Dieses Buch kaufte ich, weil sich die Beziehung zwischen mir und meinem elfjährigen Sohn in eine Richtung entwickelt, mit der ich die Pubertät gar nicht erst beginnen möchte. In dieser Ansicht hat mich der Autor auf jeden Fall bestärkt.
Herrn Bergmann muss man zugestehen, dass er wirklich ausnahmslos das Wohl des Kindes vor Augen hatte, als er sein Buch schrieb. Wer allerdings einen konkreten Ratgeber erwartet, was er in welcher Situation genau tun soll, der wird in diesem Buch nicht fündig. Alles, was der Autor schreibt, ist eher abstrakt und verlangt vom Leser, sich viele Gedanken zu machen und zu überlegen, wie er seinen persönlichen Umgang mit dem Kind / den Kindern ändern kann.
Wer bereit ist, alles, was er in anderen Erziehungsratgebern - auch den renommiertesten - gelesen hat, in den Wind zu schreiben und völlig neue Wege zu beschreiten, der findet in diesem Buch durchaus Hilfe zur Selbsthilfe.
Während der Lektüre kam mir oftmals der Gedanke, dass es für mich und meinen Sohn vielleicht schon zu spät ist. Herr Bergmann weist nämlich wiederholt darauf hin, dass man mit Drohungen, Strafen und zu vielen "Konsequenzen" die Abwendung des Kindes von seinen Eltern verursacht. Ich hege die Hoffnung, dass bei uns noch nicht Hopfen und Malz verloren sind.
Nebenbei lesen kann man dieses Buch jedenfalls nicht; es ist keine leichte Kost und man muss sich schon konzentrieren.
Insgesamt hatte ich mir konkretere Hilfe erhofft; deshalb und aufgrund der langen Schachtelsätze halt "nur" vier Sterne, der Autor möge mir verzeihen. Dafür bedanke ich mich aber herzlich, dass er mir wieder vor Augen gehalten hat, dass meine Liebe zu meinen drei Kindern das Wichtigste in unserem Leben sein sollte und nicht vor lauter Ärger über Widerworte, Schulfaulheit und Geschwisterstreitigkeiten vergessen werden darf.