Nach nur einem halben Jahr seit ihrer Gründung im Sommer '66 haben Cream mit Disreali Gears ihr zweites Album herausgebracht. Aufgenommen in 3 Tagen. Die Entwicklung des Sounds der Band kann man am besten begreifen, wenn man dieses Album mit ihrem ersten vergleicht. Sie haben einen großen Schritt nach vorn gemacht, und das nach einem furiosen Debut. Ihre Kreativität hat sich enorm gesteigert. Alle Songs stammen aus der eigenen Feder, vornehmlich von Jack Bruce und dem Dichter Peter Brown geschrieben: Hier gibt es lyrische Texte und ebenso farbenfrohe Musik wie das Cover vermuten läßt. Cream haben ihren Blues-Horizont um einige Lichtjahre erweitert, die Stücke kommen in einer einzigartigen Songstruktur mit außergewöhnlichen Akkordfolgen. Natürlich sind ihre Blueswurzeln gut herauszuhören: bei "Strange Brew", "Sunshine of your love" (wozu sie Jimi Hendrix inspirierte) oder "Take it back". Richtig psychedelic wird es bei "We're going wrong" (hypnotisch!), "Tales of brave ulysses" oder "Dance the night away". Auch der britische Humor findet seinen Platz in "Mother's lament". Die musikalischen Fähigkeiten von Bruce, Baker & Clapton kommen auf dieser Scheibe voll zum Tragen, zum Genuss des Hörers.
Sollte dies jemand lesen, dem Cream unbekannt sind... diese Musik ist anders als das, was man heute von Clapton gewohnt ist. Und sie ist auch sehr verschieden von aktueller Musik, egal, welches Genre. Womöglich erscheint sie nicht leicht zugänglich für heutige Hörgewohnheiten... und dies möchte ich als Qualitätsmerkmal herausheben. Cream waren sehr einzigartig. Clapton war nie besser...und erst 21! Dabei war dies eine Band von 3 gleichberechtigten Virtuosen, wobei seinerzeit jeder als "bester" auf seinem Intrument galt.
Vielleicht dauert es noch seine Zeit, bis sich neuere Bands auf die Cream beziehen, so wie es die Britpopper auf die Beat-Bands tun. Cream haben auf jeden Fall den Rang, die Klasse & Bedeutung, daß sie ein eigenes Genre intiiert haben.