Sommer 1986. Die Welt wandelt sich. In Mitteleuropa geht die Angst nach dem Unglück im Atomkraftwerk Tschernobyl um. In der Sowjetunion beginnen erste Demokratieversuche, und der sowjetische Präsident Gorbatschow verhandelt mit dem US-Präsidenten Reagan über eine Begrenzung von Atomwaffen. In dieser Zeit spielt der vorliegende Roman. Norma, eine investigative Journalistin, wird in einem hamburger Zirkus Zeuge eines Terroranschlags, dem ihr kleiner Sohn zum Opfer fällt. Sie findet heraus, dass der Anschlag dem Leiter eines biologischen Forschungsinstituts und seiner Familie gilt. In dem Institut wird seit Jahren an einem Impfstoff gegen Krebs geforscht. Von dem neuen Leiter, einem polnischen Arzt, erfährt Norma, dass dabei etwas schief gegangen ist: Ein Wissenschaftler hat sich und seine Frau mit einem neuen Virus infiziert, das auf das Gehirn einwirkt und dem damit infizierten die Möglichkeit zur kritischen Meinungsbildung nimmt. Gleichzeitig wird in einem Konkurrenzinstitut eingebrochen. Schließlich kommen die Journalistin und der Arzt mit Hilfe eines Politikers einer Intrige auf die Spur, in die höchste politische Kreise verwickelt sind... Die Geschichte ist bös an den Haaren herbeigezogen, aber das macht nichts, denn sie ist unglaublich spannend. Da verzeiht man dann auch dichterische Freiheiten wie die, den Produktionsort der Tagesschau in die Lüneburger Heide und den der ZDF-Nachrichten nach Bayern zu verlegen. Der Zeitgeist der Mittachtziger ist jedenfalls hervorragend eingefangen, von der Angst vor verstrahltem Gemüse bis zur Diskussion um biologische Kriegführung, dem Hauptthema dieses Buches. Ich kann dieses Buch, mit dem sich Simmel seinerzeit aus der Kategorie der Schnulenautoren zu einem ernstzunehmenden Schriftsteller steigerte, jedenfalls sehr empfehlen. Besonders für Nostalgiker eine Entdeckung.