Da ist er nun also: Band zwei der "Djian Soap" Doggy Bag. Nach Band 1 war mir schon klar, dass die Soap Ankündigung eher abschreckt, als Leser anzieht, aber egal. Djian verliert den Schwung in Band 2 nicht. Logisch, das der Stoff des Buchs Djians früheren Werken nicht das Wasser reichen kann, aber ein "duchschnittlicher" Djian ist oft noch Klassen besser als andere Autoren.
Noch immer begleiten wir das Leben der Brüder Marc und David Sollens. Früher haben sie sich für Edith fast zu Tode geprügelt. Heute, zwanzig Jahre später, ist Edith wieder da und geht mit Marc. Der ist allerdings sexsüchtig und hat so seine Schwierigkeiten mit nur einer Frau. David, der seine Flamme Josiane heiraten will, aber dann eigentlich doch nicht, hat es da auch nicht einfacher. Der Vater der beiden Brüder, Victor Sollens, will sein Frau Irene wieder für sich gewinnen, und das obwohl er sie vor Jahren verlassen hat. Ganz nebenbei ist Victor noch verrückt nach seiner Enkelin Sonia, vor allem deswegen, weil er zwanzig Jahre lang nicht wusste, dass er Großvater ist. So oder so ähnlich stellt sich Djian ein berichtenswertes Familienleben vor. Wie er dabei seine Protagonisten aufeinander loslässt, das hat schon Klasse und Schmiss. Djian wäre dabei nicht Djian, wenn das Thema Sexualität in den oben genannten Beziehungen immer und immer wieder die Hauptrolle spielen würde.
Doggy Bag 2. Nicht überragend, aber gut. Für alle Djian Fans die nach den Jahren literarischer Enthaltsamkeit mal wieder "Stoff" von ihrem Philippe Djian brauchen ganz sicher ein lesenswertes Buch. Für Einsteiger nur geeignet, wenn man bei Doggy Bag 1 anfängt.
Djians Schreibe ist und bleibt unvergleichbar. Seine Themen haben sich gewandelt und seine schriftstellerische "Urgewalt" scheint irgendwo auf der Strecke geblieben zu sein. So sehe ich das jedenfalls. Sie müssen das mal wieder selbst entscheiden. Top oder Flop?