Überwiegend positiv wurde "Eine Weihnachtsgeschichte" nicht gerade von der Kritikerwelt aufgenommen. Zu leblos und puppenhaft wirken die Figuren, zu hektisch seien die Kamerabewegungen. Dazu kommt noch die disney-untypische, düstere Stimmung... Also alles Humbug? Mitnichten!
Ganz klar, der Film richtet sich eher an ein erwachseneres Publikum. Wenn ein Geist sich selber vor lauter Schreien den Kiefer ausrenkt, ist das definitiv nichts für unsere Jüngsten! Es war von Anfang an Robert Zemeckis erklärte Absicht, der berühmten Buchvorlage näher zu kommen als sämtliche Verfilmungen und Interpretationen zuvor. Wer also die Romanvorlage kennt, weiss, dass hier eine äusserst original-getreue Interpretation des Stoffes vorliegt... Ich vermute deshalb, dass diejenigen Stimmen, welche den Film als zu brutal für einen Familienfilm abgetan haben, selbst wenig Kenntniss von Charles Dickens Weihnachtsgeschichte haben. Ich gebe allerdings zu, dass die Marketing-Maschinerie Disneys hier den Film als etwas zu verkaufen versucht hat, was es eigentlich gar nicht ist, bloss, um mehr Einnahmen zu erzielen...
Wie dem auch sei, nun möchte ich einige Worte zum Film selber verlieren. Die Geschichte ist den Meisten mehr oder weniger bekannt: Als dem kaltherzigen und geldgierigen Ebenezer Scrooge an heilig Abend die drei Geister der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erscheinen, steht ihm die zugleich aufregendste wie auch erschreckenste Reise seines mittlerweile viel zu langen Lebens bevor. Eine Reise, die ihm die eigene Trost- und Herzlosigkeit vor Augen hält, was ihn grundlegen verändern wird.
Die nun endgültig etablierte Motion-Capture-Technik, die vorallem von R. Zemeckis regelmässig zelebriert wird (man denke an "Polarexpress" oder "Beowulf"), ist Geschnmackssache. An die Animationen eines "Avatar" oder "Gollum" kommt der Film sicher nicht ran, doch die Figuren fand ich zumindest keineswegs leblos! Jim Carrey, der hier fast alle Figuren selber spielt und spricht, liefert eines seiner hervorragendsten Leistungen ab! Gerade er, ein Schauspieler mit sovielen verschiedenen Gesichtsausdrücken wie es Sand am Meer gibt, schafft es, dass jede Figur einen ganz eigenen Charakter erhält. Seine Interpretation des menschenhassers Scrooge ist dabei soo kalt und herzlos, dass einem diese tragische und einsame Figur schon fast wieder sympatisch wird. Die wenigen Nebenrollen wurden zum Glück ebenfalls hochkarätig besetzt - unter anderem sprechen Gary Oldman und Colin Firth ihre Figuren.
Während die technische Darstellung der Figuren durchaus diskutiert werden darf, bietet das wunderschön Weihnachtliche Setting überhaupt keinen Grund zur Kritik: Die verschneiten Dächer des alten, viktorianischen Londons, belebte Srassen mit allerlei Weihnachtsschmuck, weihnachtliche Musik hier und da... Wenn es nicht mal düster ist, dann "weihnachtets" ganz schön in diesem Film :-). Die rasanten und perfekten Kamerafahrten durch dieses Bilderbuch-London sind perfekt choreographiert und warem vor allem im Kino dank der 3D-Technik ein wahrer Augenschmauss. Dass es auf der heimischen Heimkino-Anlage zu kleinen Abzügen kommt, ist absolut verschmerzbar, die gebotenen Bilder dürften auch so ihre volle Schönheit entfalten.
An der Geschichte selber hat sich - wie Eingangs schon erwähnt - nicht viel verändert im Vergleich zur Romanvorlage. Und auch für jene, welche die Geschichte vorher noch nicht kannten, wird der Film keine überraschenden und unvorhersehbaren Wendungen bieten können. Dafür aber schaut man sich den Film auch gar nicht an. "Eine Weihnachtsgeschichte" punktet da, wo sie sollte: Sie trifft den "Weihnachten ist das Fest der Liebe"-Nerv, bringt uns einige Botschaften über Nächstenliebe und Lebensfreude näher. Kitschig, klar... aber das darf es ja auch sein, wenn mann sich einen Weihnachtsfilm anschaut.
Fazit:
Es bleibt also ein Weihnachtsfilm mit einem grandios auspielenden Jim Carrey, wunderbar komponierte Weihnachtskarten-Bilder eines verschneiten Londons und jede Menge Weihnachtszauber. Die Motion-Capture Technik darf durchaus diskutiert werden: Mir gefällts. Die düstere Stimmung des Films ist auf die ebenso düstere Romanvorlage zurückzuführen, da der Film aber durchaus auch seine witzigen Momente hat, welche diese Düsterniss durchbrechen, ist das überhaupt kein Problem. Wer sich gerne auf seiner Couch unter der warmen Decke bei Kakao und Kaminfeuer gemütlich machen will, und sich dabei mit einem Film auf Weihnachten einstimmen will, ist "Disneys - Eine Weihnachtsgeschichte" ans Herz zu legen :-)