Jim Beam und der schmuddelige Westen
Andrzej Stasiuk vagabundiert durch die Welt und betrachtet die Gesellschaft "von unten". Man könnte ihn als die polnische Ausgabe des amerikanischen Schriftstellers Jack Kerouac bezeichnen. Mit dem Unterschied, dass Stasiuk bereits Schriftsteller ist, und somit die Zugtickets und die Hotelzimmer (und den Whiskey) bezahlt bekommt.
Zu den Deutschen verbindet ihn eine Art Hassliebe. Er interessiert sich für sie, ohne sie jedoch zu verstehen, zu groß sind die kulturellen Unterschiede:
(Zitat) "Überhaupt habe ich im Laufe der Zeit den Eindruck, dass die Deutschen immer weniger werden. Sie bleiben irgendwo weg, verschwinden irgendwo hin. Vermutlich ziehen sie in immer bessere, teurere und ruhigere Viertel. (...) Sie kaufen die Balearen und die Kanarischen Inseln. Sie werden Türken, Slawen und Asiaten anstellen, damit die ihr Land betreiben (...). Hier ist alles so gut organisiert, dass sogar die Kasachen den Bundestag am Laufen halten könnten."
Außerdem mag es Stasiuk gerne schmuddelig. Er liebt Menschen mit ungekämmtem Haar, Jogginganzug und fremdländischem Akzent. Er mag Bahnhofsviertel, Zuhälter und Arbeitslose. Menschen, die - wie er - am Morgen schon ein wenig nach Alkohol riechen.
Gepflegte Wohnviertel mit sauberen Bürgersteigen sind ihm ein Gräuel.
Insofern ist ein großer Teil des Buches eher als Kritik am unerbittlichen westlichen System anzusehen. Warum aber nennt er sein Werk dann "Dojczland" ? Die - nicht ganz uneigennützige - Antwort gibt er selbst in seinem Buch: (Zitat) "Sie mögen es, wenn man über sie nachdenkt. Den Franzosen und Engländern ist das vielleicht egal, aber den Deutschen noch nicht."