Die Palästinenser leben in einem besetzten Land, ihr Alltag ist von geschriebenen und ungeschriebenen Regeln geprägt, von der Willkür der Besatzungsmacht Israel, von der Schwierigkeit und Mühsal, in einem von Mauern mehr und mehr begrenzten Gebiet zu überleben. Sumaya Farhat-Naser, Preisträgerin versch. Friedenspreise, schildert dem Leser ihren Alltag in einem Tagebuch, das von Juni 2006 bis März 2007 geschrieben wurde. Damit bekommt man einen höchst aktuellen Einblick in die derzeitige Situation der Plästinenser in Israel. Die Autorin lebt in Birzeit und berichtet von ihrer Familie, ihren Verwandten und deren Schicksalen, von ihrer Friedensarbeit in Schulen und in Frauengruppen. Sie erzählt von schwierigen und gefährlichen Auseinandersetzungen mit Israelis an den Checkpoints, aber auch von Vorträgen im Ausland, vom Wiederaufbau ihres Weinbergs, von ihrer Kultur und traditionellen Festen. Es wird klar, dass trotz der ausweglosen Situation versucht wird, einen halbwegs normalen Alltag zu leben, sich an kleinen Dingen zu freuen, um dadurch nicht den Mut und die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten zu verlieren. Ein erschütterndes Buch, das einen durch die Erzählung der täglichen Schickanen durch die Besatzermacht, durch die täglich zu betrauernden Toten, schockiert und fassungslos ob der Situation im Nahen Osten zurücklässt. Darum ist es umso mehr zu bewundern, dass die Autorin selbst noch nicht die Hoffnung auf Frieden verloren hat und weiter kämpft für eine gewaltlose Einigung zwischen Palästinensern und Israelis. Ausserdem mit einem höchst interessanten Nachwort von Ernest Goldberger über die Verantwortung Israels mit ganz neuen Ansichten und weiteren Fakten zum Konflikt im Nahen Osten.