Joest gilt als "Standardwerk" und enthält daher sämtliche Topoi einer klassischen evangelischen Dogmatik. Wer "den Joest" gelesen hat, weiß, was man als evangelischer Christ normalerweise denkt. Normalerweise. Denn welcher neuerer Dogmatiker referiert schon auf Joest? Modernen subjektivitätstheoretisch orientieren Entwürfen und Prüfern gegenüber bleibt ein nur an Joest orientiertes Denken wehrlos ausgeliefert. Joest gilt bei vielen Dogmatikprüfern nicht wirklich als Dogmatik und in der Regel lesen solche Studenten "den Joest" für ihre Prüfung, die mit den gegenwärtigen systematisch-theologischen Problemfeldern nicht wirklich etwas anfangen können. Dennoch(!): Joest ist verdientermaßen ein Longseller, weil er den evangelischen Glauben zusammenfassend nacherzählt und sich nicht künstlich in kognitive Meta-Ebenen hineinschraubt, deren Relevanz für die klassischen Topoi unerkennbar wird. Als Basis ist Joest also ok. Für eine Dogmatikprüfung gehören aber noch Schleiermacher, Tillich, Härle oder Korsch auf Literaturliste (oder was gerade sonst Mode ist).