Die Anonymität und Unpersönlichkeit der Großstädte sind das zentrale Thema dieser Anthologie, die mit den unterschiedlichsten Spielarten der Kurzgeschichte eine kurzweilige Lektüre bietet.
Nach dem Vorwort des Herausgebers David Grashoff bildet Markus K. Korb mit 'Das neugierige Herz' den Auftakt zu einem wahrlich grausigen Reigen.
Die Geschichte ist eine deutliche und überaus gelungene Hommage an Edgar Allan Poes großartige Story 'Das verräterische Herz'. Bei Korb geht es nicht minder subtil zu, überrascht aber auch mit einem wirklich schauerlichen Plot.
Torsten Sträter überzeugt mit 'Sportsfreund' auf ganzer Linie und erzählt eine zunächst recht amüsante Geschichte, die sehr düster und bedrohlich endet.
Nichts ist, wie es scheint. Diese Erkenntnis bekommt der Leser in der Erzählung von Fabian Mauruschat, die unter dem Titel 'Sendersuchlauf' veröffentlicht wurde und eine Menschenjagd der ganz besonderen Art schildert.
Eher ungewöhnlich ist 'die träumende Stadt' von Christoph Marzi, eine wahrhaft verträumte und dennoch düstere Ballade des großen, deutschen Fantasy-Autors.
Der Herausgeber David Grashoff steuerte selbst eine Kurzgeschichte zu seiner Anthologie bei. Die Erzählung 'Seelenlos' ist surreal und mysteriös, erinnert in einigen Zügen sicherlich nicht ganz zufällig an H.P. Lovecrafts Cthulhu-Mythos.
Tobias Bachmann, der im Atlantis-Verlag bereits mehrere Kurzgeschichtensammlungen herausbrachte und gemeinsam mit Markus K. Korb den Episoden-Roman 'Das Arkham-Sanatorium' verfasste, schrieb die Story 'Hybris', die Zeugnis von der Schaffenskraft und Kreativität des Autors ablegt und von einem Auftragskiller handelt, welcher der Göttin Hybris begegnet. Ein literarischer Trip zwischen Wahn und Realität.
Nina Horvaths 'Zukunftsauge' spielt in einer fernen, düsteren Zukunft und beschreibt den täglichen Überlebenskampf einer jungen Frau, die einem Androiden begegnet, der sie auf ihrem Weg begleitet. Eine hervorragende Kurzgeschichte, die alle Anforderungen einer solchen erfüllt und die sehr viel Spaß gemacht hat zu lesen.
Anschließend folgt Christoph Hardebusch mit 'Zeitenwechsel'. Ein Ausländer wird von Neonazis bedroht und erhält unerwartete Hilfe. Eine sehr bedrohlich wirkende Erzählung, die eher durch sprachliche Ausgefeiltheit besticht, als durch einen originellen Plot.
Torsten Scheib schrieb mit 'Gute Ansätze' eine Geschichte über eine Gruppe Teenager, die durch einen unbedachten Voodoo-Zauber eine Zombieseuche über die Menschen einer Großstadt bringt. Typische Genrekost, die aber sehr innovativ verpackt wurde und es Wert wäre als Roman herausgebracht zu werden.
Alles in allem einer sehr unterhaltsam, bisweilen nachdenklich stimmende, Sammlung von Kurzgeschichten, in denen die Großstadt im Mittelpunkt steht, manchmal aber auch lediglich nur Schauplatz ist.
Die Titelillustration von Manfred Fischer trifft den Kern der Anthologie. In dunklen Farben wird der Leser auf eine wahrlich düstere Lektüre vorbereitet. Leider gibt es dieses Mal keine Innenillustrationen, was den Gesamteindruck ein wenig stört. Dadurch rechtfertigt sich auch nicht das große, unhandliche Format. Der Umschlag ist aus Hartpappe und in der Art aufgemacht, wie alle Paperbacks des Atlantis-Verlags. Nach dem Lesen sieht man das dem Buch deutlich an und eine Laminierung könnte hier Abhilfe schaffen. Eine Fülle an Druckfehlern trübt den Lesespaß zusätzlich.