Ich habe mir Snoop Doggs neuesten Streich "Doggumentary" ziemlich bald nach seinem Erscheinen gekauft, da in Deutschland aber fast ausschließlich die Billig-Pop Single "Wet" (bekannt als Sweat, der Zensur-Wut der Musiksender sei Dank...) im Fernsehen zu sehen war und ich mich zu Fans von "echtem" Hip-Hop zähle (Dr. Dre, NWA, 2Pac, Biggie Smalls), war ich zuerst mehr als skeptisch. Ich kann mich auch für (gut gemachte) Electromusik und New School (The Game, 50 Cent) oder sogar Rock und Jazz begeistern, diesem undefinierbaren Einheitsbrei, den man derzeit von den vielen David Guettas, Katy Perrys und Lady Gagas serviert bekommt kann ich jedoch nichts abgewinnen. Meine Befürchtungen, Snoop würde genauso enden, haben sich bei diesem Album jedoch zum Glück nicht bestätigt. Beim ersten Probehören im Laden fiel mir sofort auf, wie ruhig und schwerfällig die Beats ausfielen. Besonders "My Own Way" lädt mit langsamen Geigen, Orgel und chilligem Background-Gesang zum Faulenzen mit Kopfhörern ein. "The Way Life Used To Be" ist etwas energischer, Snoop klingt jedoch durchweg ruhiger und besonnener als früher. Wer hier Hardcore-Westcoast-Bomben wie anno 1992 erwartet, wird enttäuscht. Dank Dr. Dre, der im Studio am Pult saß, sind die Stücke aber unglaublich abwechslungsreich. Große Namen wie Kanye West, T-Pain R. Kelly und sogar die "Gorillaz" auf dessen Album "Plastic Beach" er den Titelsong rappt, unterstützen tatkräftig. Kanye West rappt mit Snoop auf einem nicht uninteressanten E-Gitarren-Beat, mir gefällts ganz gut, auch wenn der Name Kanye West auf einem Snoop-Dogg-Album unter Old-School-Fans sicherlich für einen Aufschrei sorgt. Sehr gut gefallen mir die Lyrics vor allem in "Peer Pressure" (deutsch: Gruppenzwang), einem Lied, unteranderem über ein junges Mädchen, dass in unserer modernen Gesellschaft und ihren Schattenseiten viel zu schnell groß werden will ("baby girl wanna be grown, she got a facebook-page and a cell phone, her daddy gettin' money, her mama on the go, she movin' to fast, but she really don't know"). Schneller geht es in "I Don't Need No B****", einem Dr.Dre-typischen Klavierbeat zu. Hier beschweren sich Snoop und Devin the Dude über schlechte Angewohnheiten der Frauenwelt. "Boom" und "Platinum" klingen eher nach Pop (T-Pain kann sich sein ewiges Stimmgezerre nicht verkneifen) als nach Westcoast. Im Chilltrack "We Rest In Cali" hilft Stimmakrobat Larry Troutman. "El Lay" (LA) ist eine Ode an Snoops Heimatstadt Los Angeles, Californien (Long Beach um genau zu sein), sehr chillig. Ein echtes Goldstück ist meiner Meinung nach "Gangbang Rookie". Eine ansehnliche Ansammlung Instrumente pustet die Boxen durch, energischer Rap fast schon wie in der guten alten Zeit. Am Ende versucht Snoop einigen Politikern Ghetto-Slang beizubringen, sehr amüsant. Drauf folgt der funky Kiffertrack "This Weed Iz Mine". Auf "Wet" muss ich wohl nicht weiter eingehen. Einfach beim Hören überspringen. In der amerikanischen Version findet man übrigens die Originalversion, die man uns Europäern einfach rotzfrech vorenthielt (warum auch immer). Schade, wer aber auf Lil Wayne, Drake und wie sie alle heißen steht, wird auch hiermit seine helle Freude haben. Oldschooliger geht es in "Take U Home" unteranderem mit Rap-Legende Too $hort zu. Es geht um Snoops Lieblingsthema neben "Weed": Frauen, am besten leicht bekleidet im nächstbesten "Club". Der Track "Sumthin Like This Night" mit den Gorillaz ist eine kreative Genre-Mischung, sicherlich Geschmackssache. Genauso "Raised In Da Hood", mit viel Echo, Scratching und einem etwas eintönigen Beat. Mehr macht "Da Only Thang" her, ein toller Beat zum Mitwippen. Das Ende des Albums bildet Snoops Rückblick auf seine Karriere in Form des Tracks "Cold Game". Fazit: Old School? Nein. New School? Im Sinne von billigem Pop mit Ex-Rappern à la Lil Wayne auf dem Cover? Auch nicht. In meinen Augen eine gelungene Weiterentwicklung, eben ein erwachseneres Album (nicht nur was den großzügigen Einsatz von Schimpfwörtern angeht) mit viel RnB und Electro. Wer erwartet, dass Snoop immernoch das selbe Tempo vorlegt, wie vor zehn, fünfzehn Jahren, wartet vergebens. Wir werden eben alle nicht jünger. Aber mal erlich: zehn absolut identische Gangsta-Ghetto-Gedöns-Alben wären auch irgendwann langweilig.