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Doktor Schleyers isabellenfarbige Winterschule: Kolumnen 2000-2002
 
 
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Doktor Schleyers isabellenfarbige Winterschule: Kolumnen 2000-2002 [Gebundene Ausgabe]

Peter Bichsel

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Der Zug hält beim Wort Kolumnen von Peter Bichsel Es gibt Dinge, die entstehen, weil es geheimnisvoll schöne Wörter für sie gibt. «Isabellenfarbig» zum Beispiel: «Die siamesische Katze hat ein Fell, das glatt anliegt und isabellenfarbig ist», so liest es der Bub in einem alten Tierbuch, das beim Grossvater neben der Bibel steht. Verfasst wurde es von «Dr. Aug. Schleyer», dem «Vorstand der königlich landwirtschaftlichen Winterschule». Und staunend mischt das Kind das Wort «Vorstand» mit der Szenerie eines Bahnhofs und legt über sie ein herrliches Winterweiss. Hier verläuft ein Streckenabschnitt durch Wörterkontinente, die nicht anders als lesend zu bereisen sind. Es gibt auch Dinge, die verschwinden auf jener Landkarte der Wortimagination, wenn sie etwa falsch benannt werden. «Gschwellti» zum Beispiel wäre eine Lieblingsspeise; «Pellkartoffeln» hingegen sind substanziell vielleicht dasselbe, kategorial allerdings etwas sehr anderes, denn die «Bezeichnung gehört mit zum Geschmack». In seinen versammelten Kolumnen aus den vergangenen drei Jahren nimmt Peter Bichsel den Leser mit zu jenen sublimen Abenteuern, die der schriftlichen Form bedürfen: «Sie werden nicht gelebt, sie werden gelesen. Sie finden offensichtlich erst statt, wenn sie geschrieben sind.» Bichsels kurze, menschenfreundliche Einwürfe zum wahren Leben im falschen sind ein unermüdliches Plädoyer für die kleine Exotik des Abseitigen. Im Verlieren, im Nichtkönnen, im Scheusein sehen sie die Möglichkeit der Freiheit. Sie öffnen Räume für das Langsame, für kleine Fluchten und widerständige Emanzipationen im Windschatten der Tüchtigen. Und weil am Anfang eines Kinderlebens Worte da waren als Verheissungen, führt Bichsel wortgläubig immer wieder zu ihrer geheimen Wirklichkeit zurück, in Namen, Klang und Schriftbild: «Eisenach. Ich freue mich jedes Mal, wenn ich es sehe, wie wenn ich eigentlich nicht den Wunsch nach einer Stadt gehabt hätte, sondern nur nach einem Wort, einem Namen, der hier in Eisenach auf dem Bahnhof seine aktuelle Realität bekommt.» Angelika Overath

Kurzbeschreibung

Peter Bichsel bildet nicht die Welt ab, »wie sie angeblich ist«, sagt Peter von Matt, sondern er hat gelernt, »auf die Stimmen der Welt zu hören, sie aufzufangen und mit ihnen zu arbeiten, sie zu verbinden und zu fügen, spielerisch und doch in strenger Komposition«. Nirgendwo lassen sich jene »Stimmen der Welt« besser, deutlicher vernehmen als in jenen so eigensinnigen Geschichten, die Peter Bichsel »Kolumnen« nennt: Beobachtungen von unterwegs.Da begegnen wir dem eigenartigen Egon, der nur in Andeutungen und Abkürzungen spricht, werden Zeugen eines Wutausbruchs von Paul, eines sonst eher gemütlichen Menschen, sitzen als Fremde in einer Bar in Brisbane, besuchen die »Bahnhofswinterschule«, treffen eine alles andere als naive Erstkläßlerin, denken an die mißlingenden Weihnachtsfeste, den kranken Freund und hören den heutigen Jungen zu, die später erzählen werden, daß früher alles anders und besser war. Aber »was wären wir, wenn sich nicht alles verändert hätte?« fragt Peter Bichsel. »Wir wären nichts, hätten nichts, hätten nichts erlebt und nichts zu erzählen.«

Über den Autor

Peter Bichsel wurde am 24. März 1935 in Luzern geboren und wuchs als Sohn eines Handwerkers ab 1941 in Olten auf. Am Lehrerseminar in Solothurn ließ er sich zum Primarlehrer ausbilden. 1956 heiratete er die Schauspielerin Therese Spörri († 2005). Er ist Vater einer Tochter und eines Sohnes. Bis 1968 (und ein letztes Mal 1973) arbeitete er als Primarlehrer. 1964 wurde er mit seinen Kurzgeschichten in Eigentlich möchte Frau Blum den Milchmann kennenlernen auf einen Schlag bekannt; die Gruppe 47 nahm ihn begeistert auf und verlieh ihm 1965 ihren Literaturpreis. Zwischen 1974 und 1981 war er als persönlicher Berater für Bundesrat Willi Ritschard tätig, mit dem er befreundet war. Mit dem Schriftsteller Max Frisch war er bis zu dessen Tod 1991 eng befreundet. Er ist seit 1985 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin und korrespondierendes Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Bichsel lebt in Bellach bei Solothurn.

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