Von allen Dolittle-Büchern gefällt mir dieses, das zweite, am besten. Die Handlung ist abwechselungsreich und durchweg spannend: Wir lernen Tommy Stubbins als Ich-Erzähler kennen, der berichtet, wie er zum Doktor kommt und in seinen Haushalt aufgenommen wird; dann wird ein Kriminalfall gelöst; erst dann geht es mit einigen Schwierigkeiten und Unterbrechungen per Schiff zur Spinnenaffeninsel, wo zahlreiche Abenteuer zu bestehen sind und Doktor Dolittle zum König gekrönt wird, und schließlich erfolgt die Rückreise auf eine ganz märchenhafte Weise. Das Buch ist voll von phantastischen Ideen und fängt den Leser ein in die Welt, die sich Hugh Lofting erträumt hat.
Besonders gefällt mir die Philosophie, oder die Weltsicht, die das Buch durchzieht. Die Art, wie Doktor Dolittle gezwungen werden muss, König zu werden, erinnert mich an eine ganz ähnliche taoistische Geschichte von Chuang Tse - vielleicht hat Lofting sie gekannt. Und wenn Stubbins feststellt, dass die Spinnenaffeninsel unter Dolittles Herrschaft vielleicht das am besten regierte Land der Weltgeschichte war, hat er vermutlich recht. Lofting lässt überall unaufdringlich eine Weltanschauung durchblicken, die von Rücksichtnahme, Pazifismus, Vergebung, Verantwortungsgefühl, Gerechtigkeit und Vernunft gekennzeichnet ist. Ich habe das meinen Töchtern gern vorgelesen. Die Bücher haben mich geprägt (ich habe dann später Verhaltensforschung studiert); sie dürfen gerne auch meine Töchter prägen.
Es gibt in der "Schwimmenden Insel" erheblich weniger Bilder als im ersten Band. Meiner kleinen Tochter (4 1/2) hat das nicht gefallen. Außerdem rezensiere ich hier die alte Übersetzung von Edith L. Schiffer, die des Deutschen nur sehr eingeschränkt mächtig war. Beim Vorlesen muss ich ständig den Korrekturmodus mitlaufen lassen, was anstrengend ist. Ich vermute und hoffe, dass die Neuübersetzung besser ist - beim ersten Band ist sie es.