Ganz richtig: Ich habe bisher Beat 'em Up-Spiele (Kampfspiele) gemieden und wirklich nur dann "Tekken" raus gekramt, wenn mal Kollegen für eine Runde darum gefragt hatten. Ich muss aber auch offen gestehen, dass ich ein großer Fan von Final Fantasy bin und keines der Spiele, wo dieser Name vorkommt, meiden möchte.
"Dissidia 012 duodecim Final Fantasy" ist zwar kein Final Fantasy wie gewohnt, jedoch aber eine wirklich gelungene Abwechslung:
Das Spiel vereint alle Hauptcharaktere der Solo-Final Fantasy-Spiele (also I, II, III etc., nicht Crystal Chronicles usw.) und verwickelt diese in eine ebenso geniale Handlung, bei der es darum geht, sich durch das Kämpfen den Zugang zur "Oberwelt" zu verschaffen. Der Weg bis dahin ist natürlich mit "Manikins", den Gegnern, gefüllt und muss frei gekämpft werden. Der Rest der Geschichte ist reichlich gefüllt mit Komplexität und Spannung, sodass meine Worte dafür nicht ausreichend genug wären, um Euch einen besseren Eindruck zu geben. Am besten, man lernt das Spiel mal selbst kennen.
Ihr startet das Spiel mit "Lightning", dem Hauptcharakter aus Final Fantasy XIII und wechselt im Laufe des Spiels Euren Charakter.
Das Spiel beginnt mit einer sehr detailreichen Erzählung, bei dem Ihr mit der Handlung des Spiels vertraut gemacht werdet. Folgend sind einige Einsteiger-Hilfen durch "Kupo" - welchen wir aus Final Fantasy IX als Ratgeber zur Verfügung hatten - gegeben. Nachdem Ihr einige Kämpfe zur Veranschaulichung hinter Euch habt, dürft Ihr zwischen zwei Modi wählen: RPG- oder Action-Style. Richtig gelesen: Ihr dürft frei entscheiden, ob Ihr die Kämpfe wie gewohnt lieber strategisch (wie bei den FF-Spielen auch) angehen wollt oder eben der "Draufgänger" seit und ein wenig Abwechslung zu den FF-Spielen wollt. Zwar bin ich in dieser Hinsicht der strategische Typ, jedoch kommt der Reiz des Spiels erst mit dem Action-Sytle zum Vorschein, aber das sollte jeder für sich selbst entdecken und entscheiden.
Das Spiel basiert auf einer Unterwelt, die nebenher einige "Sanctoriums" beinhaltet, in denen gekämpft wird. Diese Welt ist begrenzt frei begehbar, denn je mehr "Sanctoriums" man hinter sich hat, desto mehr weitet sich das begehbare Feld in der Unterwelt aus. Klingt wie die anderen Final Fantasy-Spiele, jedoch ist dieses ein klein wenig anders. Frei geschaltete "Sanctoriums" leuchten schwarz-rot, sodass man eigentlich keinem Rätsel unterworfen ist, was nun zu erledigen ist.
Betritt man dann mal ein "Sanctorium" fühlt man sich in erster Linie wie auf einem Schachfeld: Es gibt Gegner, die blockieren den Weg und müssen bekämpft werden, jedoch gibt es auch einige Gegner, die den Weg zum Ziel nicht blockieren und deshalb auch nicht bekämpft werden müssen, aber Achtung! Die Feinde, die sich im Sanctorium befinden, sind die einzigen, d.h. wenn man mal darauf angewiesen ist, seine EXP (Erfahrungspunkte) und den damit verbundenen Level-Anstieg zu erhöhen ist es absolut ratsam, sich jedem Gegner zu stellen, um stärker zu werden. Also, keine Zufallskämpfe!
Die Quests sind natürlich nicht nur mit Gegnern gefüllt und auch "freiwillige Gegner", also die, die nicht den Weg blockieren, sind auch nicht nur zum Zeitvertreib und zum Sammeln von EXP, sondern sie blockieren meistens auch Schatztruhen, die wirklich geniale Items beinhalten. Diese können wie gewohnt "Abilities" (Fähigkeiten), "Equipments" (Ausrüstung) oder eben "Gil" (Zahlungsmittel) sein, die einem zu "angenehmeren" Kämpfen verhelfen. Wie man diese an- und ablegt ist zwar auch eine eigene Philosophie, jedoch nach einer bestimmten Eingewöhnungszeit nur noch Routine - wie bei jedem anderen Spiel auch.
