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Doktor Schiwago - Roman
 
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Doktor Schiwago - Roman [Unbekannter Einband]

unbekannt
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Produktinformation

  • Unbekannter Einband: 639 Seiten
  • Verlag: Bertelsmann, Gütersloh, (1958)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 359629519X
  • ISBN-13: 978-3596295197
  • ASIN: B002896KSM
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 11,8 x 4,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (14 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 406.023 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Kundenrezensionen

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23 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das ist Russland 2. Januar 2007
Von lyrx
Format:Taschenbuch
Es nicht gelesen zu haben, ist eine jener Bildungslücken gewesen, die

ich ungern offen lasse.

Was für ein Land! Was für Menschen! Dr Schiwago entstammt der

Oberschicht des vorrevolutionieren Russland. Er ist ein sensibler,

universell begabter Mann mit Interesse sowohl an Poesie und

Naturbeobachtung, als auch an den Naturwissenschaften. Sein Verhalten

und sein Charakter wird von ethischen und humanitären Maßstäben

bestimmt. Folgerichtig wird er Arzt.

Die grausame Geschichte Russlands verhindert eine glanzvolle

Karriere, die seinen Begabungen entsprochen hätte. Er wird im ersten

Weltkrieg als Frontarzt zwangsverpflichtet, dann bricht die russische

Revolution aus. Es gibt bittere Hungersnöte in kalten Wintern. Er

flüchtet mit seiner Familie in den Ural, wird von Partisanen

entführt und gezwungen, ihr Feldarzt zu werden und und und ...

Der Roman ist auch ein Liebesgeschichte, aber er ist vor allem eine

Geschichte Russlands. Tragik ist nicht der richtige Ausdruck für das

Geschehen, weil ihm dazu die Unvermeidlichkeit fehlt. Es sind stets

Menschen, die entscheiden, und sie könnten auch anders. In der Weite

langer kalter Winter bewegt sich eine leidgeprüften Volksseele auf

einen Abgrund zu.

Langsam zieht die Revolution herauf, der Bürgerkrieg. Er kündigt sich

erst durch unheilvolle Vorzeichen an, wird dann allmählich stärker,

grausamer allumfassender. Der Krieg verbündet sich mit der Tundra und

ihrer Winterkälte, mit den Eitelkeiten und den Dummheit der Menschen,

er zerstört uralte Traditionen und gewachsene Strukturen.

In alledem versucht Schiwago, sich seine Menschlichkeit zu

bewahren. In einem Güterwaggon reist er nach Sibirien, muss die

Geleise vom Schnee freischaufeln und kann dabei (einer völlig

ungewissen Zukunft entgegensehend) dennoch die Schönheit der

Scheelandschaft genießen und Gedichte schreiben.

Er liebt Lara, die er von Jugend auf kennt und mit der er erst viel

später zusammenkommt. In dieser Liebe findet der Roman seinen Höhepunkt,

denn sie kann sich in der neuen nachrevolutionären Zeit nicht erfüllen:

Regimeterror und Denunziantentum lassen nicht mehr zu, dass blüht, was

blühen möchte. Seine nicht-proletarische Herkunft und sein lebenslanges

Ringen um Familienglück, ja nur ums nackte Überleben, haben genügt, ihn

zu einer unerwünschten Person werden zu lassen, die jederzeit mit

ihrer Verhaftung rechnen muss.

Lara und Schiwago lieben sich trotzdem. Sie leben den unmöglichen

Traum, flüchten in die Einsamkeit, Wölfe schleichen ums Haus und

es ist klar, es wird nicht gehen. Letztlich ist es Laras Wunsch,

einfach nur zu überleben, der beide wieder auseinandertreibt.

Sie sind noch nicht mal vierzig Jahre alt. Da ist es einfach noch zu

früh zum Sterben.

Lara ist der schöne Engel in diesem Roman, aber sie ist auch ein Opfer

ihrer Weiblichkeit und der Willkür eines Mannes, der sie in jungen

Jahren verführt und manipuliert. Tugendhaftigkeit und Sinnlichkeit

vereinen sich in ihr, ohne zu einem Widerspruch zu führen: Letztlich

strebt auch sie wie Schiwago nur nach Normalität und Liebe. Auch sie

ist ein Spielball der Zeitgeschichte, der immer dann wieder

fortgetragen wird, wenn er gerade einmal zur Ruhe gekommen ist.

