Kann man mit fünf Dollar pro Tag über die Runden kommen? Ein gutes Leben führen? Zufrieden sein? Nat Parker (Christopher Walken, "Hairspray", "Pulp Fiction") meint ja. Der Kleinganove ist ein überaus listiges Schlitzohr, das seine Tage damit verbringt, Schnäppchen aufzutreiben oder sich per fingiertem Tauschhandel Sachen anzueignen, die es ihm ermöglichen, pro Tag nur noch fünf Dollar ausgeben zu müssen. Von der Happy Hour bis zum kostenlosen Frisörbesuch, vom Übernachten in leerstehenden Häusern bis zum Einschleichen auf eine Party von Geschäftsleuten, um sich am reichhaltigen Buffet zu verköstigen und das Tanzbein mit einer der gelangweilten Ehefrauen zu schwingen, ist sich Nat für nichts zu schade und hat ein untrügliches Gespür dafür entwickelt, wo es etwas umsonst gibt. Leider ist sein Gespür für Vaterpflichten weniger gut ausgeprägt, so dass das Verhältnis zu Sohnemann Flynn (Alessandro Nivola, "The Eye", "Grace is gone") unterkühlt bis nicht existent ist. Als bei Nat ein Gehirntumor diagnostiziert wird, überredet er Flynn zu einem letzten Roadtrip nach New Mexico, da es dort alternative Behandlungsmethoden für seine Erkrankung geben soll. Die Tour wird holprig und Nat bringt Flynn mehr als einmal in eine brenzlige Situation, aber ganz langsam finden Vater und Sohn wieder zueinander. Wenn Nat nur nicht immer so viele Lügen erzählen würde...wirklich schlimme Lügen...
"5 Dollars a Day" ist ein verschrobenes Roadmovie mit einem grandiosen Christopher Walken. Der Mann ist einfach prädestiniert dafür, durchgeknallte Typen mit schrägem Humor zu spielen, und hier läuft er mal wieder zur Höchstform auf. Man bekommt sogar eine Einlage von Walkens mittlerweile berühmtem Tanzstil geboten, die allerdings nicht ganz so spektakulär ausfällt wie im Video "Weapon of Choice" von Fat Boy Slim (unbedingt ansehen: http://video.google.com/videoplay?docid=8787452113268513375#). Walken gelingt es, nicht nur seinen Sohn, sondern auch den Zuschauer immer wieder zu täuschen, weil man nie sicher sein kann, welche von seinen bizarren Geschichten nun der Wahrheit entspricht. Auch Sohn Flynn ist davon zusehends weniger begeistert und überfordert, weil er sich schließlich sogar fragen muss, ob Nat überhaupt sein Vater ist. Bislang hat er mehr oder weniger erfolgreich versucht, Nats Existenz zu verdrängen, besonders, nachdem er einmal sogar für ihn ins Gefängnis gegangen ist. Mittlerweile schlägt er sich als Gesundheitsinspektor durch und muss gerade die Trennung von Freundin Maggie (Amanda Peet, "2012", "Identity") verkraften. Dass der Roadtrip mit Nat ihn noch vor weit größere Probleme stellen wird, ahnt er anfangs natürlich nicht.
Man ahnt durch die hier genannten Werke von Regisseur Nigel Cole ("Grasgeflüster", "Kalender Girls", "We want Sex"), dass er auch "5 Dollars a Day" seinen britischen, schwarzhumorigen Stempel aufgedrückt hat. Leider hat er bei der Reise nach La La-Land ein wenig die Dramaturgie aus den Augen verloren, so dass "5 Dollars a Day" trotz seiner nur 90 Minuten nicht durchgehend flott inszeniert ist. Auch gehen die angepeilten Genres Komödie und Drama eine nicht immer stimmige Symbiose ein, so dass der Zuschauer manchmal wirklich nicht weiß, ob er lachen oder weinen soll. Zum Glück wird dies überwiegend durch die soliden darstellerischen Leistungen und die witzigen Ideen zu Nats unermüdlicher Schnäppchenjagd aufgefangen. Man überlegt sogar, den ein oder anderen zwar dreisten, aber letztendlich harmlosen Trick von Nat vielleicht mal selber auszuprobieren, so "kreativ" sind seine Ideen manchmal.
Alessandro Nivola gelingt es ganz ansehnlich, sich gegen so einen gestandenen Mimen wie Walken zu behaupten, er spielt ihm perfekt zu und kann darüber hinaus ein paar eigene Akzente setzen. Sein zutiefst unglücklicher, verbissener und mürrischer Flynn taut mit der Zeit auf und begreift auch, wie wichtig ihm seine Beziehung zu Maggie ist, um die er mehr und mehr zu kämpfen beginnt, je weiter er sich (geographisch) von ihr entfernt. Amanda Peet, Sharon Stone und Peter Coyote sind in den Nebenrollen hervorragend besetzt, so dass das Ensemble insgesamt wunderbar harmoniert und versucht, die ein oder andere Drehbuchschwäche auszugleichen.
Zur Ausstattung: Ton in deutsch und englisch in DD 5.1, deutsch auch in Dts, deutsche Untertitel, dazu Interviews mit Nigel Cole, Christopher Walken, Alessandro Nivola, Amanda Peet, Peter Coyote, Sharon Stone und Dean Cain. Trailer in deutsch und englisch.
"5 Dollars a Day" ist ein wunderlicher kleiner Film, der neben vielen großartigen Momenten auch mit einigen Belanglosigkeiten und geringer Langeweile aufwartet. Es fehlt ein wenig an Emotionalität, da Regisseur Cole sich offensichtlich mehr auf die skurrilen oder grummeligen Züge seiner beiden Protagonisten konzentriert hat als auf die emotionale Seite des Vater-Sohn-Konflikts. Das fällt nicht schwer ins Gewicht, aber es fällt auf und macht den Film so leider nicht ganz so gut, wie er mit etwas mehr Augenmerk auf Empathie und etwas besseres Timing hätte werden können. Dennoch gerne drei von fünf Zwischenstopps auf einer Reise, die einen letztendlich genau dorthin führt, wo man hingehört - zu sich selbst.