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Nach der 1967 erschienenen «Grammatologie» kann die «Dissemination» von 1972 als Jacques Derridas wichtigste Publikation zur Theorie des Textes gelesen werden. Er formuliert und demonstriert darin seinen in der «Grammatologie» erstmals in extenso entfalteten Gedanken über das Ende des Buches und den Anfang der Schrift. In minuziösen und eigensinnigen Lektüren zu Platon, zu Mallarmé und Philippe Sollers entwickelt er am Problem der «mimesis» (Nachahmung) das Konzept eines «disseminalen Textes» (von «disséminer»: zerstreuen), der sich nicht von einem genau definierbaren Sinnzentrum herschreibt und interpretativ darauf je wieder zurückgeführt werden kann. «Dies hier (also) wird kein Buch gewesen sein.» Indem der erste Satz der «Dissemination» ihren Status als Buch verneint, öffnet sie den Blick für ein «Hors livre», ein Ausserhalb des Buches, das es als die offene Totalität aller möglichen Lektüren ausweist. Damit aber wird es als Buch sowenig identifizierbar wie der Text oder das Zeichen. Es wird, anders gesagt, zur Schrift.
Michael Mayer
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