Noch nie habe ich mich so schwer daran getan, ein Buch bis zur letzten Seite zu lesen und noch nie habe ich mich dabei ertappt, ganze Passagen „bezwingender Sprachkraft" zu überfliegen, um endlich wieder mal einen Satz im Text zu finden, der die Handlung auf diesen 334 Seiten voran treibt.
Was ich auf den ersten Seiten noch als nette Umschreibung von Gefühlen und Gedanken in Form von „beflügelter Poesie" empfand, entpuppte sich bald als lähmender Hauptbestandteil einer Geschichte, deren Inhalt man gut und gern auf ein Drittel hätte reduzieren können.
Die Autorin verstand es, mit immer neuen Wort- und Satzkombinationen mein Durchhaltevermögen bis aufs Äußerste zu reizen. Das geht dann auch eindeutig zu Lasten des eigentlich guten Themas (wer denkt nicht schon mal daran, das bisherige Leben hinter sich zu lassen und sich dem Abenteuer Leben zu stellen?). Als ich dann allerdings damit konfrontiert wurde, mir seitenlange Umschreibungen über das Leben und Sterben eines Impalas in der freien Natur oder der Fütterung eines Marabus verinnerlichen zu müssen, wurden meine poetischen Sinne bis aufs Äußerste gereizt und ich hätte fast das Handtuch geworfen, weil mich Afrika, das Land und seine Menschen auf einmal nicht mehr interessierten. Ich wollte mir „die Natur, die Farben und die Düfte Afrikas" nicht mehr verinnerlichen, weil es bedeutet hätte, ganze Absätze doppelt zu lesen, um sie zu verstehen.
Gut, vielleicht fehlt mir auch ein gewisses Maß an künstlerischer Abstraktion, genau das nach zu empfinden, was die Autorin ausdrücken will, aber ich habe wenigstens gelernt, zwischen den Zeilen zu lesen - nämlich zu den Zeilen zu springen, die das Bild des wirklichen Afrikas zeichnen. Schade, gute Geschichte - zum Gähnen langweilig.