Die Hauptfiguren des Romans wollen einfach nur leben, die Betonung

liegt auf einfach. Das korreliert mit der Aussage Pasternaks, der sich

schon früh vorgenommen hatte, ein "ganz einfaches" Buch zu schreiben.

Damit wollte er wohl auch ausdrücken, dass es vom theoretischen

Ballast des Zeitgeistes frei sein sollte. Es sollte ein Buch sein,

dass die Geschichte so erzählt, wie sie gewesen ist, und wie sie

empfunden worden ist, und nicht mehr. Das ist ihm sicher gelungen,

obwohl Pasternaks poetisches Naturell ihn daran hindert, zum

vollkommenen Realisten zu werden.

Trotzdem gibt es Stellen in dem Buch, in denen Weltanschauliches und

explizit Politisches einfließt. Das macht das Buch erst Recht zu einem

russisches Buch, denn es verankert sich dadurch in der Tradition

russischer Romanliteratur: Diese hatte immer schon eine Tendenz, das

menschliche Einzelschicksal in einen geschichtlichen oder

gesellschaftlichen Kontext einzubinden. Man denke nur an Tolstois

"Krieg und Frieden", man denke auch an Dostojewski.

Die großen Romane Russlands sind immer Romane, in denen man

gewissermaßen durch ein mit Eisblumen der Fantasie bewachsenes Fenster

einen Blick auf das dunkle kalte Land und seine warmen Menschen

werfen kann.

Ja, in Doktor Schiwago brennt die Glut des eisernen Ofens im

russischen Haus. Der Sturm der Zeit weht das Dach davon, und darunter

frieren die Menschen. Sie haben es schwer, sie leiden, sie lieben und

kämpfen. Der Ofen brennt weiter und Schneeflocken fliegen darauf. Das

ist für mich Russland.
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5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von jury HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Darf man Denkmäler nüchtern betrachten? Befangen in der politischen Konfrontation, dem Leid hilflos ausgesetzt und im unreflektierten Versuch einer Rationalisierung der Emotionen neigen Betroffene zu manchmal peinlicher Überhöhung:

"Heute, am Morgen, las ich im "Doktor Shiwago" den Brief der Tonja an ihren Mann Juri Andrejewitsch; ich las und begrüßte dankbar die Tränen in meinen Augen, die aus der Tiefe der Verhärtung dieses sozialistischen Lebens quollen, weil die Sprache dieses Briefes es vollbrachte, den Verhängniskreis des Sozialismus mit einer humanistischen Gebärde zu verlassen..." [1]

Lyrik gedeiht unter Drückung - Prosa mit Hilfe politischer Gegner. Pasternaks Doktor Schiwago hätte vielleicht niemals seine Geltung erreicht, hätten da nicht dem Szenario der auf der einen Seite jahrelangen Unter"druckung" in seinem russischen Heimatexil - die Familie lebte ja in Deutschland - "beflissene" "Freunde" auf der anderen Seite gegenüber gestanden. Veröffentlicht wurde der Roman in Italien [2], bald folgte die für den Nobelpreis erforderliche russische Ausgabe - im Ausland! Nun stand dem Literatur-Nobelpreis nichts mehr im Weg. 1965 erschien der Film, der weltweit die Herzen der Menschen gewann. Aber erst Gorbatschow legalisierte das Werk im Land der Werktätigen, erst 1989, eine Generation nach des Vaters Tod, erhielt stellvertretend Pasternaks Sohn den Preis in Stockholm.

