Mit dem Beginn der 60er Jahre begann der Western, seinen alten Hochglanz zu verlieren: Demystifikation und Entzauberung waren angesagt, es erschienen Filme wie "Der Mann, der Liberty Valance erschoß", "Sacramento" und "Hombre", und die Italiener entdeckten ein neues Filmgenre für sich.
Mag "Für eine Handvoll Dollar" auch das Verdienst haben, der erste wirklich bedeutende Italowestern zu sein, so hat doch Sergio Corbuccis "Django" die ganz große Welle ausgelöst: Zahlreiche Nachahmungsprodukte überschwemmten den Markt, die mit dem Original nur den hohen Gewaltgrad gemein hatten, nicht aber die genial nihilistische Atmosphäre und die stilvolle Inszenierung.
"Django" selbst war Corbuccis dritter Western (nach den eher unbekannten "Massacro al Grande Canyon" und "Minnesota Clay") und nimmt sich im großen und ganzen wie eine Neubearbeitung von Sergio Leones "Für eine Handvoll Dollar" aus. Wiederum haben wir einen einsamen Helden, der in einem kleinen Grenzkaff im Süden der USA zwischen die Fronten zweier verfeindeter Banditenhorden gerät. Er versucht beide gegeneinander auszuspielen und wird übel geschunden, während sich die Banden gegenseitig auslöschen, und hält über die letzten Überlebenden sein finales Strafgericht. Die Unterschiede stecken im Detail: Sowohl Leones als auch Corbuccis Gangster sind üble Burschen; aber das Charisma und der gewisse Stil, den in "Für eine Handvoll Dollar" die Gebrüder Rocco und die Baxter-Sippe an den Tag legen, geht Djangos Widersachern völlig ab. General Hugo Rodriguez ist eine feiste, debile Schnapsdrossel, Major Jackson ein sadistischer Psychopath mit faschistoiden Neigungen.
Held Django kommt rein äußerlich dem Clint-Eastwood-Charakter sehr nahe - unrasiert, etwas schmuddelig und mit langem Mantel - innerlich sieht die Sache etwas anders aus, denn im Gegensatz zu Eastwoods namenlosem, undurchsichtigem Fremden kommt Django etwas menschlicher rüber, der sich nicht so wortkarg zeigt und ein persönliches Interesse daran hat, dem üblen Major das Handwerk zu legen.
In erster Linie lebt der Film natürlich von der Performance Franco Neros, damals gerade 23 Jahre alt, der sich mit seiner Rolle ein Denkmal für die Ewigkeit schuf. Django ist auf seine Art sympathischer als die Figur, die Eastwood spielte, weil es Nero schafft, seinen Django gleichzeitig abgebrüht und scheinbar unbesiegbar einerseits und doch menschlich und ein wenig emotional andererseits wirken zu lassen.
De ganzen Film durchweht, bei aller vordergründigen, lauten Action und bei allen grellen, genreüblichen Brutalitäten, ein finsterer, pessimistischer Hauch. Rassismus, Fremdenhass, Goldgier und rücksichtslose Gewalt gegenüber Schwächeren prägen das Bild. Major Jackson veranstaltet ein Tontaubenschießen mit armen mexikanischen Bauern, der General hat seine revolutionären Ideale längst verraten und begnügt sich mit schnöden Raubzügen. Hemmungslos getötet wird sowieso allerorten, und auch Django hat nicht sonderlich viel Heroisches an sich, wenn er mit seiner legendären Minigun mal eben fünfzig von Major Jacksons Kapuzenmännern über den Haufen schießt. Es herrscht das Recht des Stärkeren - wer weiß, dass er mit Skrupel und Freundlichkeit nicht weit kommen dürfte, passt sich dem allgemeinen Niveau ohne Zögern an.
Passend zur Gemütslage der Beteiligten, präsentiert sich die Ortschaft, in die Django zu Filmbeginn kommt, als ein einziges Dreckloch. Ein Häufchen windschiefer Hütten, von denen man nie erfährt, ob sie noch bewohnt sind, dazu eine Hauptstraße, die im Grunde einfach eine riesige Schlammsuhle ist, und den Friedhof beherrschen nur ein paar mickrige Holzkreuze.
Der Gewaltgrad liegt erwartungsgemäß hoch. Gleich dreimal fährt Regisseur Corbucci riesige Gemetzel auf, in denen dutzende Menschen in Minutenfrist von einem Sperrfeuer ohnegleichen niedergemäht werden. Weil diese, wie auch die meisten anderen Brutalitäten, ziemlich überzeichnet ins Bild gesetzt wurden, haben sie auf den Zuschauer glücklicherweise keine allzu verheerende Wirkung.
Nicht vergessen werden sollte die formale Gestaltung von "Django". Sergio Corbucci inszenierte seinen Film mit der ihm eigenen morbiden Eleganz und kann dabei auf eine ausgezeichnete Musik mit viel Blech und schwirrenden Streichern zurückgreifen. Die kameratechnische Leitung oblag übrigens Enzo Barboni alias E.B. Clucher, der später seinen Sinn für Humor entdeckte und uns die besten Terence Hill/Bud Spencer-Filme bescherte. Zusammen mit Franco Neros atemberaubender Darstellerleistung ergeben diese Komponenten ein wirkliches Westernerlebnis. Wer gegen Stoffe von diesem Kaliber nichts einzuwenden und noch dazu einen starken Magen hat, der kommt um "Django" definitiv nicht herum.
--- Markus (Nerf)
Vier Männer sind es, die den Bruder von Django vor langer Zeit hinterlistig getötet haben. Vier Männer, denen der eiskalte, unmenschliche Rächer auflauert, deren Schwächen er in einem hitzigen Katz- und Maus-Spiel ausnutzt, um sie ins Jenseits zu befördern. Diaz, der ein zurückgezogenes Leben als Rancher führt, Montero, ein Zocker, O′Hara, ein von den Hosen bis zu den Haaren weißer Albino, und Djangos Bruder Baldwin, ein religiöser Fanatiker, der im Gewand des Priesters die Landbevölkerung quält - keiner von ihnen hat auch nur den Hauch einer Chance