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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Busonis Faust - von Goethe befreit und dennoch genial,
Von
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faust [2 DVDs] (DVD)
Eigentlich unsingbar, urteilt Bariton Thomas Hampson über Busonis Faust, eine der wichtigsten und in der Breite des Publikums zugleich unbekanntesten Opern des 20. Jahrhunderts. Vor allem finde man selten einen Trottel", wie er sagt, der diese Wahnsinnspartie lerne. Hampson hat es getan. Hier kann also noch etwas entdeckt werden - ein Schatz musikalisch monumentalen Ausmaßes, der sehr oft an Wagner (Parsifal!) erinnert, öfters an Richard Strauss, manchmal auch an Puccini, ja sogar an Donizetti - aber diese Parallelen muten dann schon sehr intellektuell an. Ein weiterer Grund neben höchsten musikalischen Ansprüchen, warum sich das Werk nur schleppend verbreiten lässt, ist der schlichte Umstand, dass der Blick auf Faust durch Goethe geprägt, ja geradezu verstellt ist. Busonis Faust hat wenig mit dem Goethes zu tun. Anfänglich hatte sich Busoni noch erfolglos an der Vorlage Goethes abgearbeitet, aber er schwamm sich erst nach der Loslösung vom Dichterfürsten frei, als er sich zu Goethes eigenen Quellen, besonders dem gleichnamigen Puppenspiel vorarbeitete. Busonis Faust ist ein gewaltiges Opus mit fast dreistündiger Spielzeit. Wie im Traum durchwandelt Faust bei Busoni die Strecke zur vermeintlichen Erkenntnis, die aber natürlich im Tod endet. Der Stuttgarter Regisseur Klaus Michael Grüber hat das Stück sehr vorsichtig und feinsinnig 2006 am Züricher Opernhaus inszeniert. Thomas Hampson verleiht Faust Stimme und Gestalt, die einem unter die Haut gehen. Er beweist einmal mehr seinen Rang als einer der weltbesten lyrischen Baritone, ganz in der Tradition Fischer-Dieskaus, besonders was die intellektuelle Durchdringung der Rolle anbetrifft. Hampson lebt den Faust und er leidet mit ihm erkennbar in jeder Regung. Der Barenboim-Schüler Philippe Jordan bringt in seiner musikalischen Leitung hochkonzentriert einen beeindruckenden Spannungsreichtum hinein. Wer Busoni noch nicht kennt, aber Wagner und Strauss schätzt, der muß sich mit ihm beschäftigen. Wer Busonis Faust schon kennt, kommt sowieso nicht mehr von ihm los. Als Extras finden sich auf dieser herausragend guten Doppel-DVD ausführliche Interviews mit Bariton Thomas Hampson und Dirigent Philippe Jordan, die auch sehr kenntnisreich das Werk erhellen; Bild- und Tonqualität sind im übrigen mustergültig.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wenn Uhren schmelzen...",
Von
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faust [2 DVDs] (DVD)
Referenzaufnahme des Meisterwerks bei ARTHAUS - (Arthaus - 101.283)Liebe Opernfreunde! Vor zehn Jahren noch hätte ich gesagt: Oper vor dem Fernseher ist eine Notlösung, kein Genuß und niemals mit einer Live-Aufführung vergleichbar, absolut unbefriedigend!" Nachdem ich mir nun die DVD von Ferrucio Busonis Doktor Faust" (Arthaus 2007) zu Gemüte und Gehör geführt habe und meine Ton- und Bildanlage auf neuerem Stand ist, beginne ich zu schwanken. Allen Ernstes! Schön und gut, die 500 Schweizer Franken, welche ein Premierenkarte 1. Kategorie gekostet hätte, müssen sie natürlich in passabel digitales 5-Kanal-Audio schon investieren, aber dann geht es Ihnen vielleicht, wie dem Rezensenten: sitzend vor dem Bildschirm klatscht und braviert man am Schluß zusammen mit dem Publikum der Konserve, als säße man live in der Oper. Schweißgebadet und mit einem Puls von 170 hielt es mich nach Mephistopheles zynischem Sollte dieser Mann etwas verunglückt sein...?" und dem Orchestercrescendo nicht mehr im antiken TV-Ohrensessel. Unerhört! Und selbst wenn Sie noch über keinen Großbild-Plasma oder Beamer verfügen (rücken sie einfach ihrem TV dichter auf den Pelz), ist der digitale Raum-Klang immer noch so brillant, perfekt und verzehrend, daß man trotz Live-Aufnahme die sprichwörtliche Stecknadel fallen hören könnte. Der Rezipient taucht regelrecht in die Oper ein. Gottseidank ist auch das Zürcher Publikum so zurückhaltend und die Technik so ausgefuchst, daß nicht zur Oper gehörende Nebengeräusche nahezu verschwinden. Kein Vergleich mit den meisten sonstigen Opera-Live-Mitschnitten. Ein Bravissimo an die Technik-Crew! Die Aufnahme ist in Dolby-Digital 5.1. schon mindestens 5 Sterne wert - im dankenswerterweise schaltbaren DTS (Digital-Theatre-Sound) ein glattes 6-Sterne-Erlebnis. Eine Referenzaufnahme und für längere Zeit sicherlich das Maß der Dinge. Besser kann es nicht klingen. Mit Superstar Thomas Hampson