die Vorstellung von patentierbaren Genen und Organismen beruhen auf falschen wissenschaftlichen Vorstellungen, sind ethisch bedenklich und wirtschaftlich kontraproduktiv."

Eben weil die Gene sich nicht so verhalten, wie sie sollen. Jüngste Forschungsergebnisse zeigen mehr denn je, dass der Mensch das Produkt genetischer Prozesse ist. Aber auch, dass diese Prozesse mit vielen Freiheitsgraden ausgestaltet sind. Sie bilden ein offenes System, in dem keineswegs alles vorbestimmt ist.
Ganz im Gegenteil: Forscher sprechen davon ,dass der Mensch ein Mosaik sei, seine Identität und Gesundheit ein instabiler Zustand, in dem die Egoismen der Mosaiksteine der DNA in Schach gehalten werden. Angesichts einer wahren Flut von noch weithin mysteriösen Befunden, z.B. über die chaotische Kreativität des sogenannten Gen-Mülls, ergeht es den Genforschern ganz ähnlich wie den Kosmologen, die seit einigen Jahren nach der geheimnisvollen "dunklen Materie" im Universum forschen. Auch die Biowissenschaftler rätseln nun über "the dark matter of the genome", die dunkle Materie des Erbgutes.

Angesichts der Komplexität und Unbestimmbarkeit der genetischen Prozesse entlarven sich nun viele Visionen vom optimierten Designmenschen, aber auch manche Warnungen vor den Gefahren der Genforschung als arg vereinfachter Vulgärbiologismus. Das Basteln am Genom erweist sich als wesentlich komplizierter als gedacht. Und die Fantasie, man können durch Klonen begnadete Künstler, geniale Forscher oder einfach nur einen geliebten Menschen in idealer Form wieder auferstehen lassen, wird wohl auf ewig Wunschdenken bleiben.

Es ist das große Verdienst des vorliegenden Buches, dies sachkundig und verständlich aufgezeigt zu haben. Der sich selbst als Christ definierende Rezensent schmunzelt als Theologe innerlich darüber und denkt daran, dass das alles auch für die Rede von Gott als dem Schöpfer gilt. Vielleicht wäre einfach mehr glaubende Ehrfrucht vor diesen unglaublichen" Wunder angebracht ?
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1 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Christoph Thens Buch war eine anregende Lektüre für mich. Für Then liegen die Anfänge der Biotechnologie in der Arbeit der Physiologen des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Er beschreibt, wie die Molekularbiologie die Träger der Information in Zellen schrittweise aufgeklärt hat, und gelangt dabei bis zur heutigen Einsicht, dass nicht nur die DNA und Proteine, sondern auch RNA den Zustand von Zellen festlegen. Then versucht in seinem Buch viel, die Darstellung von Forschungsergebnissen, eine Bewertung dieser Ergebnisse und einen Ausblick darauf, wie der private Biotech-Sektor diese Ergebnisse für marktfähige Produkte nutzen kann. Dabei erörtert er so diverse Entwicklungen wie Stammzellentherapie, gentechnische Veränderung von Nutzpflanzen, Patentierung von Lebewesen und Synthetische Biologie.
Es wurde mir nicht klar, ob Then meint, die hohe Komplexität von Pflanzen und Tieren würde Versuche, ihnen gentechnisch neue Eigenschaften zu verleihen, zum Scheitern verurteilen, oder ob er meint, dass gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere ja bereits da sind und in ihrer Aufzucht auf Labore beschränkt werden sollten, weil ihre Auswirkungen auf die Umwelt nicht abgeschätzt werden können. Ich stimme Then zu, dass sich die Erwartungen an gentechnisch veränderte Pflanzen und Tiere noch nicht erfüllt haben, aber ich glaube anders als Then, dass trotz der erst kürzlich entdeckten und noch unverstandenen Komplexität der Steuerung von Zellzuständen die öffentliche und private Forschung genug Fortschritte machen wird, um Pflanzen und Tieren durch neue Gene neue Eigenschaften verleihen zu können, deshalb sehe ich die Biotechnologie auch nicht an einem Wendepunkt.
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