Von den fünf bei Abbeville Press erschienen schweren Bildbänden von Gianni Versace ist dies der schönste. Es ist gleichzeitig der letzte Band der Reihe. Der Schwerpunkt liegt auf den von Versace eingerichteten Häusern am Comer See, in Mailand und in Miami.
Das Buch enthält wunderschön inszenierte Fotos, u. a. von Richard Avedon, Helmut Newton und Bruce Weber und gibt ein wenig Einblick in Versaces Welt, die nach außen so grell war, in der es aber doch eine Schranke gab, an der dieses "Do not disturb" stand. Schon der Einband zeigt Versace in einer Pose, in der man ihn eigentlich nicht stören möchte. Wenn man das Buch dann aufschlägt, gewährt es Einblick in diese glamuröse, neobarocke Welt. Es zeigt erstaunlich frische, entspannte Fotos von Gianni, Donatella und den Kindern Allegra und Daniel.
Es gibt aber auch Anregungen, wie etwas von diesem barocken Zauber auch in moderne Wohnungen transponiert werden kann. Dabei wird trotz aller Selbstinszenierung aber auch deutlich, dass manches bei weitem nicht so ernst gemeint ist, wie es zunächst scheint, beispielsweise ein BigMac auf einem Borokko-Teller der Firma Rosenthal. Die schönen Menschen, wie wir sie aus Hochglanzmagazinen kennen, haben bisweilen einen Lampenschirm auf dem Kopf, und man kann darüber rätseln, was damit gemeint sein könnte, wie übrigens auch über die Symbolik der immer wiederkehrenden Obelisken.
Das Buch ist natürlich auch Werbung für die Home Collection. Neben dem Prozellan sind viele Tische, Stühle, Kissen und Stoffe noch mit etwas Glück zu haben, und auf diese Weise kann das Buch interessante Anregungen für die eine oder andere Umgestaltung der Wohnung geben. Den Versuch der direkten Kopie sollte man meiden, gerade die subtile Integration der Stilelemente Versaces in ein modernes Interieur bringt eine eigenartig widersprüchliche Atomosphäre, die "Do not disturb" zu sagen scheint, ohne es je direkt auszusprechen.