Früher nannte man das "Dritte" Welt - in dem sicheren Gefühl, selber zur Nummer 1 oder 2 zu gehören; und all die schlechter platzierte Literatur sah man zwar mit Wohlwollen aber auch mit kaum verborgener Herablassung. Das ist vorbei. Wir wissen nun, dass wir in "einer" Welt leben. Idrissa Keita aus Mali ist ein Mann von Welt, der in Russland und Deutschland studiert hat, in Schweden lebt, und der neben einigen Sprachen Westafrikas Französisch als erste Sprache hat. Wir in Deutschland unterscheiden immer noch zwischen "Jugend-" und "richtige" Literatur und tun dabei, als wären Bücher für Jugendliche zweite Klasse, ohne zu merken, dass wir damit international zurückbleiben. Idrissa Keita bricht mit seinem großen Auftritt unser Klassen- und Schubladendenken. Er will nicht unser Mitleid oder gar unsere Betroffenheit. Er zeigt uns keine Geschichte des Elends sondern eine der Kraft. Der Traum eines Jungen in Afrika - weit entfernt aber in derselben Welt - wird zugleich zu einer Beschreibung unsere Identität. Idrissa Keita hat großes Format, eindringliche Poesie und eine Einfachheit als Ergebnis verdichteter Klugheit. Das ist - jenseits unserer Regale - die Literatur von morgen.