Georges Bizet, dessen "Carmen" kurz nach seinem frühzeitigen Tode Inbegriff der Oper wurde, ist vielen nur durch dieses Werk bekannt... Er verfasste viele weitere Opern, unter denen diese mir am meisten gefällt.
Kairo im neunzehnten Jahrhundert: Der reiche Harun hat einen Harem, der ihn langweilt, so oft wie möglich versucht er neue amouröse Bekanntschaften zu schließen, seine Sklavin Djamileh, die schwer in ihn verliebt ist, versucht sich mithilfe ihres Freundes Splendiano als eine dieser Bekanntschaften auszugeben. Der reiche Harun erkennt sie, ist von ihrer Mühe aber so gerührt, dasser ihr eine Chance gibt und sie zu seiner Lieblingsfrau ernennt.
Was recht trivial und oberflächlich anmutet,hat zumindest einen Grundgedanken von einiger Tiefe; wahre Liebe, die Launenhaftigkeit besieht. Die Musik besticht durch exotische Istrumentierung und einen Frauenchor, der wie auf Wolken singt. Sie hat etwas ungemein Individuell-Verspieltes, soforthört man Orient, aber nicht klischeebehaftet, eher neugierieg, man atmet den Rauch von Haruns Schischa...
Lucia Popp als Djalimeh (ein Alt in der weiblichen Hauptrolle, ebenfalls ungewöhnlich für eine Oper, hier aber wohl eher Mezzosopran) sowie alle anderen Solisten (auch Harun als GottseiDank guter Tenor) singen mit Charakter und Gefühl...
Das ist ein Bizetvor Carmen, schon geschickt und experimentierfreudig, interessanter als im enttäuschenden - und öfter gespieltem - Pecheurs de perles, sodass ich die nur elf Aufführungen, die es nach der Weltpremiere erlebte, nicht nachvollziehen kann...
Hörenswert, ein Genuss.