Sucht man in der Wikipedia nach "Doktor Schiwago", wird man zum Film geleitet - nicht zum Buch. Meines Erachtens spiegelt dies die Bedeutung, ja sogar den Wert, aber selbstverständlich nicht den Verdienst. Gelegentlich werden Bücher "nahe am Original" verfilmt - so zum Beispiel Schnitzlers Traumnovelle in Kubricks Eyes Wide Shut. Hier scheint mir das anders zu liegen. Der Film Doktor Schiwago berührte meines Erachtens weniger wegen der Motive aus Pasternaks Roman, sondern weil dem Drehbuchautor Robert Bolt eine kunstvolle Verflechtung von Charakteren und Hintergründen gelang, die weit über die Ansätze des Buchs hinausreicht. Weil der geniale Regisseur David Lean, sein legendärer Kameramann Freddie Young und der Ausnahmemusiker Maurice Jarre ein Gesamtkunstwerk komponierten, welches in seiner symbolreichen Bild- und Tonsprache überwältigt. Man schaue sich nur den Titel des Buchs an; Lara und Tonja und Jura, Komarovsky und Strelnikow - das sind für Millionen von Menschen anders als sonst bei großen Romanen nicht die Umsetzungen in der Phantasie des Lesers, sondern die realen Gesichter von Julie Christie und Geraldine Chaplin, Omar Sharif, Rod Steiger und Tom Courtenay. Die Choreographie der Schicksalslinien dieses Pentagons von Antipoden kreierten die Schöpfer des Films - nicht der Schriftsteller.

Wofür gab es den Nobelpreis ein Jahr nach der Veröffentlichung? Für "Doktor Schiwago" [3] oder "für seine bedeutende Leistung sowohl in der zeitgenössischen Lyrik als auch auf dem Gebiet der großen russischen Erzähltradition" [4]? Spielt es eine Rolle, wie man es verklausuliert? Es war doch offensichtlich ein politischer Preis, für ein Werk, das mit tätiger Hilfe des CIA [5,6] als Werkzeug der ideologischen Auseinandersetzung eingesetzt worden ist.

"Pasternak hat ein einfaches Buch schreiben wollen, das den Zustand und die Hoffnung seines Jahrhunderts mit einem Mal umfassen sollte. Dieses Buch könnte nur ein Roman sein, denn seine Gedichte hielt er höchstens für Entwürfe, Übungen unterwegs." [7] Lyrik nach Übersetzungen zu beurteilen grenzt an Unfug - hier jedenfalls konzentrieren wir uns auf die Prosa.

"Einfach" trifft es irgendwie. Wer überlegt, den "Doktor Schiwago" zu lesen, sollte sich auf eine spröde Sprache, flatterhafte, oft extrem kurze Sätze, eine Unzahl von Charakteren, hektische Szenenwechsel und kaum erkennbare Linien vorbereiten - das bedeutet auf weit über 600 Seiten frei nach Klitschko wahrhaft "schwere Kost". Oft vermisst man einfach einen Plan. Auch in der Prosa kämpfen noch Phasen des Muts und der Deutlichkeit mit der vorsichtigen, andeutenden Sprache der Angst. Pasternak hat ein Jahrzehnt auf das Buch hingearbeitet, er war ungeachtet seiner internationalen Kontakte kein relativ freier Mensch wie ein Böll oder ein Houellebecq, sondern lebte ja nach wie vor in einem extrem repressiven System auf der anderen Seite des "Eisernen Vorhangs".

Mehr noch, leider: Man findet durchaus schöne Wortmalereien, wie man sie von einem Dichter erhofft. Oft aber drückt er sich geradezu unbeholfen aus, zwar lyrisch blumig, manchmal jedoch mit Bildern, die jeder Deutschlehrer rot markieren würde. Man könnte zudem reihenweise sowohl inhaltlich als auch sprachlich unausgegorene Sätze zitieren, bei denen weder die Berücksichtigung der Zeit noch mögliche Übersetzungsschwächen als Entschuldigung herhalten könnten. In der Reschke-Übersetzung werden solche Defizite durch merkwürdiges Deutsch noch verstärkt.

Am unangenehmsten fand ich jedoch die inhaltsfreie Seitenfüllerei mit unzähligen Protagonisten, die unzählige Alltagsverrichtungen erledigen, ohne dass dies auch nur das Mindeste mit der Handlung oder dem Hintergrundgeschehen zu tun hätte. Und nein, dadurch wird auch keine Stimmung erzeugt oder eine Situation fühlbar gemacht. Man könnte das Buch vermutlich auf ein Drittel zusammenstreichen, ohne dass etwas Wesentliches fehlen würde.

