dies ist meine hundertste rezension und ich habe nicht lange überlegt, welcher tonträger die ehre bekommt, auf dreistellig zu stellen...
der aus russland stammende geiger aliosha biz suchte der mär nach für das musical "anatevka" im renommierten theater an der wien für das ensemble einen quetschenspieler und fand ihn in der person des aus polen stammenden strassenmusikanten krzysztof dobrek. man verstand sich so gut, dass in weiterer folge das projekt "dobrek bistro" ins leben gerufen wurde, verstärkt werden die beiden durch achim tang am akkustik-bass und luis ribeiro aus jamaika an den drums und an vielfältigen percussion-instrumenten.
die vier machen weltmusik im ureigensten sinn, vergleichbar (aber nicht ähnlich) bestenfalls mit vielleicht oregon.
die aus dobreks feder stammenden stücke sind von einer inneren energie, einer lebensfreude, großer grandezza aber auch herzschmerz und wehmut geprägt. zigeunerweisen verschmelzen mit elementen des französischen chansons, wienerlieder mit orientalischen klängen, jazz mit klassik (wie abgedroschen das klingt - hier aber keinerlei gefahr!), nicht zuletzt argentinischer bandeon-tango - letztlich aber nichts von alledem und trotzdem alles - ein sound, so selbstverständlich als habe es sowas schon immer gegeben.
mr. biz lässt seine geige singen und wimmern, mal zupft er, mal schlägt er sie, mr. dobrek spielt mit einer präzision, die bei weniger genialen musikern fast langweilig wäre, brillant aber seine koloraturen, unverbesserbar sein timing, kristallklar und makellos sein spiel.
mr. tang liefert ein solides bassfundament, ordnet sich unter, lässt aber immer wieder sein können aufblitzen. ja, und letztlich mr. ribeiro, er lässt mit seinen flirrenden sounds und seiner kreativität das ganze gebilde dahinschweben, filigran und doch voller nachdruck und mit unverkennbarem rhytmus bearbeitet er unermüdlich sein instrumentarium.
der schwungvolle beginn heizt erst mal an, das zweite stück ("sahara") ist mein favorit auf dieser scheibe, ein exotisches, (auch ohne kenntnis des titels) emotional wüste und einsamkeit fühlen lassendes, meisterwerk.
auf diesem niveau geht es weiter um am ende mit dem wunderbaren "dumka" ein unvergessliches rufzeichen zu setzen, den geneigten hörer atemlos zurückzulassend, vermutlich mit dem wunsch, diese leute mal live zu hören (was tatsächlich ein erlebnis ist, ich lasse kaum ein konzert in meiner heimatstadt aus).
eine ganz tolle scheibe, ein erlebnis!
auch der (live!) sound, verdient volle fünf sterne. perfekt wurde die athmosphäre, das publikum und die musik eingefangen und abgemischt.
eine pflichtscheibe für jeden emotional orientierten musikliebhaber!