DOJNAA von Galsan Tschinag überfällt den Leser mit unmittelbarer Sprachgewalt und einer frappierenden Nähe bei gleichzeitiger unübersehbarer kultureller Distanz.
Der mongolische Schriftsteller, der seit ca. 40 Jahren auf Deutsch schreibt, konfrontiert uns mit einem Frauenschicksal, das trotz seiner ethnischen Gebundenheit jederzeit nah und nachvollziehbar wirkt. Die Zumutungen, denen sich Dojnaa ausgesetzt sieht, als sie beginnt, sich der zunächst gleichmütig hingenommenen und zunehmend unerträglichen Ehe zu widersetzen, wirken vertraut, hinter der asiatischen Folie nur allzu bekannt. Diese in jeder Hinsicht starke Frauenfigur liefert im Sinne eines "Verfremdungseffektes" eine universal erhellende Verkörperung jedweder "emanzipierten" Frau - völlig unabhängig vom jeweiligen Kulturkreis.
Dabei verschafft die bilderreiche, kraftvolle, gleichwohl immer wieder behutsam poetische Sprache Tschinags ein frappierendes Beispiel dafür, wie ein "Gast in der deutschen Sprache" es zu großer Meisterschaft in derselben zu bringen vermag - so mancher dünnblütige "Schriftsteller" deutscher Provinienz müsste darob vor Neid schier erblassen ...