Was - offen gesprochen - dem Buch fehlt, ist einfach ein gutes Lektorat. Man könnte sagen, dass dies in gewisser Weise durch den Film nachgeholt worden ist - aber Pasternaks Roman ist, bei allen indirekten Verdiensten, nicht die Sorte von Roman, die den Leser fasziniert und fesselt. Da gibt ja selbst noch ein Pamuk mehr her. Was nicht heißen soll, dass ich es uninteressant finde, den Roman zu lesen - aber auch enttäuschend. Selbstverständlich ist dies nur eine unbedeutende persönliche Meinung - aber nüchtern betrachtet liegt der Wert dieses Romans alleine in einer gewissen geschichtlichen Bedeutung und in der Tatsache, dass er Anlass zu einem großen Film gegeben hat.

jury 4* A0397 2.12.2010eg 10A 2F

[1] Gert Neumann, Elf Uhr, Siebenter September 1977. Frankfurt a.M. 1981
[2] Giangiacomo Feltrinelli Editore, Milano, 1957
[3] Fischer-Verlag in der Ausgabe von 1997
[4] Wikipedia: Boris Leonidowitsch Pasternak
[5] Anatoli Koroljow: Rätsel gelüftet: CIA half Pasternak bei Gewinn des Nobelpreises RIA Novosti, Januar 2009
[6] Mark Franchetti: How the CIA won Zhivago a Nobel Times, Januar 2007
[7] Fritz Mierau in der Fischer-Ausgabe von 1997

Mir lagen Übersetzungen von Thomas Reschke (Fischer Verlag) und Reinhold von Walter (Bertelsmann) vor. Man kann, soweit es um die Beherrschung der deutschen Sprache geht, eindeutig eine Empfehlung für Herrn von Walter aussprechen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Poesie und Zeitgeschichte 4. Januar 2010
Von Tanja Heckendorn TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
"...Alles wahrhaft Große ist ohne Anfang wie das Weltall. Es ist plötzlich da, ohne Entstehung, als wäre es schon immer dagewesen oder vom Himmel gefallen.
Ich denke auch, dass Russland dazu verurteilt ist, das erste Reich des Sozialismus seit Bestehen der Welt zu werden. Wenn das geschieht, wird es uns für lange Zeit betäuben, und wenn wir wieder zu uns kommen, werden wir unsere verlorengegangene Erinnerung nicht wiederfinden. Wir werden einen Teil der Vergangenheit vergessen und nicht nach einer außergewöhnlichen Erklärung suchen. Die neuangebrochene Ordnung wird uns umstehen, so gewohnt wie ein Wald am Horizont oder eine Wolke über uns. Sie wird uns von allen Seiten umgeben. Etwas anderes wird nicht sein." (Juri Shiwago in Dr. Shiwago, Seite 248).

Ein einfaches Buch hat der Autor Boris Pasternak schreiben wollen. Ein Werk, das den Zustand und die Hoffnung seines Landes und seines Jahrhunderts umfassend wiedergeben sollte. Ganz so einfach zu lesen ist das russische Weltliteraturwerk aber nicht. Im Mittelpunkt der Geschichte steht die männliche Hauptfigur, der sensible Arzt und Dichter, Juri Shiwago. Anfang und Ende des Romans werden durch einen tragischen Tod gekennzeichnet. Dadurch wird der melancholische Charakter stimmungsvoll in Szene gesetzt, der durch die eindringlich beschriebenen wichtigen zeitgeschichtlichen Ereignisse einen einzigartigen Status erlangt hat. Verwirrend sind die vielen Figuren, die Pasternak seinem Helden zur Seite gestellt hat und die zum Teil ein seltsames Eigenleben führen oder nach einem kurzen Auftritt verschwinden. Wer sich jedoch davon nicht stören lässt, wird zweifellos von dem Sog des Romans erfasst werden und die schicksalhaften Erlebnisse Dr. Shiwagos hautnah miterleben.

