Die Tübinger Sachbuchredakteurin Rose-Marie Bopp ist ein Genussmensch, liebt die Abwechslung und möchte von allem viel. "Ich will kein 'normales Leben'", versucht sie ihrem Bruder Thomas zu erklären. "Ich will Abenteuer, Spannung, Aufregung. Ich will, dass in meinem Leben etwas Besonderes passiert und meine Vision von der Gesangskarriere Wirklichkeit wird. Das will ich." Aber Musterknabe Thomas kapiert's nicht. Was auch nicht anders zu erwarten war.
Ein Karaoke-Abend verschafft ihr die richtigen Kontakte und verändert ihr Leben. Doch (Liebes-)Glück, Erfolg und eine gewisse Prominenz ziehen auch gestörte Persönlichkeiten an: Rose-Marie sieht sich von einem unheimlichen Stalker verfolgt, der sie mit seinen Drohbriefen zunehmend in Panik versetzt. Kann Pianist Paul ihr im Kampf gegen den Stalker beistehen? Schließlich ist er doch ihr treuer und zuverlässiger bester Freund. Oder ...?
Bis Rose-Marie hinter sämtliche Masken blickt und Freund und Feind erkennt, gibt es noch so manche Überraschung. Und auf einmal sieht sie ganz deutlich, welcher Weg für sie der richtige ist ...
Der Roman ist mehr als die streckenweise saukomische Selbstfindungsgeschichte einer lebenslustigen schwäbischen Mittdreißigerin. Es hat was nachgerade Philosophisches: Gibt es ein Richtig und ein Falsch bei Lebensentwürfen? Muss man sich tatsächlich rechtfertigen, wenn man sich, wie Rose-Marie, "ein Leben wünscht, so üppig wie eine Verdi-Oper und so abenteuerlich wie ein Indiana-Jones-Film", wenn man ein wildes Künstlerdasein einem sicheren aber langweiligen Alltag vorzieht? Und bringt es etwas, zur Sicherheitsfraktion überzulaufen, wenn einem das freie Künstlerleben zu anstrengend wird? Oder macht man sich damit nur unglücklich? Rose-Marie macht sich ihre Gedanken und bringt die LeserInnen ebenfalls ins Grübeln.
Zu denken gibt auch die Erkenntnis, dass offenbar jede noch so tolle Frau immer wieder von starken Selbstzweifeln geplagt wird. Sind wir eigentlich bescheuert, Mädels?
Man muss sich weder in Tübingen noch in Stuttgart auskennen, um der Geschichte folgen zu können. Aber wie immer bei Romanen mit Lokalkolorit haben LeserInnen einen besonderen Bezug zu Ereignissen, die vor ihrer eigenen Haustür stattfinden.
Schwäbisch sollte man allerdings schon ein bissle verstehen, denn sonst entgehen einem z.B. die Kommentare von Hausmeister Eisele. Und das wäre schade! Ohne Schwäbischkenntnisse würde man auch nicht verstehen, warum Rose-Marie tatsächlich eine Ehe mit dem kreuzbraven Metzger Bernd erwägt, mit dem ihre Eltern sie in einer peinlichen Aktion verkuppeln wollen.
Zu den Risiken und Nebenwirkungen dieses Romans gehört nicht nur, dass man eventuell über das Leben nachdenkt, sondern auch, dass man dann und wann laut losprustet. Wem das peinlich ist, sollte die DIVA IN NÖTEN nicht gerade in der Bahn lesen. Andererseits ... Rose-Marie Bopp wäre es mit Sicherheit egal, was die Leute denken. Sie würde hemmungslos lachen. Und es wird garantiert nichts Schreckliches passieren, wenn wir das ebenfalls tun.