Der Autor präsentiert sein Werk wie oben rezensiert recht übersichtlich und sprachlich gut. Inhaltlich erfassen mir seine Thesen aber zentrale Aspekte des christlichen Glaubens nur unzureichend. Der Autor geht die reformatorische Botschaft anscheinend nicht vom reformatorischen Grund aus an und bleibt auch deshalb unergiebig. Das zentrale Anliegen Martin Luthers wird in seiner Darstellung nicht klar genug akzentuiert oder in nötigen Bezug gesetzt. Dies, obwohl sich der Autor nach eigenem Bekunden am "Kleinen Katechismus" Martin Luthers anlehnt. Tatsächlich hat er dessen Schrift mehr illustratorisch herangezogen, ohne daß er etwaige innere Widersprüche zwischen seiner und Luthers Konzeption immer hinreichend aufklärt. Relevant scheint mir beim "Kleinen Katechismus" die rechtfertigende und frohmachende Botschaft zu sein, daß nämlich der Mensch nicht aus sich heraus "Leben und Seligkeit" erlangt, sondern von Gott tatsächlich (und so leibhaft-konkret wie die berühmten Luther-Aufzählungen wie "Haus, Hof..." oder auch "Leben und Seeligkeit" es nahelegen)beschenkt wird, und sogar Vergebung allein aus Gnade und durch den Glauben um Christi Willen erlangt. Beim Autor hingegen vermag der Mensch zuguterletzt doch wieder (auch bei seiner Auffassung von Taufe und Abendmahl mag es deutlich werden) nur bei sich selbst anzukommen. Der Mensch scheint auf ein allenfalls erweiterbares und nicht hierachisiertes -"(Gruppen-)Selbstbewußtsein begrenzt zu sein. Das konstitutive österliche Geschehen (vgl.1.Ko15)wird entsprechend in seiner Relevanz für den christlichen Glauben nur unterbewertet dargestellt und einseitig in das menschliche Bewußtsein hinein rationalisiert. Es ist aber so fraglich, ob es dann in der Konsequenz für die Menschheit außerhalb ihrer selbst jemals nachhaltig Trost geben kann? Wo kommt ein so befreiendes Moment, das charakteristische "extra nos" des Heiles in Christus zur Sprache? Ein Aspekt, der bei Luther (siehe seinem seelsorgerlich vorbildlichen Abendmahlsverständnis) noch vielerorts greifbar ist und vom Autor insoweit größere Aufmerksamkeit verdient hätte? Zur Klärung würde ich vorschlagsweise den Bekenntnisschriften, den "Großen Katechismus", z.B. als Taschenbuch: "Unser Glaube. Die lutherischen Bekenntnisschriften" komplementär lesen!