Die Kämpfe sind wirklich ein Stück Erlebnis; egal, wie man jetzt das Wort "Erlebnis" definieren mag: Es gilt, sich sehr, sehr viele Tastenkombinationen einzuprägen und diese auch sinngemäß einzusetzen - und dies ist wirklich nicht nach einer Viertelstunde getan. Nicht einmal die gewohnten HP (Health Points) spielen bei den Kämpfen eine große Rolle, denn das System ist völlig anders. Man hat so gesehen andere HP, die, wenn sie aufgebraucht sind, zu einem "Break!" führen und mit einer Spezial-Attacke den Gegner völlig aus dem Rennen ziehen und der Kampf gewonnen ist. So fällt einem echten FF-Fan auch direkt auf, dass man in Sanctoriums oder gar in den jeweiligen Quests mit den Gegnern etwa keine Potions (Heilmittel für die HP) aufnehmen kann. Lediglich "Medica" kann als Modus in einem laufenden Kampf eingesetzt werden, jedoch finde ich die Wirkung dieser Magie wirklich lächerlich. Die Areale für die Kämpfe sind jedoch sehr groß, was man nun als Vor- oder eben als Nachteil werten kann. Auch dies sollte jeder für sich herausfinden, ob er dies ausnutzen mag bzw. kann.
Die Grafik des Spiels ist vergleichbar mit "Final Fantasy Crisis Core", welcher schon vor einigen Jahren erschienen ist. Ich denke mal, dass dies das Ultimatum darstellt und kaum mehr heraus zu holen ist. Auch nach etlichen, intensiven Spielstunden konnte ich keine Bugs, Spiel- oder Pixelfehler sowie Abstürze verzeichnen, was bei einem derartigem Umfang und Genialität schon sehr gute Leistung darstellt.
Die Steuerung ist, wie eben auch schon etwas angeschnitten, eine pure Herausforderung - auch nach einigen Stunden. Seit dem Release nutze ich jede freie Gelegenheit, ein wenig das Spiel zu spielen und ich habe immer noch einige Schwierigkeiten bei der Umsetzung einiger Aktionen in laufenden Kämpfen. Manchmal sind die Kämpfe - auch im leichtesten, wählbaren Modus - eine echte Nervenprobe und wenn dann die Undurchschaubarkeit der Steuerung hinzu kommt, dann kommt erst recht die totale Verzweiflung. Bei manchen Spielen geht das nunmal schneller, bei anderen eben nicht. Dies müssen wir halt so hinnehmen.
Die Musik im Spiel - soweit ich diese wahrnehmen konnte - basiert jeweils auf den Soundtrack des Spiels, wo der Charakter herkommt, d.h. wenn man zu Beginn mit Lightning aus Final Fantasy XIII die Quests durchforstet kommen Tracks aus dem Spiel FF XIII; wenn man mit dem Hauptcharakter von FF XII spielt, so hat man es mit der Musik aus FF XII zu tun. Dies finde ich jedoch eher angenehm als belastend, denn so kann man wenigstens Erinnerungen erfrischen und hat eben nicht nur monotone Hintergrund-Musik am laufen, die nach einer Zeit völlig ausgelaugt wirkt.
Und die Tatsache, dass zwar die Untertitel auf deutsch ziemlich gut gelungen sind, jedoch aber im Menü einiges gemischt ist (mal englisch, mal deutsch) verwirrt zwar den Spieler ungemein und nimmt etwas vom Flair des Spiels etwas ab, jedoch ist dies für mich lange kein Grund, einen oder gar mehrere Sterne für das Spiel abzuziehen, denn die Genialität des Spiels hat auch weiterhin Bestand.
Fazit: Endlich mal ein Spiel, was alle Hauptcharaktere aller bisher erschienenen FF-Spiele vereint; zwar ist es kein "echtes" Final Fantasy, aber wer nicht auf das absolute RPG-Feeling verzichten kann, der kann ja auch gerne das Spiel im RPG-Modus spielen.
Absolute Kaufempfehlung!