Eigentlich sollte das Leben des Juri Shiwago durch die Privilegien seines ruhmreichen Namens gekennzeichnet werden, den seine Vorfahren seit Jahrzehnten mit Stolz trugen. Doch bereits der frühe Tod seines unsteten Vaters von eigener Hand, lassen eher ungünstige Prognosen für das weitere Dasein des kleinen Waisenknaben stellen. Juri wächst in Moskau bei einer liebevollen Pflegefamilie auf. Hier entsteht von klein auf eine besondere Beziehung zu der Tochter der Familie, der intelligenten Tonja. Auch die Begabung des jungen Shiwagos wird schon bald sichtbar. Es ist die Poesie, die den jungen Mann beflügelt. Aber das Dichterwesen taugt wenig zum angesehenen Beruf und so widmet er sich der Medizin als neue Passion. Als Jugendlicher begegnet er als Begleitung eines angesehenen Arztes zum ersten Mal der schönen Lara, deren Mutter einen Selbstmordversuch unternommen hat und nun medizinische Hilfe erfährt, die für ihn später eine große Bedeutung haben wird. Auch Laras Leben wird vom Autor begleitet. Was beide zu dem Zeitpunkt nicht ahnen: Sie haben einen gemeinsamen Bekannten, den zwielichtigen Anwalt und Geschäftsmann Komarowski. Dieser Mensch ist höchstwahrscheinlich mitverantwortlich für den Selbstmord von Vater Shiwago, was Juris Freund Mischa ihm später anvertraut. Außerdem ist er der Geliebte und Gönner von Laras Mutter und jetzt auch der Verführer der jungen Schönheit. Allerdings vergeht eine ganze Zeit, bis die beiden Schicksalsverbundenen sich wieder treffen. Zwischenzeitlich haben beide geheiratet: Der frischgebackene Arzt Juri Shiwago hat seine Freundin seit Kindheitstagen, die anmutige Tonja, geehelicht und Lara wohnt mit ihrem Mann und Tochter in Jurijakin, weit weg vom verruchten Moskau. Im ersten Weltkrieg arbeiten Juri und Lara durch einen Zufall zusammen. Auf der Suche nach ihrem verschwundenen Ehemann arbeitet Lara als Krankenschwester und auch Juri leistet als Militärarzt am gleichen Ort seinen Dienst ab. Tonja fürchtet, dass ihr ferner Ehemann sein Herz an die schöne, tapfere Gefährtin verliert, doch noch bleiben die beiden standhaft. Als Juri nach Moskau zurück kehrt, wird er vom Geist der Revolution erfasst. Sein Gefühl eines herannahenden Unheils bestätigt sich jedoch immer mehr und seine Familie sieht sich gezwungen, in ländliche Gefilde zu flüchten. In Warykino finden sie ein neues Zuhause, nachdem sie eine abenteuerliche Reise mit dem Zug quer durchs Land überstanden haben. Doch der ehemalige Herrensitz liegt in unmittelbarer Nähe des Zuhauses von Lara. Wie es sich nun herausstellt, ist Lara die Ehefrau von Strelnikow, der mit seinen schrecklichen Taten im Namen der Revolution das Land in Angst und Schrecken versetzt. Diese Tatsache und auch die Schwangerschaft der geliebten Tonja halten Juri Shiwago nicht davon ab, mit der schönen Lara eine leidenschaftliche Affäre zu beginnen. Diese Entscheidung hat jedoch tragische Konsequenzen für alle Beteiligten, die in einen erneuten Strudel ereignisreicher Jahre hineingezogen werden.

Außer dem beeindruckenden zeitgeschichtlichen Aspekt ist der Roman auch wegen seiner Poesie beachtenswert. Außer den sehr interessanten Tagebuchauszügen, die in die Handlung integriert wurden, kann man am Ende auch die Gedichte Shiwagos genießen. Als Kostprobe sei hier am Ende der letzte Absatz des Gedichts "Wiedersehen" angeführt:
"Wer wird nach diesen Zeiten
Noch wissen, wie`s uns ging,
Wenn Schwätzer sich verbreiten,
Doch wir schon nicht mehr sind?"
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