als die quasi darstellerische und gesangliche Inkarnation des Faust", einem adäquaten passenden Gregory Kunde als Mephistopheles" und dem traumhaft und hochkonzentriert aufspielenden Orchester des Zürcher Opernhauses" unter dem spannungsvollen Dirigat von Philippe Jordan ist auch künstlerisch eben dieses Maß der Dinge" erreicht. Da verblaßt geradezu unsere bisherige Referenz (DG 1970) mit Fischer-Dieskau, denn akustisch ist der Sprung von der CD-Technik zur klanglich überwältigenden DVD in digitalem Raumklang ein Meilenstein. Da DVD-Player (sie können damit auch weiterhin ihre alten CDs spielen) schon fast nichts mehr kosten, sollte der Opern- und Busoni-Freund spätestens jetzt umrüsten. Ihre Ohren werden Augen machen! Die fabelhafte Bildregie, abseits der alteingefahrenen Brian-Large-Pfade und ohne neuere Mätzchen mit langem Galgenbaum und fliegender Kamera (Verantwortlich für die TV-Produktion ist Felix Breisach), füllt das 16:9 Format in jeder Szene vorbildlich und höchst musiksensibel. Nahaufnahmen der Sänger bis auf Porentiefe bezeugen nicht nur eine perfekte Maske, sondern erlauben uns die Sicht auf eine Körpersprache und Mimik, die sicherlich selbst aus der ersten Reihe des Zürcher Opernhauses nicht so wahrgenommen werden kann. Im extremen Nahbereich werden, neben vielen anderen, auch die Feinheiten von Klaus Michael Grübers feinsinniger Regiearbeit sichtbar. Niemals wird der Sänger durch Mätzchen oder Spielereien behindert, es gilt ein weniger ist mehr", das Lichtdesign ist passend und die von Eduardo Arroyo gebaute Bühne im beweglichen Schaukastendesign ist werkadäquat gelungen. Die eindrucksvollen Kostüme von Eva Dessecker (mein persönlicher Oskar für das Mephistopheles-Outfit!) runden diese Jahrhundertproduktion" ab. Als Extras dieser Doppel-DVD gibt es sehr interessante Interviews mit Jordan und Hampson, wo unter anderem der Dirigent überzeugend erklärt, warum man den Jarnach-Schluß dem etwas spröden" von Beaumont vorgezogen hat. Daneben zeigt auch Hampson, daß er nicht nur durchaus witzig parlieren kann, sondern auch über einen enormen Wissensfundus verfügt. Es ist ein Genuß, diesem hochintelligenten Sänger zu lauschen, der über das Werk sehr treffend sagt: Diese Musik ist für mich, wie ein Salvador-Dali-Traum; sie läßt die Uhren schmelzen." Über die Schwierigkeit von Lyrik und Dramatik eines Baritons: Wir singen, wo andere Künstler sprechen." ...weise Worte. Finallement noch etwas zur Musik Busonis. Unter den rund 80 Faust-Vertonungen, davon mehr als 50 Opern, spielt Doktor Faust" auf unseren Bühnen leider nur eine marginale Rolle, entsprechend überschaubar ist das Tonträgerangebot. Die Gründe liegen sicherlich nicht nur in der unglaublichen Schwierigkeit der Hauptpartien, die selbst Hampson als fast unsingbar deklariert (Es ist eigentlich eine Wahnsinnspartie, man findet halt selten einen Trottel, der das alles lernt." - Originalton), sondern auch in der ungewöhnlichen Vielfältigkeit der Tonsprache des Komponisten, die in ihrer virtuosen Komplexität und Sinnlichkeit höchste Ansprüche an jedes Orchester und alle Künstler stellt. Darüber hinaus ist der Aufwand beträchtlich, denn es braucht alleine vier Dirigenten hinter der Bühne, die Bühnenmusiken, Chöre, Orgel und Glockenspiele koordinieren; ein gigantischer Aufwand. Damit liegt eines der gewaltigsten und schönsten Werke des 20. Jahrhunderts bei ARTHAUS in einer Referenzaufnahme vor, die alle Ansprüche an künstlerische Qualität und technische Perfektion mehr als erfüllt. Für mich eine Jahrhundertaufnahme". Maßstab für Busoni-Interpretation und darüber hinaus ein hoffentlich zukunftsweisendes Plädoyer für dieses ungeheuerliche, gelegentlich auch als unspielbar verschriene Opern-Meisterwerk. Peter Bilsing Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Faust mal gaaaanz anders!,
Von
Rezension bezieht sich auf: Doktor Faust [2 DVDs] (DVD)
Die Musik von Busoni ist zwar schwer verdaulich, aber dieser Faust hat was. Die Oper ließ mich nicht mehr los, ich musste mir die DVD kaufen. Thomas Hampson spielt den Faust dämonisch und Gregory Kunde als Mephistopheles unterstützt ihn darin hervorragend.Die Inszenierung mit den seltsamen Kostümen, den eigenartigen Make ups muss man erst mal verdauen, auch wäre schön gewesen, wenn sich das Orchester etwas zurückgenommen hätte. Selbst Thomas Hampson, welcher ja nun wirklich über eine große Stimme verfügt, kommt stellenweise kaum drüber. Aber es lohnt sich, sich diese Oper anzusehen. Mittlerweile liebe ich sie sogar. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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